Nationalbank warnt vor neuen Risiken im Immobilienmarkt

Rekordtiefe Zinsen verleiten die Banken zu höheren Risiken, die Gefahr für Zinsschocks steigt: Die SNB zeigt sich trotz Einführung von Negativzinsen wieder beunruhigt.

Das Risiko ist laut SNB im Segment der Immobilieninvestoren besonders gross: Bau eines Apartmenthauses der Andermatt Swiss Alps (3. Oktober 2014)

Das Risiko ist laut SNB im Segment der Immobilieninvestoren besonders gross: Bau eines Apartmenthauses der Andermatt Swiss Alps (3. Oktober 2014)

(Bild: Keystone)

Bei den Hypothekarkrediten und Immobilienpreisen könnte sich die Lage wieder zuspitzen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht neues Gefahrenpotenzial, nachdem sie im Januar Negativzinsen eingeführt hat.

Der Zinsrückgang auf dem Geld- und Kapitalmarkt berge mittelfristig das Risiko, dass die Ungleichgewichte auf dem Hypothekar- und Wohnliegenschaftsmarkt erneut steigen könnten. Dies hält die SNB in ihrem Jahresbericht zur Finanzstabilität fest, der am Donnerstag publiziert wurde.

Immobilien gewinnen an Attraktivität

Im Vergleich zu anderen Anlagen schienen Immobilien für Banken, kommerzielle Investoren und Haushalte attraktiver geworden zu sein, sagte SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine an der Medienkonferenz in Bern. Insbesondere im Segment der Wohnrenditeliegenschaften könne die zusätzliche Nachfrage durch Investoren, die auf der Suche nach Rendite sind, die Preise weiter nach oben treiben.

Das rekordtiefe Zinsumfeld biete auch Anreize für Banken, höhere Zins- und Kreditrisiken einzugehen. Die Banken könnten laut Danthine versucht sein, längere Laufzeiten und grössere Kreditvolumen einzugehen, um dem Margendruck zu begegnen und die kurzfristigen Gewinn zu halten.

Doch damit stiege das Gefahrenpotenzial für die Banken durch Zinsschocks und Preiskorrekturen auf den Hypothekar- und Immobilienmärkten, warnt die SNB.

«Zusätzliche Massnahmen»

Sollte die Dynamik im Hypotheken- und Immobilienmarkt wieder ansteigen, so erachtet die Nationalbank «zusätzliche Massnahmen» als nötig, um den Risikoappetit der Banken einzudämmen. Gegenwärtig wird von diesen ein antizyklischer Kapitalpuffer von 2 Prozent an zusätzlichen Eigenmitteln für Wohnbauhypotheken gefordert.

Die SNB bleibt aufmerksam und prüft regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden soll, wie Danthine sagte. Dies auch, weil die bisherigen Massnahmen vornehmlich auf das Segment des selbstgenutzten Wohneigentums zielten.

Die Nationalbank warnt Hypotheken-Kreditgeber seit längerem zur Vorsicht. Vor einem Jahr erwähnte sie im Finanzstabilitätsbericht explizit die Raiffeisen-Gruppe, bei der das Zinsänderungsrisiko nochmals substanziell gestiegen sei. Wenig später stufte die SNB Raiffeisen als systemrelevant ein, was besondere regulatorische Anforderungen für Raiffeisen mit sich brachte.

Im diesjährigen Finanzstabilitätsbericht wird Raiffeisen nicht namentlich erwähnt. Insgesamt seien die Ungleichgewichte im Schweizer Hypotheken- und Immobilienmarkt zuletzt weitgehend unverändert hoch geblieben, hiess es.

Zuletzt weniger risikoreiche Kredite

Die inlandorientierten Kreditbanken hätten 2014 ihr Engagement im Schweizer Hypothekenmarkt zwar weiter ausgebaut, bei den neuen Hypotheken sei der Anteil der risikoreichen Kredite mit einer hohen Belehnung im Verhältnis zum Immobilienwert aber zurückgegangen.

Dank höheren Gewinnrückbehalten sei zudem die Kapitalsituation der Institute auf hohem Niveau geblieben und die gewichteten Kapitalquoten lägen deutlich über den Anforderungen. Dennoch könnte die Widerstandsfähigkeit der Banken geringer sein als angenommen, warnt die SNB.

Bislang seien die Hypozinsen nach Einführung des Negativzinses auf Bankeinlagen bei der SNB nicht im gleichen Ausmass gesunken. Bei längeren Laufzeiten seien sie im Vergleich zu Anfang Jahr sogar leicht gestiegen, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg.

Denn die Sparzinsen als wesentlicher Teil der Refinanzierungskosten seien anders als der Geldmarktzins nicht unter null gesunken. Um dem Druck auf die Zinsmargen zu begegnen und die Zinsrisiken abzusichern, seien die Hypothekarzinsen teilweise angehoben worden.

Grossbanken sollen nicht nachlassen

Den beiden Grossbanken attestieren die Notenbanker, dass sie die Kapitalausstattung innert Jahresfrist verbessert hätten. Allerdings habe das Tempo im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen.

Die SNB fordert daher Credit Suisse und UBS auf, ihre Widerstandsfähigkeit weiter zu verbessern. Dies gelte insbesondere für die Verschuldungsquote (Leverage Ratio), wo die beiden Institute den Durchschnitt global tätiger Grossbanken nicht übertreffen würden.

rar/sda

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