Warum die Solarbranche in der Krise steckt

Es wird so viel Sonnenenergie produziert wie nie zuvor. Trotzdem steckt die Solarwirtschaft in der Krise. Auch Schweizer Firmen sind davon betroffen. Solarexperte Urs Muntwyler erklärt die Gründe.

80 Prozent der Solarzellen auf unseren Dächern stammen aus dem asiatischen Raum.

80 Prozent der Solarzellen auf unseren Dächern stammen aus dem asiatischen Raum.

(Bild: Fotolia)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Mehr als 100 Länder subventionieren die Produktion von Solarstrom. Auch die Schweiz macht mit – der Nationalrat hat die Zuschüsse erhöht. Doch obwohl die Menschheit so viel Sonnenenergie produziert wie nie zuvor, steckt die Solarbranche in der Krise.

So hat etwa die Aktie der Thuner Solartechnologiefirma Meyer Burger vier Tage in Serie deutlich an Wert verloren. Sie schloss am Dienstag mit einem Minus von fast 5 Prozent bei 6.67 Franken. Damit ist die Aktie auf ein fast so tiefes Niveau gesunken wie im Juli 2013. Im Februar dieses Jahres hatte die Aktie bei 19.25 Franken ein Mehrjahreshoch erreicht.

Am vergangenen Donnerstag hat die Bieler Firma Sputnik wegen Insolvenz ihren Betrieb geschlossen und rund 200 Mitarbeiter auf die Strasse gestellt. Sputnik war ein international tätiger Hersteller von Solarwechselrichtern.

«Die Konkurse in der Solarbranche werden zunehmen»

Einer, der die Solarbranche aus dem Effeff kennt, ist Urs Muntwyler. Der 56-Jährige hat über 30 Bücher und Broschüren zum Thema publiziert. Er ist Professor für Fotovoltaik und leitet das PV-Forschungslabor an der Berner Fachhochschule. Doch trotz der schlechten Wirtschaftsnachrichten weist Urs Muntwyler das Wort Krise im Zusammenhang mit der Solarbranche weit von sich: «Wir haben uns seit langem gewünscht, dass die Preise für Solarzellen eines Tages so günstig werden», sagt er. Und jetzt, wo dieses Ziel erreicht sei, würden halt ein paar Firmen untergehen.

Diese Entwicklung sei in den Technologiemärkten normal. «Jedes Mal, wenn sich das Volumen der Güter verdoppelt, gehen die Preise um 20 Prozent runter», sagt Urs Muntwyler. Das kenne man aus der Computer- oder Autoindustrie, wo viele Pioniere mit der Zeit von der Bildfläche verschwunden seien. «Es wird künftig noch viele Konkurse geben von Firmen, die Solarmodule oder Wechselrichter herstellen.»

Die meisten Solarzellen in der Schweiz stammen aus Asien

Die Gewinner sind die Konsumenten. «Solarstrom ist so billig wie nie zuvor.» Jeder Hausbesitzer, der heutzutage kein Solardach baue, sei eigentlich ein Dummkopf, sagt Muntwyler. «Damit lässt sich Geld verdienen.» Schade für die Schweizer Volkswirtschaft ist: 80 Prozent der Solarzellen auf unseren Dächern stammen aus dem asiatischen Raum – oft produziert auf Schweizer Maschinen. Lokale Produzenten können mit den Preisen aus Fernost kaum mithalten.

«Politik hat mit Subventionen eine Blase produziert»

Neben der wirtschaftlichen Realität erschwert aber auch die Politik den Alltag der Solarbranche. Länder wie Deutschland, Italien oder Spanien hätten mit ihren hohen Subventionen für erneuerbare Energieträger eine Blase verursacht, sagt Muntwyler. «Als diese Zuschüsse quasi von einem Tag auf den anderen gekürzt worden sind, wurde dies für die Wirtschaft zum Problem.»

Überleben würden vor diesem Hintergrund nur ein paar wenige Grossfirmen wie etwa ABB. «Diese können besser auf die politische Grosswetterlage und Schwankungen reagieren», sagt Urs Muntwyler. «Denn sie besitzen bereits funktionierende Vertriebskanäle in vielen Ländern. Sie müssen sich diese nicht jedes Mal neu aufbauen, wenn irgendwo die Solarzuschüsse erhöht werden.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt