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Auch Juristen ohne Anwaltspatent haben gute Chancen

Eine Leserin fürchtet sich vor der Anwaltsprüfung.

Ich studiere Rechtswissenschaften und überlege mir, nach dem Masterabschluss die Zusatzqualifikation zur Rechtsanwältin zu erlangen. Auch wenn das noch eine Weile dauert, mache ich mir Sorgen, was ich tun werde, falls ich die Prüfung nicht bestehe. Für mich käme dies einer Niederlage gleich, und zudem sähe ich meine berufliche Karriere in Gefahr. Als «einfache» Juristin habe ich doch gegenüber Rechtsanwälten keine Chance auf dem Stellenmarkt. Was sagen Sie dazu? A. P. aus U.

Liebe Frau P.Ich kann verstehen, dass Sie sich vor dem Scheitern fürchten. Dass dies nur eine allzu menschliche Regung ist, lässt sich derzeit im Rahmen der Fussball-WM sehr gut beobachten. Gestandene Fussballer mit internationalem Ansehen erschauern vor Furcht, an der Prüfung des Elfmeterschiessens zu scheitern. Diesem Gefühl könnte mit Wahrscheinlichkeitsüberlegungen entgegengetreten werden: Es ist in etwa so wahrscheinlich, die Anwaltsprüfung zu meistern wie daran zu scheitern – ich vermute sogar, eher höher. Aber gut: An Ihrem privaten Gefühl der Furcht ändert dieser Umstand vermutlich wenig. Mit Vehemenz halte ich jedoch dagegen, was Ihre Einschätzung der Karrieremöglichkeiten ohne Anwaltspatent angeht. Leider hört man dieses Klischee oft, dass Juristinnen ohne Patent auf dem Markt benachteiligt seien. Meines Erachtens vermischt man dabei Äpfel mit Birnen.

Die Berufsqualifikation «Rechtsanwalt» erlaubt dem Juristen primär, die Interessen seines Klienten vor Gericht zu vertreten. Dieser Beruf verlangt nach der Lizenz. Und zugegeben, es gibt Branchen (etwa die Banken), die das Patent im Sinn einer erforderlichen Zusatzqualifikation verstehen, was den Einstieg ohne «Anwalt» eher schwierig macht. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Berufsfeldern, in die Sie ohne diesen Zusatz einsteigen können: Verbände, Versicherungen, die Industrie oder die öffentliche Verwaltung. In diesen Fällen spielen in der Selektion andere Kriterien eine weitaus wichtigere Rolle: möglichst gute Prüfungsergebnisse, erste Berufserfahrungen, die Fähigkeit, analytisch zu denken, Teamfähigkeit und so weiter.

Und wenn Sie sich am Arbeitsplatz bewähren, indem Sie Persönlichkeit, Leistung und Fähigkeiten erfolgreich einbringen, erwartet Sie am Ende vielleicht sogar der Chefposten – sofern dieser für Sie erstrebenswert ist.

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