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China wächst so langsam wie seit 24 Jahren nicht mehr

Die globale Konjunkturflaute hat auch die Volksrepublik erfasst: Erstmals seit Ende der 90er verfehlt das Land die Wachstumsprognose der Regierung.

Die Jahre des Turbowachstums sind vorbei: Ein Mann steht vor der Skyline in Shanghai. (20. November 2013)
Die Jahre des Turbowachstums sind vorbei: Ein Mann steht vor der Skyline in Shanghai. (20. November 2013)
Reuters

Die Jahre des Turbowachstums in China sind vorbei. Im vergangenen Jahr ist die chinesische Wirtschaft so langsam gewachsen wie seit 24 Jahren nicht mehr. Das Wachstum der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt ging auf 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Das Ziel der chinesischen Regierung von 7,5 Prozent Wachstum für das ganze Jahr 2014 wurde erstmals seit Ende der 90er Jahre - wenn auch nur knapp - verfehlt. Den Exporteuren macht die globale Konjunkturflaute zu schaffen. Zudem leidet China unter einer schwächelnden Binnennachfrage und einem abkühlenden Immobilienmarkt.

Nach Angaben des Statistikamtes in Peking wuchs die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal wie im Quartal davor um 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Wachstum blieb damit auf dem Niveau der drei Monate zuvor, als die Wirtschaft das schwächste Quartal seit Anfang 2009 hinlegte.

Langsamer war das Jahreswachstum letztmals 1990, dem Jahr nach der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung, als internationale Wirtschaftssanktionen gegen China verhängt worden waren. 2012 und 2013 hatte das Wachstum jeweils 7,7 Prozent erreicht.

«Neue Normalität»

Statistikchef Ma Jiantang wertete die Entwicklung bei der Vorlage der Zahlen insgesamt positiv. Die Wirtschaft entwickle sich in der «neuen Normalität» beständig. Er sah «positive Trends» wie stabiles Wachstum, eine optimierte Struktur und ein verbessertes soziales Netz.

Wegen der schlechteren Wachstumsaussichten korrigierte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine bisherige Vorhersage für China um 0,3 Punkte auf 6,8 Prozent in diesem Jahr und um 0,5 Punkte auf 6,3 Prozent im nächsten Jahr nach unten.

Nach Angaben von Forschungsdirektor Olivier Blanchard, der den globalen Konjunkturausblick des Währungsfonds in Peking vorlegte, spiegelt der schrittweise Rückgang des Wachstums allerdings «die willkommene Entscheidung, die Wirtschaft in Richtung heimischen Konsum und weg vom Immobiliensektor und den Schattenbanken umzuorientieren».

Tiefe Rohstoffpreise könnten Wirtschaft ankurbeln

Zahlreiche Experten rechnen nun damit, dass die kommunistische Führung ihr Wachstumsziel für 2015 auf rund sieben Prozent heruntersetzen wird. Zudem könnten Regierung und Notenbank zu weiteren Konjunkturhilfen greifen.

Wegen des Verfalls der Rohstoffpreise könnte das Wachstum in China aber nach Einschätzung von Song Guoqing, Berater der chinesischen Zentralbank, auch neuen Schwung erhalten und in diesem Jahr doch wieder 7,3 Prozent erreichen.

IWF erwartet langsameres Wachstum der Weltwirtschaft

Trotz des Rückenwinds durch den niedrigen Ölpreis senkt der IWF derweil seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft. Grund dafür seien etwa schwächere Aussichten in China, Russland, Japan und im Euro-Raum, teilte der Internationale Währungsfonds (IWF) mit.

Die globale Wirtschaftsleistung werde dieses Jahr um 3,5 Prozent zulegen und 2016 um 3,7 Prozent. Der Währungsfonds reduzierte damit die Voraussagewerte gegenüber Oktober um je 0,3 Punkte.

Unter den grossen Volkswirtschaften verbesserten sich laut IWF einzig die Chancen für die USA. Der US-Wirtschaft traut der Fonds 2015 ein Plus von 3,6 (bisher: 3,1) Prozent zu und 2016 von 3,3 (3,0) Prozent.

«Das globale Wachstum wird einen Schub vom niedrigen Ölpreis bekommen», prognostizierten die IWF-Experten. Öl habe sich seit September um rund 55 Prozent verbilligt. Der positive Effekt, dass die Kosten der Unternehmen sinken und die Kaufkraft der Konsumenten steigt, werde aber durch andere negative Einflüsse mehr als wettgemacht.

So gebe es weiter eine Investitionsschwäche in vielen Industrie- und Schwellenländern. Zudem laufe es in einigen Regionen nicht so gut wie erhofft. So seien Stagnation und niedrige Inflation nach wie vor ein Grund zur Sorge in Japan und der Euro-Zone.

Wenig Wachstum im Euro-Raum

Für die Euro-Zone erwartet der IWF 2015 nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,2 (1,4) Prozent und für 2016 von 1,4 (1,7) Prozent. Für Deutschland sagt der IWF nur noch ein Plus von 1,3 (1,5) Prozent beziehungsweise von 1,5 (1,8) Prozent voraus. Für Frankreich wurde die Prognose leicht auf 0,9 Prozent in diesem Jahr und 1,3 Prozent im nächsten gesenkt.

Skeptischer zeigen sich die Experten für Italien. Nach drei Rezessionsjahren dürfte die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone 2015 nur leicht um 0,4 Prozent wachsen. Für 2016 wird ein Plus von 0,8 Prozent erwartet. Damit kappte der IWF die Aussichten jeweils um einen halben Prozentpunkt. Für die Schweiz gab der IWF keine eigene Prognose bekannt.

Minus 3 Prozent für Russland

Noch drastischer senkte der Fonds seine Prognose für Russland und begründete dies mit dem niedrigen Ölpreis, der Rubelabwertung und der Ukraine-Krise. So werde die Wirtschaft im grössten Land der Erde in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfen und im nächsten nochmals um ein Prozent. Zum Vergleich: Bisher hatte der IWF für 2015 noch ein leichtes Plus veranschlagt

Der IWF plädierte dafür, die Wachstumskräfte zu stärken und rief in erster Linie Industriestaaten auf, mehr in die Infrastruktur wie Strassen, Brücken und Versorgungsnetze zu investieren.

In vielen Wirtschaftsräumen müsse die Geldpolitik die Konjunktur weiter anschieben und dabei auch unkonventionelle Schritte einleiten, betonte der IWF - ohne jedoch die Europäische Zentralbank ausdrücklich zu nennen. Die EZB entscheidet am Donnerstag darüber, ob sie ihr umstrittenes Programm zum Kauf von Staatsanleihen startet.

SDA

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