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Bald leergekauft?

Seit einem Monat kauft die EZB im grossen Stil Staatsanleihen. Doch schon bald könnten ihr ihre eigenen Regeln im Weg stehen.

Bewegt die Finanzmärkte mit ihrem Anleihenkaufprogramm: Ein Eurosymbol beim EZB-Sitz in Frankfurt. (2. September 2013)
Bewegt die Finanzmärkte mit ihrem Anleihenkaufprogramm: Ein Eurosymbol beim EZB-Sitz in Frankfurt. (2. September 2013)
Kai Pfaffenbach, Reuters

60 Milliarden Euro will die Europäische Zentralbank (EZB) monatlich aufkaufen, mindestens bis September 2016 und bis die Inflationsrate von zuletzt minus 0,3 an die Zielgrösse von nahe 2 Prozent geführt ist. Die Anleihenkäufe unterliegen gewissen Regeln. So gilt ein Verteilschlüssel, der dem wirtschaftlichen Gewicht der Länder in der Eurozone folgt. Von einzelnen Anleihen sollen nicht mehr als 25 Prozent des ausstehenden Volumens gekauft werden. Ausserdem will die EZB keine Schuldpapiere kaufen mit Renditen, die noch tiefer liegen als der Einlagensatz von zurzeit minus 0,2 Prozent.

Eine wachsende Zahl deutscher Staatsanleihen erfüllt laut einem Bericht des «Wall Street Journal» diese letzte Vorgabe nicht mehr. Schon zu Beginn des Kaufprogramms der EZB lagen 28 Prozent aller ausstehenden deutschen Staatsschulden ausserhalb des definierten Bereichs. Gegenwärtig seien es schon 42 Prozent. Und trifft die Prognose eines Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley ein, dann könnten es schon bald 62 Prozent sein. Denn der Zinsspezialist Andrew Millward glaubt laut dem «Wall Street Journal», dass deutsche Papiere bis zu einer Laufzeit von sechs Jahren schon bald mit minus 0,2 oder weniger rentieren – und damit die Vorgabe nicht mehr erfüllen werden. Schon heute weisen Titel mit bis zu rund sieben Jahren Laufzeit eine negative Verzinsung auf.

«Es gibt nicht genügend Bonds»

Dem Verteilschlüssel der EZB zufolge muss die Notenbank monatlich für 11 Milliarden Euro deutsche Staatstitel kaufen. Doch es könnten nicht genug geeignete Papiere auf dem Markt sein. «Es gibt nicht genügend Bonds mit langen Laufzeiten, ausser es kommt zu einer kurzfristigen Verkaufswelle», sagt Elie El Hayek von HSBC.

Erschwerend kommt hinzu, dass die EZB, die im Rahmen ihres Quantitative-Easing-Programms grundsätzlich Anleihen mit Laufzeiten von zwei bis 30 Jahren aufkaufen will, nicht die einzige Interessentin für langlaufende Anleihen ist. Auch aufgrund regulatorischer Vorgaben halten Pensionsfonds, Versicherer und Banken solche Papiere. Sie trennen sich offenbar nur ungern davon.

EZB könnte zu Politikwechsel gezwungen sein

Die EZB könnte deshalb schon bald gezwungen sein, ihre Zinspolitik zu ändern oder die Ankaufregeln aufzuweichen. Laut Philipp de Cassan von der Bank Nomura könnten die Notenbanker etwa den Einlagensatz noch tiefer in den negativen Bereich drücken oder ihre maximale Beteiligung von 25 Prozent an einer ausstehenden Anleihe anheben.

Doch es gibt auch Stimmen, die kein akutes Problem sehen, allen voran natürlich die Vertreter der EZB selber. Seit der Ankündigung eines Anleihenkaufprogramms trat EZB-Chef Mario Draghi Stimmen entgegen, die zumindest für einzelne Segmente europäischer Staatstitel einen zu engen Markt befürchteten. Gegenüber dem «Wall Street Journal» verweist auch Justin Knight von der UBS auf bereits bestehende Ausweichmöglichkeiten. So könne die EZB auch Schuldpapiere diverser staatlicher Institute wie etwa der deutschen Förderbank KfW kaufen. Und davon gäbe es (noch) genug.

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