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Asien als Konsument und Konkurrent

Der asiatische Mittelstand wird zum Hoffnungsträger für die westliche Exportindustrie. Aber in den Schwellenländern entstehen nicht nur Kunden, sondern auch Konkurrenten der westlichen Hightech-Industrie.

Ernst zu nehmende Konkurrenz: Präsentation eines neuen Geely-Luxusautos an der Automesse in Shanghai.
Ernst zu nehmende Konkurrenz: Präsentation eines neuen Geely-Luxusautos an der Automesse in Shanghai.
Eugene Hoshiko, Keystone

Avenir Suisse hat gestern ein Buch mit 44 Ideen für die Schweiz veröffentlicht. Im Vorwort zitiert Direktor Gerhard Schwarz den deutschen Ökonomen Bert Rürup, der für sein Land ein «kleines Wirtschaftswunder» erwartet. Grund für seinen Optimismus ist der neue Mittelstand in Asien. Die Bedürfnisse der aufstrebenden Wirtschaft dieser Schwellenländer und deutsche Exportgüter würden zusammenpassen «wie der Schlüssel zum Schloss», schwärmt Rürup. «Das gilt für Schweizer Unternehmen nicht minder», fügt Schwarz hinzu. «Sie gliedern sich nicht nur in die Wertschöpfungsketten der deutschen Konzerne ein, sondern stehen auch oft mit ihnen im Wettbewerb – manchmal mit noch grösserer Exzellenz.»

Nicht nur Rürup und Schwarz sehen im aufstrebenden Mittelstand die Hoffnung für die eigene Exportwirtschaft. Auch für Jeff Immelt, CEO von General Electric, hat die Krise einen Paradigmenwechsel in der Weltwirtschaft eingeleitet. «In den nächsten 25 Jahren wird der amerikanische Konsument nicht mehr der Treiber der Weltwirtschaft sein», sagt er. «Diese Rolle werden rund eine Milliarde junge Asiaten übernehmen, die in den Mittelstand aufsteigen, ebenso wie die Neureichen in den Rohstoffländern.»

Chinesische Bildungsoffensive

Doch die Asiaten haben nicht nur im Sinn, westliche Hightech-Güter zu importieren. Sie wollen sie selbst herstellen und ebenfalls exportieren. Deshalb investiert China nicht nur in Autobahnen, Flughäfen und Schnellzüge, sondern auch in Fachhochschulen und Universitäten, und zwar im grossen Stil. «China investiert jährlich 250 Milliarden Dollar in das, was Ökonomen menschliches Kapital nennen», stellt die «New York Times» fest. «Sowie die Vereinigten Staaten in den späten 1940er- und den frühen 1950er-Jahren mit der ‹G.I. Bill› Millionen von Veteranen des Zweiten Weltkrieges ausbildeten, verwendet die chinesische Regierung jetzt grosse Mittel, um Millionen von jungen Menschen auszubilden, die vom Land in die Städte strömen.»

Die gewaltige chinesische Bildungsoffensive zeigt bereits Wirkung. In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Universitäten verdoppelt worden. Heute gibt es über 2400 Hochschulen. Die Anzahl der Studenten hat sich im gleichen Zeitraum vervierfacht. Bis Ende dieses Jahrzehnts werden 195 Millionen Hochschulabgänger erwartet, in den USA werden es nur 120 Millionen sein. Die chinesischen Studenten unterscheiden sich kaum noch von ihren westlichen Kollegen. China verfolgt die gleichen Ausbildungsziele wie der Westen. Die Schwerpunkte der Ausbildung umschreibt die «New York Times» wie folgt: «Alternative Energien, Energieeffizienz, Umweltschutz, Biotechnologie, IT und das Herstellen von hochstehenden Gütern wie Hybrid- und Elektroautos.» Das wird Folgen haben: «Zunehmend werden Hochschulabgänger im Wettkampf um Jobs sein», stellt die «New York Times» fest. «Der Bildungsboom in China ist im Begriff, Druck auf die Möglichkeiten von Hochschulabgängern in anderen Ländern zu erzeugen – auch in den Vereinigten Staaten.»

Westliches Know-how eingekauft

Bereits jetzt hat die chinesische Autoindustrie hochfliegende Pläne. Hersteller wie Geely unterhalten ihre eigenen Universitäten. Mit dem Kauf von Volvo hat Geely viel westliches Know-how eingekauft. Der Vorsitzende des Unternehmens, Mr. Li, einer der reichsten Chinesen, denkt weiter. Er will die westlichen Hersteller bei der nächsten Autogeneration – vor allem Hybrid- und Elektroautos – nicht nur einholen, sondern überflügeln. Bereits führt Geely in Grossbritannien Marktforschungen durch, um die Wünsche westlicher Kunden besser kennen zu lernen. Wie man dabei Erfolg haben kann, hat der Computerhersteller Lenovo bereits vorgemacht. Als die Chinesen vor rund zehn Jahren die PC-Sparte von IBM übernahmen, wurden sie milde belächelt. Inzwischen hat Lenovo HP als grössten PC-Hersteller der Welt abgelöst.

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