Dänemark hat die Schweizer Krankheit

Anleger haben die dänische Krone zur neuen Zielscheibe auserkoren. Die Zentralbank tut alles, um die Anbindung an den Euro zu verteidigen. Trotzdem setzen Spekulanten auf eine Wiederholung des Falls SNB.

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Simon Schmid@schmid_simon

Die Dänen sind ein gemütliches Volk. Sie treffen sich beim Smørrebrød, lieben ihre Königin und haben es am liebsten «hyggelig»: nett, geborgen, kameradschaftlich. Dem Euro beigetreten ist Dänemark nicht, trotzdem ist die Krone seit dreissig Jahren am Währungssystem angebunden. Die Kopplung an den grossen Nachbarn hat dem Land über Jahrzehnte Stabilität verschafft und es vor Turbulenzen bewahrt.

Nun steht das Arrangement unter Stress. Die dänische Zentralbank steckt in einer unangenehmen Lage: Seit die SNB den Mindestkurs zum Euro aufgegeben hat, fliessen massenhaft Gelder in den Norden. Anleger spekulieren, dass auch Dänemark den Fixkurs aufgeben könnte. Das zwingt die Zentralbank zu Interventionen. Umgerechnet 14 Milliarden Euro wurden im Januar für Währungskäufe ausgegeben. Für den Finanzzwerg aus Skandinavien ist das viel.

Aktivismus der Notenbank

Viel steht auch auf dem Spiel. «Jegliche Handlungen, wie wir sie in der Schweiz gesehen haben, wären nicht sehr vorteilhaft für Novo Nordisk», sagt Lars Rebien Sørensen, Chef des Weltmarktführers in Diabetes-Pharmazie. Die Firma wäre gezwungen, «Produktivität, Kostensituation und ähnliches anzuschauen». Die Botschaft ist klar: Ähnlich wie Novartis oder Roche in der Schweiz verfügt Novo Nordisk mit 37'000 Mitarbeitern in 76 Ländern über Ausweichmöglichkeiten, sollte die dänische Krone zu teuer werden.

Entsprechend zieht die dänische Zentralbank sämtliche Register, um den Kurs von 7,4 Kronen pro Euro zu verteidigen. Seit dem 17. Januar hat sie bereits dreimal die Einlagenzinsen für Banken gesenkt: erst von -0,05 auf -0,2 Prozent, dann weiter auf -0,35 Prozent, und schliesslich auf -0,5 Prozent. Mittlerweile ist das dänische Zinsniveau das zweittiefste der Welt. Die zehnjährigen Anleihen werfen 0,26 Prozent Zinsen ab, nur in der Schweiz sind es mit -0,13 Prozent sogar noch weniger.

Um die Langfristzinsen zu senken, hat die Notenbank tief in die Trickkiste gegriffen und zuletzt den Verkauf von dänischen Staatsanleihen bis auf weiteres ausgesetzt. Gleichzeitig signalisiert sie Bereitschaft, «unbegrenzt» auf dem Währungsmarkt zu intervenieren. Ein gewisser Spielraum dafür ist auch vorhanden. Die dänischen Währungsreserven betragen erst 30 Prozent des BIP. In der Schweiz stehen sie mittlerweile bei 80 Prozent, was als Gefahr für die Volkswirtschaft angesehen wurde.

Das dänische Dilemma

Als Folge der Massnahmen hat sich die Krone am Devisenmarkt um ein Zehntelcent abgeschwächt. Das Dilemma der Notenbank bleibt jedoch dasselbe: Jede ihrer Massnahmen stärkt finanzmathematisch zwar den Euro, schwächt aber gleichzeitig ihre Glaubwürdigkeit. «Ist der Aktivismus ein Zeichen von Entschlossenheit oder von schierer Verzweiflung?», fragt die «Financial Times» und lässt die Frage von einem Währungsexperten aus New York beantworten: «Es ist etwas dazwischen.»

Dänemark hat als eines von wenigen europäischen Ländern nach wie vor ein AAA-Rating. Derweil suchen Anleger im Zuge des Quantitative-Easing-Programms der EZB nach Alternativen zum Euro. Das wiederum ruft Spekulanten auf den Plan, welche den dänischen Zentralbankchef Lars Rohde in die Knie zwingen wollen. Dass die Krone eigentlich überbewertet ist, stört diese Spekulanten nicht: Für die Dänen und ihre Notenbank bleibt es – trotz aller Traditionen – in nächster Zeit deshalb ungemütlich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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