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Angriff auf den Schweizer 1000er

Kaum fiel der 500er der Euro-Serie, fällt der Fokus auf den Franken. Die Welt soll Druck machen, damit die Schweiz den 1000er aus dem Verkehr zieht – fordert ein Spitzenökonom.

cpm/mdm
Keine Note, die noch von einer Notenbank emittiert wird, vereint einen derart hohen Wert auf sich wie die Schweizer 1000er-Note, ...
Keine Note, die noch von einer Notenbank emittiert wird, vereint einen derart hohen Wert auf sich wie die Schweizer 1000er-Note, ...
Gaetan Bally, Keystone
Sowohl in der Gesamtsumme wie auch in Prozent der Notenanzahl haben die 1000er-Noten noch immer eine grosse Bedeutung.
Sowohl in der Gesamtsumme wie auch in Prozent der Notenanzahl haben die 1000er-Noten noch immer eine grosse Bedeutung.
Quelle: SNB
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«Die Welt soll die Schweiz dazu bewegen, dass sie die Ausgabe der 1000er-Note stoppt», schreibt Lawrence Summers heute in einem Kommentar für die «Financial Times». Sein Aufruf ist deutlich und erfolgt mit Verweis auf die dunkle Vergangenheit in Finanzangelegenheiten. Es wäre «tragisch», wenn die Schweiz davon profitieren würde, dass sich kriminelle Finanzgeschäfte wegen der Abschaffung der 500-Euro-Note verschieben, so der heutige Harvard-Professor.

Summers ist nicht irgendjemand. Das Wort des früheren US-Finanzministers und Wirtschaftsberaters der Obama-Regierung hat Gewicht. In den USA führt er eine eigentliche Kampagne zur Abschaffung der 100-Dollar-Note. Der Spitzenökonom will das Thema kriminelle Finanzgeschäfte – und damit auch die Abschaffung grosser Banknoten – auf die Agenda der G-20 bringen.

Macht Druck auf die grossen Scheine: Lawrence Summers. (Reuters)
Macht Druck auf die grossen Scheine: Lawrence Summers. (Reuters)

Letzte Woche hatte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) das Ende des 500-Euro-Scheins besiegelt. Die Ausgabe der grössten Euro-Banknote wird «gegen Ende 2018» eingestellt. Damit wird der Abstand der weltweit wertvollsten Note – des Schweizer 1000ers – zu den nächstkleineren Geldscheinen noch grösser.

Noten mit besonders hohem Wert kommen gleich aus mehreren Gründen sowohl von namhaften Ökonomen wie auch von der Politik unter Druck, der meistgenannte Grund: Sie eignen sich vor allem für Verbrecher, Terroristen und Steuerhinterzieher hervorragend, weil sie erstens wie alles Bargeld, anders als elektronisches Geld, keine Spuren hinterlassen und zweitens, weil sich mit ihnen auch hohe Summen relativ einfach verschieben lassen (wir berichteten).

Die Negativzinsen umgehen

Hierzulande will die Schweizerische Nationalbank (SNB) bisher nichts von einer Abschaffung der 1000er-Note wissen. Gemessen am Gesamtwert aller umlaufenden Noten fallen 62 Prozent auf dieses Papier bzw. 10 Prozent aller umlaufenden Noten. Der «Economist» wunderte sich jüngst, dass die Note kaum zur Zahlung verwendet werden kann – weil viele Anbieter sie gar nicht annehmen – sie aber dennoch eine derart hohe Beliebtheit hat. Welcher Anteil der Notenverwendung auf zwielichtige Motive zurückgeht, lässt sich naturgemäss allerdings nicht nachweisen.

Dass die Abschaffung grosser Noten vielerorts auf Widerstand stösst, liegt auch an einem wachsenden Misstrauen gegenüber Notenbanken generell. Die Befürworter der Massnahme machen keinen Hehl daraus, dass sie die Noten auch deshalb loswerden wollen, weil dies die Wirksamkeit von Negativzinsen erhöhen würde. Je geringer der Wert einer Note ist, desto höher sind die Kosten der Bargeldhaltung, die als Ausweichmöglichkeit bleibt, wenn das Aufbewahren von elektronischem Geld mit Gebühren belastet wird. Doch genau das erhöht die Beliebtheit dieser Noten.

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