Kurssturz bleibt ein Mysterium

Die amerikanische Börsenaufsicht hat eine Untersuchung zu ungewöhnlichen Handelsaktivitäten an der New Yorker Börse eingeleitet. Die Fehlertheorie wird eher wieder verworfen.

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Nach dem plötzlichen Kurssturz an der New Yorker Börse am Donnerstag haben die amerikanischen Finanzmarktbehörden mit der Suche nach der Ursache begonnen. Die Börsenaufsicht SEC und die Terminbörsenaufsicht CFTC leiteten nach dem Vorfall eine Untersuchung der «ungewöhnlichen Handelsaktivitäten» ein.

Der Dow-Jones-Index der New Yorker Börse war zeitweise um 9 Prozent eingebrochen, hatte mehr als 1000 Punkte im Vergleich zum Vortagesschluss verloren und war unter 10'000 Punkte gefallen. Binnen Minuten erholte sich der Index jedoch wieder und schloss bei rund 10.510 Zählern (minus 3,3 Prozent).

Der Tippfehler eines Händlers?

Ein Händler des US-Vermögensverwalters T. Rowe Price, Andy Brooks, vermutete als Ursache hinter dem ungewöhnlichen Auf und Ab des Dow Jones einen Computerfehler oder einen sogenannten «fat finger trade» - also den Tippfehler eines Händlers. An der New Yorker Börse hatten nach dem Kurssturz Gerüchte die Runde gemacht, dass ein Händler der Citigroup versehentlich 16 Milliarden Aktien des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble verkaufte anstatt 16 Millionen Aktien und so den zwischenzeitlichen Kurssturz auslöste.

Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Die US-Terminbörse CME teilte am Donnerstagabend mit, dass die Handlungsaktivitäten der Citigroup im Lichte der ungewöhnlichen Kursschwankungen nicht als «irregulär oder ungewöhnlich» zu bewerten seien. Auch ein Sprecher des Unternehmens sagte, dass es keine Hinweise auf eine Verwicklung der Citigroup in eine «fehlerhafte Transaktion» gebe.

Liegt es doch an Griechenland?

Ein Sprecher der New Yorker Börse schloss auch einen Computerfehler als Grund für den Vorfall aus. Es habe weder eine Panne noch technische Probleme gegeben, sagte er. Nach dem Kurssturz am Donnerstag waren auch die Proteste im hoch verschuldeten Griechenland gegen das Sanierungsprogramm der Regierung als mögliche Ursache für den zwischenzeitlichen Einbruch des Börsenkurses genannt worden.

Händler fürchteten einen Rückzieher der Regierung in Athen und den Staatsbankrott des Landes. «Alle Augen richten sich auf Europa», sagte der Devisenanalyst Samarjit Shankar von BNY Mellon. «Die Investoren sind beunruhigt wegen des Ansteckungsrisikos unter den europäischen Ländern.»

Verlust von mehr als 1000 Zählern

Der zeitweilige Kurssturz war in Punkten gemessen der stärkste in der Geschichte der Wall Street. Der Handelstag an der Wall Street hatte bei einem Zählerstand knapp unter 10'900 Punkten begonnen; bis zum Nachmittag gab der Kurs langsam um etwa 200 Punkte nach, ehe er gegen 14.30 Uhr binnen 15 Minuten auf einen Stand von 9875 Punkten fiel - ein Tagesverlust von mehr als 1000 Zählern.

Binnen Minuten schnellte der Kurs nach oben und pendelte sich um die Marke von 10.510 Punkten ein - immer noch ein Tagesverlust von mehr als 350 Punkten. Auch der Technologieindex Nasdaq und der Index S&P 500 zeigten wilde Ausschläge und verloren zum Handelsende deutlich.

jak/afp

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