Der Stichtag der Lohngleichheit zwischen Frau und Mann

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Mit einem Aktionstag macht der Verband der Business-Frauen auf die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Die Reaktionen darauf fallen sehr unterschiedlich aus.

«Frauen erhalten heute 61 Prozent weniger Bonus als die Männer»: Judith Baumberger zum Thema Lohnungleichheit.
Chantal Hebeisen

«Frauen müssen noch immer 14 Monate arbeiten, um gleich viel zu verdienen wie Männer in 12 Monaten», sagt Judith Baumberger. Die Präsidentin des Business and Professional Women-Clubs Zürich macht heute zusammen mit rund zehn anderen Frauen auf den Equal Pay Day aufmerksam. Der siebte März ist der Stichtag, an dem die Frauen für eine gleichwertige Arbeit gleich viel Lohn in der Tasche haben wie die Männer per 31. Dezember 2012.

Der Verband berufstätiger Frauen positioniert sich an diesem sonnigen Frühlingsmittag am Paradeplatz zwischen dem Blumengeschäft Marsano und dem Kleidergeschäft Grieder. Unter einem Stand mit blauem Dach schöpft ein Koch Gerstensuppe aus, Baumberger und ihre Kolleginnen verteilen rote Papiertüten. Darin finden sich Informationsbroschüren zur Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen. Gemäss Statistik verdienen Frauen bei gleicher Arbeit immer noch 18 Prozent weniger als die Männer (wir berichteten).

Aktion löst gemischte Reaktionen aus

Auch die Präsidentin der FDP-Frauen, Carmen Walker Späh, verteilt an diesem Mittag fleissig Papiertüten. «Als Politikerin setze ich stark auf den Dialog mit der Wirtschaft, denn mit gesetzlichen Vorschriften kann man die Mentalität oder eine Unternehmenskultur nicht ändern», erklärt sie.

«Beim Stand stehen ja praktisch nur Frauen», bemerkt ein Passant in elegantem grauem Anzug, der anonym bleiben will. Er selbst finde auch, dass Frauen bei gleicher Leistung den gleichen Lohn erhalten sollten, «doch eine junge Frau einzustellen, birgt halt immer auch ein Risiko – falls sie sich eine Familie wünscht, fällt sie bei zwei Kindern mehr als ein halbes Jahr aus.» Dieser Umstand wirke sich halt immer noch auf den Lohn der Frauen aus. Eine andere Passantin ist zum Thema Lohngleichheit ganz anderer Meinung: «Die Frauen sollten aufhören zu jammern, es ist jede selbst dafür verantwortlich, ob sie den Lohn erhält, den sie verdient.»

«Noch viel Arbeit notwendig»

Eine der Frauen, die heute Papiertüten verteilt, schüttelt ob solchen Aussagen nur den Kopf: «Die Frauen stehen sich oft selbst im Weg beim Thema Lohngleichheit», sagt sie. Doch sie habe heute auch festgestellt, dass einige Männer dem Thema immer noch sehr konservativ gegenüber stehen: «Ein junger Mann, der sich selbst als gläubigen Katholiken bezeichnete, entgegnete mir, dass er es richtig finde, wenn die Frauen weniger verdienen.» Und sie ergänzt: «Es braucht wohl noch viel Arbeit, bis eine Mehrheit zur Einsicht kommt, dass Frauen das Recht auf den gleichen Lohn haben wie die Männer.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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