Kleinunternehmer ging wegen Postauto fast in Konkurs

Ein KMU-Chef erhebt schwere Vorwürfe gegen Postauto: Deren Tochterunternehmen Publibike habe ihn betrogen und beinahe in den Konkurs getrieben.

Publibikestation beim Zürcher Beatenplatz. Foto: Raisa Durandi

Publibikestation beim Zürcher Beatenplatz. Foto: Raisa Durandi

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Wozu hat Postauto die unrechtmässigen Subventionen genutzt? Wohl auch für Investitionen in Zukunftsprojekte. Ein solches ist Publibike, ein Tochterunternehmen von Postauto. Das Veloverleih­system ist im Aufwind. Diesen Frühling soll es in Bern und Zürich starten. Um den Deal mit der Stadt Bern zu feiern, liessen sich Postauto-Kadermann Roman Cueni und Publibike-Chef Bruno Rohner letzten Juni mit der Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss ablichten. Strahlend rollten die drei auf ihren Leihvelos durch Bern.

Zur gleichen Zeit fürchtete das kleine Ingenieurunternehmen DST Swiss AG um sein Überleben. Der Grund: Publibike. Die Postauto-Tochter hatte das Unternehmen mit Sitz in Eglisau mit dem Bau eines digital bedienbaren Schlosses für ihre Leihvelos beauftragt, die Zusammenarbeit dann aber per sofort beendet, offene Rechnungen nicht beglichen – und zudem das von DST entwickelte Schloss kopiert. So erzählt es Rolf Diefenbacher, Chef von DST. «Die haben unser Produkt geklaut», sagt er.

Postauto bestreitet Vorwürfe

Postauto stellt den Sachverhalt anders dar: Eine Mediensprecherin bestätigt zwar, dass die Zusammenarbeit beendet wurde. Die Gründe will sie aber nicht näher erläutern. Das sei eine Sache zwischen DST Swiss und Publibike. Der Entscheid habe aber «triftige sachliche Gründe» gehabt, teilt sie mit. Postauto weist den Vorwurf zurück, man würde DST noch Geld schulden. Auch den Vorwurf, das Schloss von DST kopiert zu haben, streitet Postauto ab.

Fotos, die dieser Zeitung vorliegen, zeigen jedoch, dass das von DST entwickelte Schloss und das heute an den Velos montierte fast gleich aussehen. Diefenbacher sagt: «Mitarbeiter von uns konnten auf den ersten Blick nicht feststellen, ob es sich bei den Kopien um unsere Schlösser handelte oder nicht.» Publibike habe keine Lizenzrechte an seinem Schloss, sagt Diefenbacher. Dennoch sei die Postauto-Tochter mit dem Schloss zur aargauischen Firma Antrimon gegangen und habe sie beauftragt, es nachzubauen. «Wahrscheinlich liefern die zu einem tieferen Preis», sagt Diefenbacher. Das sei aber kein Wunder. Schliesslich hätten sie die ganzen Entwicklungskosten nicht gehabt.

Forderung von 350'000 Franken

Daneben wartet Diefenbacher bis heute auf die Begleichung ausstehender Rechnungen. Im September 2016 – acht Monate vor der Kündigung der Zusammenarbeit – hatte er von Publibike eine Bestellung von 560 Schlössern erhalten. Das zeigt ein Dokument, das dieser Zeitung vorliegt. Später sei diese Bestellung auf 800 Schlösser erhöht worden, sagt Diefenbacher. Er habe angefangen, das Material für den Bau der Schlösser einzukaufen. Schliesslich könne die Lieferzeit für einige der benötigten Komponenten bis zu einem halben Jahr betragen. Auf dem Material blieb Diefenbacher dann aber sitzen. Weil Publibike den Vertrag kündigte, habe er kein einziges der bestellten Schlösser liefern können, sagt er. Auch Arbeitsstunden seien angefallen und nicht vergütet worden. Insgesamt fordert er 350'000 Franken von der Postauto-Tochter.

Postauto ist nicht gewillt, diesen Betrag zu zahlen. Das zeigt ein E-Mail-Verkehr zwischen Diefenbacher und Postauto-Kadermann Cueni, der dieser Zeitung vorliegt. «In der Zwischenzeit haben wir die Situation analysiert und können unsere bisherige Position bestätigen. Das heisst, dass aus unserer Sicht keine Forderungen offen sind», schreibt Cueni. Gleichzeitig droht Postauto, selbst Schadenersatz von DST zu fordern. Betrag: mindestens eine halbe Million Franken. Dies wegen gravierender und wiederholter Terminverzögerungen, die zu Mehraufwänden und Ertragsausfällen geführt hätten. Damit verbunden sei auch ein «schwer bezifferbarer Reputationsverlust».

Dass es zu Verzögerungen kam, bestreitet Diefenbacher nicht. Sie waren ein Grund, weshalb Publibike die Zusammenarbeit mit ihm aufkündigte. Er ist allerdings der Ansicht, dass die Verzögerungen auch auf das «Missmanagement» bei Publibike zurückzuführen seien. Immer wieder seien neue Verantwortliche definiert und alles Beschlossene über den Haufen geworfen worden. Zudem sei es im Engineering normal, dass Sachen schieflaufen und Verzögerungen entstehen könnten.

Im Kündigungsbrief kritisiert Postauto ausserdem die mangelhafte Qualität der Schlösser. Dazu meint Diefenbacher: «Wenn die Qualität so schlecht war, weshalb haben sie die Schlösser dann kopiert?»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2018, 21:41 Uhr

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