USA belohnen Whistleblower Birkenfeld mit 104 Millionen

Bradley Birkenfeld informierte 2007 die US-Finanzbehörde über die systematische Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei der UBS. Diese Informationen sind den USA 104 Millionen Dollar wert.

Informiert die Presse: Douglas Birkenfeld (zweiter von links) lobt in New York seinen Bruder Bradley.

Informiert die Presse: Douglas Birkenfeld (zweiter von links) lobt in New York seinen Bruder Bradley. Bild: Reuters

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Der ehemalige UBS-Banker Bradley Birkenfeld erhält von der US-Steuerbehörde IRS 104 Millionen Dollar. Damit würden die wertvollen Informationen Birkenfelds über die illegalen Geschäfte der UBS belohnt, wie an einer Medienkonferenz des National Whistleblower Center in Washington mitgeteilt wurde.

Birkenfeld war an der Medienkonferenz nicht anwesend. Sein Bruder Douglas zeigte aber Genugtuung über die Honorierung. «Bradley dankt insbesondere seiner Familie und seinen Freunden für die Unterstützung in der schwierigen Zeit», sagte er an der Medienkonferenz. Whistleblower sollten gefördert und nicht verfolgt werden.

Will um Begnadigung kämpfen

Der Ex-Banker steht laut seinen Anwälten unter Hausarrest. Er wurde auf Bewährung entlassen und will nun für seine Begnadigung durch den US-Präsidenten kämpfen. Einen Teil der Belohnung wolle sein Bruder für wohltätige Zwecke spenden, so Douglas Birkenfeld.

Er wollte sich nicht dazu äussern, was Birkenfelds Zukunftspläne seien. Keiner seiner ehemaligen Kollegen bei der UBS und niemand in der Schweiz habe damit gerechnet, dass sein Bruder als amerikanischer Held für seine Rolle im Kampf gegen illegales Offshore-Banking geehrt werde, sagte Douglas Birkenfeld.

IRS bestätigt die Zahlung

Mit den Informationen habe ein System zur Umgehung von Steuern im Umfang von 20 Milliarden Dollar gesprengt werden können. Mit der Auszeichnung soll zudem generell dazu angestiftet werden, Missstände zu melden. Es sei wohl der grösste Preis, der jemals an einen Whistleblower gegangen sei, sagte Douglas Birkenfeld.

Eine Sprecherin der US-Steuerbehörde IRS bestätigte die Zahlung. Whistleblower seien wertvoll im Kampf gegen Steuerbetrüger, dies solle mit der Anerkennung an Birkenfeld untermauert werden. In den vergangenen Jahren habe die IRS durch deren Tipps hunderte von Millionen Dollar an Steuereinnahmen erzielt. 2011 waren es allerdings nur noch 48 Millionen Dollar nach 464 Millionen Dollar im Vorjahr, wie die Behörde im Juni dem Kongress berichtete.

Machenschaften der UBS

Bradley Birkenfeld hatte die UBS-Steueraffäre ins Rollen gebracht. Er hatte die Machenschaften der Bank der US-Steuerbehörde offengelegt, gleichzeitig aber versucht, seine Rolle in der Affäre zu verschweigen.

Eigentlich hätte Bradley Birkenfeld 40 Monate in der Haftanstalt Schuylkill in der Ortschaft Minersville im US-Bundesstaat Pennsylvania einsitzen müssen. Grund: Er hat dem Milliardär und Immobilienhändler Igor Olenicoff dabei geholfen, rund 200 Millionen Dollar an der US-Steuerbehörde vorbei auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein zu verstecken. Wegen guter Führung wurde er aber bereits im Juli – neun Monate früher – entlassen.

Fünf Jahre in Genf

Der 47-Jährige, der aus einer vornehmen Bostoner Ärztefamilie stammt, informierte 2007 die US-Finanzbehörde über die illegalen Geschäfte beim UBS-Offshore-Team, das reichen US-Kunden geholfen hatte, ihr Vermögen vor dem amerikanischen Fiskus zu verstecken.

Birkenfeld, der während fünf Jahren bei der UBS in Genf arbeitete, reiste im Juli 2007 in die USA und hatte detaillierte Unterlagen im Gepäck, die die Mechanismen des «massiven Betrugs» dokumentierten. Dieses Wissen offenbarte er dem US-Justizdepartement und dessen damaligen Chefverhandler, Kevin Downing, sowie einem Spezialagenten der US-Steuerbehörde.

Doch Kevin Downing reagierte nicht so, wie Birkenfeld es sich vorgestellt hatte. Als Erstes forderte er konkrete Namen der Steuerhinterzieher. Als Birkenfeld diese nicht lieferte, liess er seinen wichtigsten Informanten heimlich überprüfen. Schon bald stiess Downing dabei auf Birkenfelds wichtigsten Kunden, den Immobilien-Tycoon Igor Olenicoff. Dieser gestand im Rahmen der Ermittlungen die Steuerhinterziehung und bezahlte im Anschluss 52 Millionen Dollar an Nach- und Strafsteuern. Doch im Rahmen seines Geständnisses belastete er Birkenfeld schwer, dieser sei für die Hinterziehung von 200 Millionen Dollar verantwortlich.

Beihilfe zum Steuerbetrug

Diese Aussage veranlasste Downing, eine Anklage gegen den Ex-UBS-Banker vorzubereiten. Der Chefverhandler warf Birkenfeld vor, er habe sich einerseits mit seinen Aussagen gegen die UBS Straffreiheit sichern wollen, auf der anderen Seite habe er Olenicoff weiter heimlich beraten wollen. Birkenfeld wurde schliesslich wegen Beihilfe zum Steuerbetrug verurteilt. Weil sich Birkenfeld mit seinen Unterlagen auch an das Subkomitee für Investigationen des US-Senats wandte, wurden diese im Rahmen des Steuerstreits mit der UBS veröffentlicht. Mit seinem Handeln hat Birkenfeld einen Steuerstreit ausgelöst, der bis heute nicht ganz ausgestanden ist. (bru)

Erstellt: 11.09.2012, 16:21 Uhr

Kann zufrieden sein: Whistleblower Bradley Birkenfeld. (Bild: Keystone )

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