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Chinas Billig-Arbeiter haben genug

Drei Jahrzehnte lang waren Chinas Küstenregionen die Zentren des Wirtschaftsbooms - dank tiefer Löhne. Nun wird immer öfters gegen die Tiefstlöhne protestiert. Und Jobs ins Hinterland verlagert.

Überlastet, ausgenutzt: Chinas Billig-Arbeiter fühlen sich ungerecht behandelt.
Überlastet, ausgenutzt: Chinas Billig-Arbeiter fühlen sich ungerecht behandelt.
Reuters

Als Werkbank der Welt wurde der Süden und Osten Chinas berühmt. Niedrige Löhne lockten Konzerne aus aller Welt an. Nun aber sorgen Selbstmorde unter Arbeitern und Streiks für Aufsehen. Erste Firmen mussten die Löhne deutlich anheben. In den Boom-Regionen wollen die Menschen nicht nur malochen, sondern auch ein gutes Leben führen.

Mindestens elf Selbstmorde gab es in den vergangenen Monaten beim taiwanischen Konzern Foxconn, der in China das Internet-Handy iPhone für Apple produziert. Angesichts weltweiter Empörung erhöhte das Unternehmen die Löhne in seinem Werk in der südchinesischen Stadt Shenzhen im Süden von China um fast 70 Prozent.

Knapp kalkuliert

Nun plant die Firma gemäss Medienberichten, die Produktion in die zentrale Provinz Henan zu verlagern. Dort liegt der Mindestlohn bei umgerechnet etwa 95 Franken, in Shenzhen bei knapp 177 Franken.

Nach Ansicht von Experten ist die Verlagerung ökonomisch sinnvoll, da viele Firmen nur eine Gewinnspanne von 2 bis 4 Prozent hätten. Es gebe kaum viel Spielraum, wenn die Kosten stiegen. Die US- Konzerne Hewlett-Packard und Cisco machten den Schritt bereits: Sie weihten grosse Werke im südwestchinesischen Chongqing ein.

Chongqing will in den kommenden Jahren zum grössten asiatischen Standort zur Computer-Produktion werden. Die chinesische Zentralregierung fördert den Aufstieg der abgelegenen Provinzen: Sie gibt seit Jahren Milliarden-Summen aus, um die Regionen mit Eisenbahnen und Autobahnen zu erschliessen.

Ab ins Hinterland

Schon werden Arbeitskräfte an der Küste knapp. Weil die Löhne nun auch in den abgelegenen Regionen steigen werden, gibt es für junge Menschen dort keinen so grossen Anreiz mehr, in die Küstenregionen abzuwandern.

An der Küste ist das Leben teuer, den Arbeitern bleibt immer weniger vom Lohn, sie sind getrennt von Familien und Freunden. «Arbeiter verlangen nun höhere Löhne, wenn sie an die Küste gehen sollen, also hat es Sinn für die Firmen, näher zu den Arbeitern zu gehen», sagt Mark Williams, Ökonom bei Capital Economics in London.

«Wir wollen mehr»

Und so könnten die vertrauten Bilder von Millionen chinesischer Wanderarbeiter, die durchs Land ziehen, bald der Vergangenheit angehören. In den Küstenstädten ist das bereits zu sehen: Immer öfter sind junge Chinesen mit trendigen Sportkleidern und Frisuren anzutreffen.

So wie Chen, ein junger Arbeiter, der an den jüngsten Streiks bei Honda beteiligt war. «Die Generation vor uns wollte überleben, es warm haben und ernährt werden», sagt der 25-Jährige, der sein Haar in einem angesagten Braunton gefärbt hat. «Wir wollen mehr, weil wir grössere materielle und spirituelle Ansprüche haben.»

Streiks in ausländischen Fabriken

Chen und seine Kollegen erhalten seit einigen Wochen 25 Prozent mehr Lohn. Doch das scheint nur der Anfang zu sein - immer wieder flammen Streiks in Fabriken vor allem ausländischer Konzerne auf.

Die chinesische Regierung zeigt wenig Interesse, die Entwicklung zu bremsen. Im Gegenteil: In der Provinz Guandong im Süden arbeiten die Behörden am ersten Gesetz für geregelte Tarifverhandlungen, das Streiks künftig legitimieren soll.

(SDA)

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