EZB-Schritt macht SNB das Leben schwer

Die Zinssenkung für den Euro bindet der Schweizerischen Nationalbank die Hände. Die Aufhebung der Euro-Franken-Untergrenze rückt in weite Ferne – und nicht nur das.

Markus Diem Meier@MarkusDiemMeier

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Leitzins von 0,5 auf 0,25 Prozent zu senken, ist richtig. Aber sie zeigt auch, wie stark Notenbanken von der Geldpolitik anderer Notenbanken abhängen.

Die Zinssenkung der EZB hat sich angesichts des jüngsten Höhenflugs des Euro gegenüber dem Dollar aufgedrängt. Ein teurer Euro ist das Letzte, was die Eurozone im Moment gebrauchen kann. Er verteuert die europäischen Exporte und gefährdet sie damit.

Nur wachsenden Exporten war es zu verdanken, dass sich in der Eurozone nach einem zweijährigen wirtschaftlichen Schrumpfungsprozess wieder zarte Anzeichen einer konjunkturellen Erholung zeigen. Die Verteuerung des Euro gegenüber dem Dollar hat wenig mit der Politik der EZB zu tun und mehr mit jener der US-Notenbank Fed. Weil das Chaos um die US-Staatsfinanzen die amerikanische Wirtschaft schwächt, wird das Fed länger als bisher geplant die Notenpresse mit Hochgeschwindigkeit laufen lassen. Das schwächt den Dollar und stärkt umgekehrt unerwünschterweise den Euro.

In einer ähnlichen Abhängigkeit befindet sich auch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Genauso wie das Fed die Möglichkeiten der EZB einschränkt, engt deren Politik den Spielraum der SNB ein.

Mit der Zinssenkung in der Eurozone ist der Unterschied zum Leitzins der SNB weiter geschrumpft und beträgt aktuell gerade noch einen Viertelprozentpunkt. Das bedeutet, dass eine Erhöhung des Leitzinses der SNB in noch weitere Ferne gerückt ist. Denn eine Zinserhöhung würde sofort wieder für Aufwärtsdruck auf den Franken sorgen.

Eine Aufwertung des Frankens will die SNB aber unbedingt verhindern. Dafür hat sie die Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro eingeführt. Die Zinssenkung der EZB hat gestern den Europreis näher an diese Grenze rücken lassen, das verdeutlicht die Gefahr. Wegen der Zinssenkung der EZB ist also nicht nur eine Zinserhöhung noch länger ausgeschlossen, sondern auch eine Aufgabe der Euro-Franken-Untergrenze.

Die Notenbanken sind in ihrer Politik weit mehr eingeschränkt, als sie das nach aussen hin zugeben wollen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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