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Asmussen schlägt neues Hilfsmodell für Griechenland vor

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen schlägt Athen vor, sich Geld zu leihen – um seine Schulden günstig zurückzukaufen. Doch der Vorschlag stösst vor allem bei der deutschen Regierung auf Ablehnung.

Möchte Griechenland einen Ausweg aufzeigen: EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. (Archivbild)
Möchte Griechenland einen Ausweg aufzeigen: EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. (Archivbild)
Keystone

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat vorgeschlagen, dass die Regierung in Athen umschuldet. Griechenland solle mit geliehenem Geld eigene Staatsanleihen auf den Finanzmärkten zurückkaufen, um so die hohe Schuldenquote des Landes zu drücken, erklärte er der «Süddeutschen Zeitung».

Eine Senkung der Schuldenquote gilt als eine Voraussetzung dafür, dass sich Griechenland in einigen Jahren wieder über private Kapitalgeber finanzieren und ohne Hilfe der Euroländer auskommen kann.

Deutschland nicht begeistert

In Kreisen der deutschen Regierung stiess der Vorstoss Asmussens nach einem Bericht «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» auf Ablehnung. Die Gedankenspiele der EZB seien unrealistisch, schreibt das Blatt in seiner Samstagausgabe. «Die Bundesregierung plant keine neuen Instrumente für den EFSF und ESM», hiess es.

Asmussen verwies laut «Süddeutscher Zeitung» darauf, dass griechische Schuldtitel derzeit auf den Finanzmärkten weit unter ihrem Nominalwert gehandelt werden. «Ganz klar: Die EZB kann einen solchen Schuldenrückkauf nicht durchführen, das wäre Sache des griechischen Staates», sagte Asmussen. Griechenland könnte das Geld wohl nur von den beiden Euro-Rettungsschirmen bekommen. Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hiesse das aber, dass sie den Bundestag um Zustimmung für weitere Hilfen an Griechenland bitten müsste. Genau das hatte sie bisher vermeiden wollen.

Die schwierige Suche nach Lösungen

«Im Moment zeichnet sich ab, dass die griechische Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 deutlich über jenen 120 Prozent liegen wird, die bisher angepeilt sind», sagte Asmussen am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Tokio. «Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern. Dazu könnte ein Schuldenrückkauf gehören.»

Würde die griechische Regierung diese Titel nun zurückkaufen, müsste sie der Zeitung zufolge für Anleihen im Nominalwert von 100 Euro nur einen Kurswert von beispielsweise 50 oder 70 Euro bezahlen. Verkäufer der Anleihen könnten vor allem private Gläubiger wie Banken und Hedgefonds sein, die etwa 100 Milliarden Euro griechische Schulden halten.

Diese Gläubiger würden eine Einbusse erleiden, wenn sie darauf verzichten, die Anleihen in ein paar Jahren zum Nominalwert von 100 Prozent zurückzuerhalten - sie vermeiden aber beim jetzigen Verkauf das Risiko einer Pleite Athens.

(dapd)

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