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Corona: Hildebrand kritisiert mangelnde Führung der USA

Der Schweizer Ex-Notenbanker sagt, die USA müssten rasch mithelfen, eine Rezession abzuwenden. Bei der Finanzkrise 2008 habe das besser geklappt.

«Es gibt Zeiten, da können Politiker einen grossen Unterschied machen»: Philipp Hildebrand vermisst die Führung der USA. Foto: Keystone
«Es gibt Zeiten, da können Politiker einen grossen Unterschied machen»: Philipp Hildebrand vermisst die Führung der USA. Foto: Keystone

Auf jede Nachricht zum Coronavirus reagieren die Börsen nervös. Zwar werden vielerorts Programme aufgegleist, um die wirtschaftlichen Folgen abzuschwächen. Offen ist aber, ob das reicht. Unklar ist auch, ob US-Präsident Donald Trump die Auswirkungen des Coronavirus genügend ernst nimmt. Diese Frage treibt nicht nur Gesundheits-, sondern auch Wirtschaftsexperten um.

Philipp Hildebrand, Vizepräsident von Blackrock und einstiger Präsident der Schweizerischen Nationalbank, warnt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg davor, die Situation zu unterschätzen. Dafür sei die US-Regierung um Donald Trump zu wichtig. Denn es brauche dringend eine kohärente US-Führung, um zu verhindern, dass die Panik auf den Märkten in eine weitere Finanzkrise im Stil von 2008 umschlägt, so der Ex-Notenbanker. «Ob wir die US-Führung haben, die wir 2008 hatten, um das zu schaffen, ist eine grosse Frage», so Hildebrand gegenüber Bloomberg.

«Die Märkte haben gut funktioniert»

Eine Krise könne immer noch vermieden werden, wenn die politischen Entscheidungsträger bereit und in der Lage seien, eine koordinierte fiskalische und geldpolitische Reaktion in Gang zu setzen, sagte Hildebrand. Die Auswirkungen des Coronavirus können einen heftigen und tiefgreifenden Einfluss auf das globale Wirtschaftswachstum haben.

«Ist eine Rezession vermeidbar?», fragte die Moderatorin. «Es gibt Zeiten, da können politische Entscheidungsträger einen grossen Unterschied machen», so Hildebrand. Jetzt sei so ein Moment. Es brauche daher koordinierte und weitreichende Massnahmen der Politik, um eine Abwärtsspirale zu verhindern.

«Es ist wie bei einer Naturkatastrophe, auch dort muss der Staat helfen.»

Philipp Hildebrand

Denn würde sich die Krise ausweiten, könnten viele kleine Firmen dichtmachen und viele Arbeitnehmer ihre Stellen verlieren, so Hildebrand. Viele kleine Unternehmen hätten kaum Reserven. Es steht schnell schlecht um sie, wenn die Kunden ein paar Wochen ausbleiben. «Es ist wie bei einer Naturkatastrophe, auch dort muss der Staat helfen», so Hildebrand.

Ein positives Signal sieht Hildebrand darin, dass die Börsen trotz des Kurssturzes am Montag offen geblieben sind. «Die Märkte haben gut funktioniert», so Hildebrand. Die Börsen hätten trotz der starken Schwankungen den Handel abwickeln können. Auch die Indexfonds ETF hätten funktioniert. Die Finanzprodukte werden immer wieder kritisiert, weil sie den Herdentrieb an den Märkten verstärken würden, da sie dafür sorgen, dass viele Anleger ähnlich investieren.

Offen bleibt, ob die Warnrufe von Hildebrand gehört werden. Es wird schon einmal als positives Signal gewertet, dass er die Chefs der grössten US-Banken eingeladen hat, um sich über die Folgen des Coronavirus für die US-Finanzplatz zu informieren.

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