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China kauft in Südamerika gross ein

In den vergangenen Wochen haben sich die Staatschefs von Argentinien, Venezuela und Ecuador in Peking die Klinke in die Hand gegeben. Wo andere Investoren zögern, lässt China Milliarden springen.

China finanziert Argentinien den Bau zweier Wasserkraftwerke: Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner und der chinesische Präsident Xi Jinping in Peking. (4. Februar 2014)
China finanziert Argentinien den Bau zweier Wasserkraftwerke: Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner und der chinesische Präsident Xi Jinping in Peking. (4. Februar 2014)
Reuters

Auf Twitter verkündete die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ihren Landsleuten die frohe Botschaft aus dem fernen China: «Ein langer Tag, aber sehr ertragreich». Sie signalisierte damit diese Woche in die Heimat, dass sie im Buhlen um Finanzspritzen erfolgreich war. Mit Zusagen über 6,8 Milliarden Dollar (knapp 6 Milliarden Euro) für den Bau zweier Wasserkraftwerke und einer Bahnstrecke trat sie die Rückreise an.

Argentinien ist knapp bei Kasse, und China ist bereit, sich einzubringen, wo andere Investoren und Geldgeber zögern. Anders als viele westliche Länder stellt Peking zudem für seine Kredite keine strikten Ansprüche an gute Regierungsführung oder die Achtung der Menschenrechte. Im Gegenzug schafft China sich Zugang zu Märkten und Rohstoffen, quer durch Afrika, aber auch in Lateinamerika. In die Region gingen bereits Kredite von mehr als 100 Milliarden Dollar.

Sinkender Ölpreis und absackende Erträge

«Der Empfang könnte nicht besser sein», twitterte Fernández über ihren Besuch nach Hause. Ihren Gastgeber pries sie als «Volkswirtschaft Nr. 1». Der Besuch und Fernández' lobende Kommentare unterstreichen die wachsende Rolle Chinas als Rettungsanker. Seit Jahren werden Präsidenten aus Lateinamerika in Peking vorstellig, bei sinkendem Ölpreis und absackenden Erträgen für andere Exportgüter wird das Loch in der Kasse immer grösser.

Im Januar verliess der ecuadorianische Präsident Rafael Correa Peking mit Zusagen über 7,5 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) im Gepäck. Der venezolanische Staatschef Nicolas Maduro meldete, ihm seien Investitionen über 20 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) zugesichert worden.

Venezuala gar für China riskant

Allen drei Ländern hilft das chinesische Geld aus der Patsche. Andere Investoren und Gläubiger halten bei dem Trio besonders Abstand – wegen Verzuges bei der Kreditrückzahlung oder der Verstaatlichung ausländischer Firmen oder beidem.

Im Falle Venezuela scheine allerdings auch Peking inzwischen Zurückhaltung zu üben, erklärt Margaret Myers, Direktorin des China-Lateinamerika-Programms im Interamerikanischen Dialog. Venezuela machen soziale Unruhen ebenso zu schaffen wie die einknickende Wirtschaft. China müsse sich nun ausrechnen, ob es Maduros Regierung am Leben halten wolle, damit diese ihre Rechnungen bezahlen könne, sagt Myers.

Im wirtschaftlichen Nutzen beider Seiten erschöpft sich der Austausch nach Darstellung von Cui Shoujun, Professor für internationale Beziehungen an der Chinesischen Volksuniversität in Peking, jedoch nicht. «Wir rechnen nicht nach Gewinnen und Verlusten auf kurze Sicht, sondern bauen auf eine langfristige Bindung», erklärt er. China setze darauf, in seinem Bemühen um mehr internationalen Einfluss langfristige Verbündete in aller Welt zu gewinnen. «Es ist eine Art Partnerschaft, es geht nicht nur darum, dass Lateinamerika auf China angewiesen ist und China Ressourcen will.»

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