110 Millionen für den Fussball

Ende Juli fällt der Entscheid, welcher TV-Sender ab Sommer 2012 die Spiele der Schweizer Meisterschaft überträgt. Teleclub-Besitzer Cinetrade bietet während fünf Jahren jeweils 22 Millionen Franken.

Gegner im Kampf um die Übertragungsrechte an der Super League: Der Staatssender SF und der Bezahlsender Teleclub.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Gegner im Kampf um die Übertragungsrechte an der Super League: Der Staatssender SF und der Bezahlsender Teleclub.

(Bild: Keystone)

Am Mittwoch trafen sich die Klubvertreter der Swiss Football League zum «Witschi-Stamm», ihrer informellen Runde im Unterengstringer Restaurant Witschi. Eines der Themen, die in diesem Rahmen besprochen wurden, waren die laufenden Verhandlungen über den neuen Fernsehvertrag, der im Sommer 2012 in Kraft treten wird.

Die Positionen in diesen Verhandlungen sind bezogen. Die Parteien sind die Liga, die ihre Einnahmen aus dem Verkauf der TV-Rechte mindestens verdoppeln will; die SRG, die bislang 5 Millionen Franken für die Übertragung von 10 Livespielen zahlt; und die Cinetrade, die am Pay-TV-Sender Teleclub die übrigen 170 Spiele ausstrahlt und sich das ebenfalls 5 Millionen kosten lässt.Die Angebote der beiden TV-Anbieter liegen der Liga vor. Cinetrade bietet für einen neuen Fünfjahresvertrag ab kommendem Sommer 110 Millionen Franken für die 180 Spiele pro Saison. Die SRG offeriert für die Übertragung von künftig 36 Saisonspielen nicht viel mehr als die aktuellen 5 Millionen pro Jahr als Geldleistung, aber sie hätte deutliche Mehrkosten, weil sie die Spiele journalistisch intensiv begleiten und auf Champions-League-Niveau produzieren würde.

Für die Ausstrahlung der übrigen 144 Spiele steht Swisscable als Partner der SRG zur Diskussion. Der Verband der Kabelnetzbetreiber mit Cablecom an der Spitze würde dafür 7 Millionen zahlen.Das heisst also: 22 Millionen pro Saison von der Cinetrade, die zu 49 Prozent der Swisscom gehört, 12 Millionen von SRG und Swisscable. Eigentlich müsste klar sein, wem die Liga den Zuschlag gibt. Aber ihr Präsident Thomas Grimm sagt: «Mir ist es enorm wichtig, dass wir mit unserem Fussball eine breite Abdeckung im Free-TV und auf SRG-ähnlichen Kanälen haben. Nicht das Geld allein zählt.» Grimm ist ohnehin bewusst, dass in der Schweiz niemals derartige Beträge bezahlt werden wie selbst in Norwegen, Belgien oder Dänemark. Der Grund dafür ist einfach: Zwischen Genfer- und Bodensee spielt der Fernsehmarkt nicht annähernd so wie im Ausland.

Die Liga will noch mehr Geld

Am 29. Juli trifft sich das Komitee der Swiss Football League zu seiner nächsten Sitzung. Wenn möglich, so Grimm, sollen bis dann unterschriftsbereite Verträge vorliegen und ein Entscheid getroffen werden. Die Liga möchte die Rechte nur an einen Partner abgeben. Und dieser Partner wäre dann verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ein Spiel pro Runde auf einem frei empfangbaren Sender übertragen wird. Die Cinetrade hat dafür ihre Zusicherung gegeben.

Zur Diskussion als Juniorpartner der Cinetrade stehen SRG, RTL und Sat 1. Der Liga schwebt vor, an diesem Weiterverkauf der Teilrechte nochmals zu partizipieren. Und die Gesamteinnahmen auf bis 25 Millionen hochzutreiben.

Die SRG bessert nach

Im Fall der SRG stellt sich aber ein Problem. Der Staatssender hat zum Grundsatz erhoben, Schweizer Fernsehrechte nur von den ursprünglichen Rechteinhabern zu kaufen – in diesem Fall also von der Liga. Bei den zehn Livespielen, die er noch für eine weitere Saison im Angebot hat, steht ihm sechsmal das Erstzugriffsrecht zu: in der 1. und 36. Runde sowie je zweimal im Herbst und im Frühling. Urs Leutert, Abteilungsleiter Sport SRG, hat schon länger klargemacht, dass für seinen Sender dieses Modell nicht mehr infrage komme. Die Lösung des Problems müsste deshalb sein: Die Cinetrade erhält von der Liga «nur» 144 Spiele, die restlichen 36 gehen direkt an die SRG.

Die Anbieter halten sich bedeckt. Cinetrade-Anwalt Wilfried Heinzelmann sagt, zu laufenden Verhandlungen nehme er keine Stellung. Leutert erklärt am Donnerstag zwischen zwei Terminen: «Der Schweizer Meisterschaftsfussball ist für uns wichtig, aber nicht existenziell. Es wäre super, wenn wir ihn weiterhin zeigen könnten, aber wir hätten auch ohne ihn ein einzigartiges Angebot für unsere Zuschauer.»Die SRG konzentriert sich auf fünf Kerngebiete, Fussball, Eishockey, Ski, Formel 1 und Federer. Fussball hätte sie dank Nationalmannschaft und Champions League auch dann im Programm, wenn sie mit der Swiss Football League keine Einigung erzielt. Allerdings zeigt ein Gesinnungswandel bei Leutert, dass er um den Klubfussball zu kämpfen bereit ist – zwar nicht mit allen Mitteln und Unsummen an Geld, aber mit journalistischen Zusatzleistungen. Im Dezember hatte er aus Kostengründen eine eigene Fussballsendung auf SF ausgeschlossen. «Dann müssten wir das auch im Ski oder Eishockey machen», sagte er damals. Inzwischen kündet er die Einführung eines Fussballmagazins an.

Die Raiffeisenbank als Sponsor?

Bei der Cinetrade gehören nicht nur die Geldzahlungen zum Paket, sondern auch die Produktionskosten von 3 bis 5 Millionen pro Jahr und pro Runde ein Spiel in der Challenge League. Und es gehört auch ein neuer Titelsponsor dazu. Seit Einführung der Super League ist das Axpo, der für seine Rechte 1 Million pro Jahr zahlt. Die Beziehung zwischen dem Energiekonzern und der Fussballliga hat sich abgekühlt. Gerade darum wäre die Liga froh um einen neuen Partner.

Offenbar denkt aber auch der Staatssender vom Leutschenbach darüber nach, einen neuen Hauptsponsor zu präsentieren. Pikanterweise soll es der gleiche sein wie bei der Cinetrade: die Raiffeisenbank.

Tages-Anzeiger

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