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Bürgerkrieg im Fed

«To taper or not to taper», das ist derzeit die Frage in der US-Notenbank. Falken und Tauben liegen sich in den Haaren. Der eigentliche Grund liegt jedoch in den Grenzen der Geldpolitik.

Die Taube im Fed-Streit: William Dudley.
Die Taube im Fed-Streit: William Dudley.
Reuters
Und er gibt den Falken: Richard Fisher (r.).
Und er gibt den Falken: Richard Fisher (r.).
Reuters
In Grossbritannien hat kürzlich Lord Turner vorgerechnet, dass im Vereinigten Königreich bloss 15 Prozent des billigen Geldes in Investitionen fliessen. Der grosse Rest verpufft weitgehend, in Immobilienspekulationen beispielsweise.
In Grossbritannien hat kürzlich Lord Turner vorgerechnet, dass im Vereinigten Königreich bloss 15 Prozent des billigen Geldes in Investitionen fliessen. Der grosse Rest verpufft weitgehend, in Immobilienspekulationen beispielsweise.
Reuters
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William Dudley ist Präsident des New York Fed und Vize-Chairman des Federal Open Market Committee (FOMC), des Gremiums, das über die Geldpolitik der US-Notenbank entscheidet. Er hat sich am Montag entschieden gegen ein Tapering, ein schrittweises Aussteigen aus der Politik des billigen Geldes, ausgesprochen. «Die Wirtschaft hat noch zu wenig Schwung aufgenommen, selbst ein jährliches Wachstum von zwei Prozent ist zu wenig, um die Zustände auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern», erklärte Dudley.

Richard Fisher vom Dallas Fed ist ebenfalls Mitglied des FOMC. Er ist ein erklärter Befürworter eines Taperings und ist daher wenig begeistert vom Rückzug von Ben Bernanke. Der Zickzackkurs des Fed-Präsidenten verunsichere die Märkte und untergrabe die Glaubwürdigkeit des Fed, sagte Fisher gestern, und «genau dies ist auch eingetreten». Die Aktienkurse gaben gestern nach, während die Nachfrage nach 10-jährigen T-Bonds angestiegen ist.

Der erklärte Monetarist

Der Bürgerkrieg innerhalb des US-Fed hat eine lange Tradition. Er dreht sich um Sinn und Zweck der Geldpolitik respektive ihre Grenzen. Seit Jahrzehnten beruft sich das Fed auf die Theorien von Milton Friedman, dem Begründer des Monetarismus. Diese besagen, dass es okay ist, wenn die Notenbank in Krisenzeiten mit tiefen Zinsen versucht, der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Friedman grenzt sich damit ab von den «Österreichern» (von Hayek und von Mises), die jede Intervention des Staates in die Finanzmärkte ablehnen. Friedman grenzt sich auch ab von den Keynesianern, die sich mehr Wirkung von der Fiskalpolitik versprechen, also von staatlichen Ankurbelungsprogrammen. Ben Bernanke ist ein erklärter Monetarist und soll einmal geschworen haben, niemals die von Friedman aufgedeckten Fehler der Notenbanken in den 1930er-Jahren zu wiederholen. Deshalb kämpft das Fed seit fünf Jahren für billiges Geld in der Hoffnung, damit Unternehmen zu Investitionen zu verleiten.

Die aggressive Geldpolitik des Fed hat einen Absturz in eine Grosse Depression verhindert. Darin sind sich die meisten Ökonomen mit Ausnahme der Hardcore-Österreicher einig. Derzeit mehren sich jedoch die Anzeichen, dass diese Politik an ihre Grenzen stösst. In Grossbritannien hat kürzlich Lord Turner vorgerechnet, dass im Vereinigten Königreich bloss 15 Prozent des billigen Geldes in Investitionen fliessen. Der grosse Rest verpufft weitgehend, in Immobilienspekulationen beispielsweise. Turner war lange der oberste Bankenregulator auf der Insel und befand sich nach dem Lehman-Kollaps im Zentrum der Finanzkrise. Was für Grossbritannien gilt, dürfte auch für andere entwickelte Volkswirtschaften mehr oder weniger zutreffen.

Der neue, völlig irrationale und überflüssige Streit

Der Ausstieg aus einer Politik des billigen Geldes ist eine heikle Angelegenheit. Finanzmärkte reagieren sehr viel schneller auf Veränderungen der Geldpolitik als die reale Wirtschaft. Als Bernanke im Frühsommer die Möglichkeit eines Taperings erwähnte, schnellten die Zinsen der T-Bonds sofort hoch, die Aktienkurse stürzten ab. Umgekehrt schossen die Aktienkurse in die Höhe, als der Fed-Präsident verkündete, das Tapering sei bis auf weiteres auf Eis gelegt. Derzeit sind die Märkte verunsichert, weil das Fed unterschiedliche Signale aussendet. Tauben wie Dudley erwecken den Eindruck, dass das Geld weiterhin billig bleibt. Falken wie Fisher hingegen lassen glauben, dass das Fed bald auf die Bremse stehen wird.

Keynesianer wie beispielsweise Paul Krugman oder Joseph Stiglitz sehen sich darin bestätigt, dass sich die Wirtschaft nicht ohne fiskalische Hilfe aus einer Liquiditätsfalle befreien kann. Sie plädieren nach wie vor für ein staatliches Stimulierungsprogramm, vor allem für Investitionen in Infrastruktur und Bildungswesen. Angesichts der Blockierung in Washington ist dies politisch gesehen eine Illusion. Im Gegenteil: Derzeit zeichnet sich ein neuer, völlig irrationaler und überflüssiger Streit über die Schuldenobergrenze ab. Die Geldpolitik des Fed und die reale Politik widersprechen sich somit diametral – und zwingen die Notenbank, weiterhin Geld zu drucken.

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