Wie Gangster die Eurozone retten helfen

Die Beliebtheit von grossen Euro-Noten in der Unterwelt scheint die Währung zu stützen. Denn die Europäische Zentralbank verdient kräftig an der Notenausgabe.

Die EZB verdient Milliarden mit der Geldausgabe: Willem Buiter (r.) im Gespräch mit George Soros (l.).

Die EZB verdient Milliarden mit der Geldausgabe: Willem Buiter (r.) im Gespräch mit George Soros (l.).

(Bild: Reuters)

Der Euro sei bei Gangstern, Drogenhändlern und Geldwäschern eine äusserst beliebte Währung, schreibt das «Wall Street Journal» auf seiner Webseite. Davon profitiere die Währung in zweifacher Hinsicht.

Dadurch, dass Gauner ihr Bargeld sehr oft ausserhalb des regulären Finanzsystems horten, werden solche Noten dem liquiden Geldsystem entzogen. Das verknappe die verfügbare Geldmenge und wirke dadurch grundsätzlich der Inflation entgegen.

Euros zu schmuggeln, ist effizienter

Genau das scheine sich zurzeit beim Euro abzuspielen. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, wiege 1 Million Dollar in 100-Dollar-Noten rund 11 kg, gleich viel Geld in 500-Euro-Scheinen jedoch nur rund 2,2 kg.

Gemäss Soren Pedersen, einem Europol-Sprecher, findet die Polizei sehr häufig grosse Euro-Noten in Verstecken. Etwa wenn versucht werde, undeklariertes Geld in Reifen oder anderen Geheimfächern in Fahrzeugen am Zoll vorbeizuschleusen. Solches Geld stamme in der Regel aus dem Drogenhandel.

Noten drucken als zunehmend wichtige Einnahmequelle

Doch die Europäische Zentralbank (EZB) profitiert gemäss «Wall Street Journal» von einem vielleicht weitaus wichtigeren Faktor: Sie verdiene kräftig an der Notenausgabe. Dieser Profit wird Seigniorage (Münzgewinn) genannt und bezeichnet, etwas vereinfacht erklärt, den Unterschied zwischen Produktionskosten einer Währungseinheit und ihrem Nominalwert. Für grosse Noten sei der Unterschied dementsprechend grösser.

In diesem Jahr fallen gemäss Willem Buiter, dem Chef-Ökonomen der Citibank, die Einnahmen durch Seigniorage für die EZB zunehmend ins Gewicht. Die EZB habe inzwischen Milliarden an Anlagen von zweifelhafter Qualität, etwa Staatsanleihen von schwächelnden Mitgliedern der Eurozone. Da komme der Profit, den die Ausgabe von Geld generiere, gerade recht.

Die EZB darf weiterhin mit Milliardengewinnen rechnen

In vergangenen Jahren habe die EZB in der Regel jährlich rund 50 Millliarden Euro Gewinn durch Seigniorage erzielt. 2008, im Jahr der Lehman-Brothers-Krise, seien es jedoch bereits 80 Milliarden Euro gewesen. Buiter glaubt, dass auch bei einer zurückhaltenden Schätzung der jährlichen Zunahme der Geldmenge um 4 Prozent und dem angepeiltem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent – plus einem Spielraum für wirtschaftliches Wachstum – die EZB in den nächsten Jahren mit 2000 bis 7000 Milliarden Euro an Seigniorage-Einnahmen rechnen könne.

Wer dem europäischen Währungssystem das Bargeld entzieht, scheint angesichts dieses astronomischen, möglichen Gewinns unwichtig. Wie eine Sprecherin der EZB gegenüber dem «Wall Street Journal» sagt, sei nicht vorgesehen, die Noten mit einem grossen Nennwert aus dem Verkehr zu ziehen. Auch die geplante neue Euro-Noten-Serie werde die grossen 500er-Noten haben. Sie durch kleinere Noten zu ersetzen, würde nur die Produktions- und Bearbeitungskosten unnötig in die Höhe treiben.

mt

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