Der Crevettenskandal hat Folgen

Eine international beachtete Reportage deckt auf, wie Kleinstfische mit Sklavenarbeit aus dem Meer geholt und an die Zuchtcrevetten des weltgrössten Anbieters verfüttert werden. Jetzt reagieren die ersten Detailhändler, darunter Aldi.

  • loading indicator
Angela Barandun@abarandun

Der französische Detailhandelsriese Carrefour war der Erste. Einen Tag, nachdem die Recherchen der britischen Zeitung «Guardian» gezeigt haben, dass in die Produktion der Riesencrevetten, die die Kette im Sortiment hat, Sklavenarbeit involviert ist, hat Carrefour entschieden, die Lieferantenbeziehung zu suspendieren. Die Franzosen wollen ab sofort nicht mehr bei CP Foods einkaufen, dem thailändischen Konzern, der als weltgrösster Produzent von Crevetten gilt. Die Reporter des «Guardian» konnten zu Mehl verarbeitete Kleinstfische von Fischkuttern, auf denen Sklaven arbeiteten, bis zu CP Foods nachverfolgen.

«Als Vorsichtsmassnahme hat sich Carrefour entschieden, sofort sämtliche direkten oder indirekten Einkäufe von dieser Firma zu stoppen, bis Licht in die Situation gebracht worden ist», schreibt Carrefour in einer Mitteilung. «Carrefour hat die Produktionsanlage des Konzerns im Juli 2013 überprüft – wie das auch in der Vergangenheit regelmässig geschehen ist – und konnte damals nichts Aussergewöhnliches feststellen.»

Thailand bestreitet, dass es ein Problem gibt

Der britische Länderchef von CP Foods bestätigte gegenüber der Zeitung, das Problem sei bekannt, allerdings sei die Sklaverei in der Fischereiindustrie dermassen systemimmanent, dass kurzfristige Massnahmen schwierig seien. Das Unternehmen habe sich entschieden, seinen wirtschaftlichen Einfluss für eine Verbesserung der Situation einzusetzen – und nicht einfach davonzulaufen. Es will die thailändische Regierung dazu bringen, sich endlich um das Problem zu kümmern. Bis heute wird von offizieller Seite her bestritten, dass Sklaverei auf illegalen Fischkuttern ein Problem ist.

«Wir können nichts tun und zusehen, wie diese sozialen und ökologischen Probleme die Gewässer rund um Thailand zerstören. Oder wir können dabei helfen, an Verbesserungen zu arbeiten. Wir machen Fortschritte», sagte der britische Länderchef. Bis 2021 will CP Foods notfalls auf die Fütterung der Crevetten mit thailändischem Fischmehl verzichten.

Auch Aldi ist betroffen

Mittlerweile ist klar, dass auch in Deutschland Riesencrevetten von CP Foods verkauft worden sind. Aus einer schriftlichen Stellungnahme von Aldi Nord geht hervor, dass ein Aldi-Zulieferer für seine Fertigprodukte Material des thailändischen Konzerns verwendet hat. Konkret geht es um die Marke Apetito Convenience und um dessen Spaghettinester mit Garnelen. Aldi Nord will «umgehend Sanktionen einleiten», sollten sich die Vorwürfe gegen CP Foods bestätigen.

Im Gegensatz dazu bestreiten Aldi Süd sowie Aldi Suisse eine «direkte Zusammenarbeit» mit CP Foods. Aldi Suisse betont: «Die in Zusammenhang mit Aldi Nord genannten Produkte befinden sich nicht in unserem Sortiment.» Sämtliche Lieferanten hätten versichert, dass sie nicht mit CP Foods zusammenarbeiten.

Auch Coop und Migros haben auf Anfrage eine Lieferbeziehung mit CP Foods bestritten. Damit führt bislang noch keine direkte Spur des Skandals in die Schweiz. Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass sich das noch ändert. Auch bei anderen Lebensmittelskandalen wurde das ganze Ausmass oft erst mit Verspätung sichtbar.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt