Börsencrash: Panik oder Panne?

Innert Minuten rauschte gestern in New York die Börse ins Bodenlose. Nach Punkten gemessen verbuchte der Dow Jones den grössten Sturz überhaupt während eines Handelstages. Die Nerven liegen blank, auch in Asien.

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Der Dow Jones Index verlor zwischenzeitlich in weniger als einer halben Stunde fast 1000 Punkte und damit ein Zehntel seines Werts durch computerisierte Verkäufe. Es war der grösste Kurssturz in der Geschichte während eines Handelstag. Am Ende schloss der Index dann mit einem Minus von 347 Punkten.

Es war möglicherweise nur ein Tippfehler und nicht vor allem die Krise in Griechenland, die am Donnerstag zu einem der turbulentesten Tage in der Geschichte der Wall Street geführt hat.

Billion statt Million

Was genau passierte, war zunächst noch unklar. Eine Möglichkeit, die untersucht wurde, war, dass ein Händler Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar statt 16 Millionen Dollar verkaufte. Im Englischen macht nur ein Buchstabe den Unterschied: Billion (Milliarden) statt Million (Millionen). Das löste dann die automatischen Verkäufe aus, die zum Sturzsturz führten.

Die US-Börsenaufsicht untersuchte den Fall. Die Technologiebörse Nasdaq teilte zwei Stunden nach Handelsschluss mit, dass alle offensichtlich irrtümlichen Handelsaktionen zwischen 14.40 Uhr und 15.00 Uhr rückgängig gemacht würden. Ein Grund wurde nicht genannt.

«Das ist eine Börsenpanik»

Händler in New York sprachen von regelrechten Schockreaktionen auf dem Parkett. «Das ist eine Börsenpanik», sagte der Analyst Gregori Volokhine vom Finanzdienstleister Meeschaert. Was den plötzlichen Absturz ausgelöst hatte, war zunächst unklar. «Wir wissen es nicht, wir untersuchen das gerade», sagte Börsensprecher Christian Braakman.

Händler nannten als möglichen Grund aber auch die Proteste in Griechenland gegen das Sanierungsprogramm. Händler fürchteten einen Rückzieher der Regierung und den Staatsbankrott des Landes. Analyst Volokhine wies darauf hin, dass just zum Zeitpunkt des Börsenabsturzes Bilder von gewalttätigen Protesten in Athen im US- Fernsehen liefen. «Alle Augen richten sich auf Europa», sagte der Devisenanalyst Samarjit Shankar von BNY Mellon. «Die Investoren sind beunruhigt wegen des Ansteckungsrisikos unter den europäischen Ländern.»

Asiatische Börsen eröffnen mit starken Verlusten

Die Märkte waren angesichts der Finanzkrise in Griechenland aber ohnehin nervös. Der Dow verlor seit Dienstag 631 Punkte oder 5,7 Prozent. Es waren die grössten Verluste innerhalb von drei Tagen seit März 2009 zum Höhepunkt der Finanzkrise in den USA. Händler erklärten deshalb die Talfahrt mit der Sorge von Investoren angesichts der griechischen Schuldenprobleme.

Nach dem drastischen Kurssturz an der New Yorker Wall Street haben die Börsen in Asien am Freitag mit deutlichen Verlusten eröffnet. In Japan verlor der Nikkei-Index 396,48 Punkte oder 3,7 Prozent auf 10.299,21. Die japanische Notenbank kündigte an, sie werde Handelsbanken zwei Billionen Yen (16,4 Milliarden Euro) für kurzfristige Kredite zur Verfügung stellen, um die Liquidität zu erhöhen. Hintergrund ist auch hier die Unsicherheit über die weitere Entwicklung angesichts der Finanzkrise in Griechenland. Der südkoreanische Index Kospi fiel um 2,9 Prozent auf 1.635,25 Punkte, der australische Leitindex verlor 2,1 Prozent.

cpm/ddp

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