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China fällt als Retter in der Not aus

Mit einem gigantischen Konjunkturprogramm stützte China die Weltwirtschaft in der Finanzkrise 2008. Doch in der aktuellen Misere sollte sich niemand zu sehr auf Hilfe aus Fernost verlassen.

Eingetrübter Ausblick in die Zukunft: Touristen betrachten die Skyline von Shanghai, das Symbol für Chinas Aufstieg in den letzten Jahren. (7. August 2011)
Eingetrübter Ausblick in die Zukunft: Touristen betrachten die Skyline von Shanghai, das Symbol für Chinas Aufstieg in den letzten Jahren. (7. August 2011)
Keystone

Die Retter von einst sind müde geworden: Die Volksrepublik hat noch immer die Folgen des vier Billionen Yuan (rund 470 Milliarden Franken) schweren Pakets zu verdauen, das vor drei Jahren nicht nur die heimische Wirtschaft ankurbelte, sondern auch ausländischen Firmen einen Auftragsboom verschaffte.

In der derzeitigen Panik an den Weltbörsen richten Anleger, Unternehmen und Politiker wieder sehnsüchtige Blicke nach Peking. Auch in China werden Stimmen laut, die ein Anfahren der asiatischen Wachstumslokomotive fordern. «Es ist für die Regierung in Peking an der Zeit, der ganzen Welt zu sagen, dass sie die Nachfrage im Inland wieder ankurbeln will», sagt etwa Tang Yunfei, Analyst bei Founder Securities in Peking.

Hoffnung unrealistisch

«Die Hoffnung ist unrealistisch, dass China dieses Mal bereit steht, die Weltwirtschaft zu retten», entgegnet Yu Xuejun, Chef der chinesischen Bankenregulierung in der Provinz Jiangsu. «Wir verdauen noch immer die Reste des Pakets von 2008.» Die Quittung für die damaligen Massnahmen war eine massiv anziehende Inflation.

Die Zentralbank Chinas hat seit Herbst 2010 mit fünf Zinsschritten versucht, Herr der Lage zu werden. Mit mässigem Erfolg: Lebensmittel bleiben teuer. Ein weiteres Anziehen der Preise könnte soziale Unruhen auslösen und womöglich die Macht der Kommunistischen Partei gefährden. Derzeit beträgt die Teuerungsrate 6,5 Prozent und ist damit so hoch wie seit Juni 2008 nicht mehr.

Und die Schulden von 2008 lasten massiv auf dem Land. Damals gehörte China zu den ersten Ländern, die ein Konjunkturpaket schnürten. Die Regierungen in den Provinzen mussten sich viel Geld bei den Banken leihen, um ihren Anteil am Programm der Zentralregierung zu stemmen und Mittel für den Bau von Bahntrassen, Flughäfen und Strassen bereitzustellen.

Möglicher Riesenabschreiber

Die Schulden der Provinzen schossen daraufhin mit umgerechnet rund 1,3 Billionen Franken durch die Decke. Einige Analysten rechnen damit, dass bis zu ein Viertel des Betrages abgeschrieben werden muss. Müsste die Zentralregierung für diese Schulden einstehen, würde das ein ziemlich grosses Loch in die Staatskasse reissen. Neben der hohen Inflation ist das eine der grössten Gefahren für das Wachstum Chinas. Die Banken dürften sich deshalb auch zieren, staatlichen Stellen wieder massiv Geld für Investitionsprojekte zu leihen.

Wenn sich die Aussichten für die Weltkonjunktur weiter eintrüben, könnte die Pekinger Regierung dennoch gezwungen sein, Hilfen ins Auge fassen. Diese Massnahmen dürften dann aber nach Expertenmeinung weitaus bescheidener ausfallen als 2008. So wären Steuererleichterungen für kleine und mittlere Betriebe ebenso eine Möglichkeit wie Zuschüsse für Hausbauer mit geringem Einkommen sowie neue Kreditregeln für Banken, um kleinen Firmen mehr Geld in die Hand zu geben.

«China könnte wie Ende 2008 auch dieses Mal als sicherer Hafen angesehen werden, aber das alte Modell der auf Krediten basierenden Investitionen hat womöglich ausgedient», sagt Analyst Vincent Chan von Credit Suisse in Hongkong. «Die Anleger sollten nicht so bald damit rechnen, dass China am Markt ähnlich auftritt wie 2009.»

SDA/rub

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