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UBS-Entlassungen sind «effektiv»

Eine Entlassungsberaterin erklärt, warum die UBS ihre Mitarbeiter in London so schnell auf die Strasse gestellt hat. Und warum das für britische Verhältnisse durchaus nicht unüblich ist.

mcb
Kaum waren die Entlassungen ausgesprochen, schon standen die UBS-Händler in London vor verschlossenen Türen.
Kaum waren die Entlassungen ausgesprochen, schon standen die UBS-Händler in London vor verschlossenen Türen.

Kaum war die Kündigung ausgesprochen, schon standen die Londoner Investmentbanker der UBS auf der Strasse. Und zwar buchstäblich – die Bürotüren verschlossen, E-Mail-Konten gesperrt. Rund 100 Trader des Bereichs Fixed Income, so berichtete die «Financial Times», seien an der Réception durch eine Personal-Crew abgefangen und gar nicht erst zum Arbeitsplatz vorgelassen worden. «Schnelle Trennung» heisst das im Jargon – als «brutal» und «würdelos» bezeichnen es die Betroffenen selbst. Zumal davon nicht nur das Topmanagement, sondern auch einfache Mitarbeiter betroffen waren.

Schnell, klar, effektiv

Diese Einschätzung relativiert nun eine Branchenkennerin im Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Zwar seien die Methoden der UBS selbst für Bankverhältnisse eher rüde, so sagt Outplacement-Beraterin Susanne Kievelitz. Doch die Entlassungen entsprächen durchaus den Methoden des Investmentbanking. Kievelitz bezeichnet die Methode denn auch lieber als «schnell, klar und effektiv» – analog zum Anforderungsprofil, dem Investmentbanker im Job zu genügen haben.

Hinter den Methoden der Londoner UBS-Verantwortlichen steht laut Kievelitz vor allem die Angst, die Entlassenen könnten sich aus Rache an sensiblen Kundendaten vergreifen oder von ihrem Arbeitsplatz aus letzte Racheaktionen starten. Doch sie gesteht auch ein, dass eine solche Behandlung für die Betroffenen oft hochdramatisch ist. Das Selbstbewusstsein dieser Leute sei oft vor allem oberflächlich, denn hinter der Fassade kämpften auch die zielstrebigsten Banker mit Unsicherheiten. Kommt dazu, dass der Job eine hohe Identifikation verlangt, das Büro ist für viele wie ein zweites Zuhause.

Andere kulturelle Gepflogenheiten

Die Umgangsformen bei Entlassungen seien aber nicht nur von der Branche abhängig, sondern entsprächen auch den kulturellen Gepflogenheiten des angelsächsischen Raumes, so Kievelitz. Demnach wäre ein solches Vorgehen in der Schweiz oder in Deutschland undenkbar. Dagegen sprächen eine andere Firmenkultur, andere Vorstellungen von Mitsprache, was oft auch in Mitbestimmungsrechten verankert ist.

Als Outplacement-Beraterin hilft Kievelitz Entlassenen auf Kosten der Firmen dabei, in der Branche wieder Fuss zu fassen. Dass die Nachfrage nach ihrer Dienstleistung gross ist, liegt auf der Hand.

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