Noch keine 30, aber bereits Direktor

Talente können in der Hotellerie schnell Karriere machen, wie das Beispiel dieser jungen Männer zeigt.

Karrieresprungbrett: Die Luzerner Hotelfachschule, die im Hotel Montana beherbergt ist, sorgt für jungen Kadernachwuchs weltweit.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Karrieresprungbrett: Die Luzerner Hotelfachschule, die im Hotel Montana beherbergt ist, sorgt für jungen Kadernachwuchs weltweit.

(Bild: Keystone)

Mitte der 90er-Jahre beobachtete Christa Augsburger, Leiterin Ausbildung an der Hotelfachschule Luzern, erstmals einen Wandel in der Hotelbranche. «Erste junge Direktoren lösten erfahrene Patrons ab, die in den Ruhestand gingen. Damals gab es quasi zwei Ligen. Heute habe ich das Gefühl, dass sich die jungen Direktoren zunehmend durchsetzen», sagt Augsburger. Für sie ist klar: Wer zielstrebig ist, im Studium Gas gibt und auch in den Praktika überzeugt, kann in der Hotellerie schnell vorankommen. «Es hat sich gezeigt, dass gerade das Praktikum eine gute Möglichkeit ist, im Betrieb einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.»

Wer sich in diesen Wochen gut präsentiert, zeigt, dass er belastbar, flexibel und kundenorientiert ist, wird häufig nach dem Studium zurückgeholt. Denn in der Branche herrsche eine grosse Fluktuation, immer wieder würden spannende Posten frei, darunter Führungsfunktionen bis hin zum Direktorenposten. «Ich erinnere mich an Absolventen, die gleich nach dem Studium als Direktoren einsteigen konnten. Das kommt zwar nicht oft vor, aber das gibt es», sagt Christa Augsburger.

Von der Ostschweiz nach China

Ein Absolvent, der schnell Karriere machte, ist Dany Lützel. Mit 26 schloss er die Hotelfachschule in Luzern ab und konnte direkt als Direktor Sales & Marketing im Radisson Blu Hotel in St. Gallen einsteigen. Bald folgte die Beförderung zum Direktionsassistenten, und mit 30 war er dann Direktor. Dany Lützel war auch Vorstandsmitglied bei St. Gallen Bodensee und der Hotellerie Ostschweiz. Heute ist er 36 und arbeitet als Resident Manager bei Kempinski in China. Im Februar übernimmt er das Hotel mit knapp 500 Angestellten als Direktor .

Der Hotelier sagt, dass er sich schon damals, vor dem Studium, konkrete Ziele gesetzt habe: «Bevor ich mich an der Hotelfachschule in Luzern angemeldet habe, wusste ich, dass ich mit 30 Hoteldirektor sein wollte. Daher war für mich klar, dass während der Ausbildung viel auf der Strecke bleiben würde, und ich für mein Ziel alles geben werde.» Er hat sich während des Praktikums im Hotel sehr engagiert und interessiert gezeigt, auch nicht gemurrt, wenn ein Arbeitstag mal länger dauerte, oder er am Wochenende einspringen musste. «Wer fokussiert ist und sein Ziel nie aus den Augen verliert, wird für seine guten Leistungen belohnt. Was ich aber auch lernen musste: Manchmal braucht es etwas Geduld, und man muss Umwege in Kauf nehmen, um seine Ziele zu erreichen.» Daher rät er jungen Talenten, flexibel zu bleiben, auch in der Karriereplanung.

Erst Assistent, dann Direktor

Flexibel und geduldig war auch Vicenzo Ciardo. Er ging den klassischen Weg, mit einem klaren Ziel vor Augen – irgendwann ein guter Gastgeber zu sein. Nach der Ausbildung im Service schloss er eine Kochlehre an und arbeitete dann einige Jahre in diversen Schweizer Restaurants und Hotels. Mit 21 Jahren meldete er sich für die Hotelfachschule in Thun an. Anschliessend arbeitete er im In- und Ausland, wollte herausfinden, wie die Branche tickt: «Jeder Gastronom hat zwei Ziele: den Gast zufriedenzustellen und dabei etwas zu erwirtschaften. Nur mit Leidenschaft, ohne gute Führung, kann heute kein Betrieb überleben.» Um einige Erfahrungen reicher, kehrte Ciardo in die Schweiz zurück, hängte noch ein Zusatzstudium in International Hospitality Management an. Vor vier Jahren nahm er dann das Angebot der Accor-Gruppe an, als Direktions­assistent im Hotel Ibis Bern zu arbeiten.

Er hatte in diesem Hotel während des Studiums ein Praktikum absolviert – und die Verantwortlichen überzeugt. «Mir war von Anfang an klar, dass mir das Unternehmen spannende Perspektiven bieten kann, deshalb habe ich die Stelle angenommen.» Als Direktions­assistent lernte Vicenzo Ciardo all die Abläufe, Prozesse und Aufgaben kennen, die ein Hoteldirektor innehat. Schnell erhielt er mehr Verantwortung übertragen, auch weil er nach der Hotelfachschule noch ein Zusatzstudium anhängte: «Ich habe nach einigen Monaten quasi als Stellvertreter ge­­arbeitet, meinen Chef vertreten, wenn er ausser Haus war.» Als dieser das Bernbiet in Richtung Tessin verliess, wurde Ciardo gecoacht und auf seine Führungsfunktion vorbereitet.

Klare, offene Kommunikation

Im Alter von 27 Jahren hat er das «Ibis Bern» als Direktor übernommen. Das war vor zwei Jahren. Mittlerweile kamen das «Ibis Budget» und das «Novotel» hinzu, der Berner führt insgesamt drei Häuser mit 310 Zimmern und rund 70 Mitarbeitenden. «Ich achte auf eine klare, offene Kommunikation, begegne den Mitarbeitenden immer mit Respekt. Wichtig ist, dass wir alle das gleiche Ziel haben: Den Gast mit unserer sauberen, guten und gewissenhaften Arbeit zu begeistern.»

Ciardo gibt zu, dass er als Chef hohe Ansprüche an sein Team stellt: «Unsere Branche entwickelt sich rasant. Das erfordert von mir Wendigkeit, auch Flexibilität. Ich muss schnell umdenken können und neue, innovative Lösungen präsentieren. Denn nur so können wir die Wünsche unserer Gäste er­­füllen.» Genau diese Wendigkeit zeichne die junge Hoteldirektoren-Generation aus, sagt Christa Augsburger von der Hotelfachschule Luzern: «Wie die Aufhebung des Euro-Mindestkurses erst kürzlich gezeigt hat, ist unsere Branche ständig gefordert. Sie muss schnell umdenken können und die Strategie anpassen. Die jungen Direktoren sind motiviert, scheuen sich nicht vor solchen Herausforderungen und nehmen sie gerne an.»

Sowohl Vicenzo Ciardo als auch Dany Lützel sagen, dass sie beide zwar viel, aber auch gerne arbeiten. «Wenn ich eine Auszeit brauche, verbringe ich Zeit mit meiner kleinen Tochter und gehe an die frische Luft. Dort kann ich bei einem Spaziergang wunderbar auftanken», sagt Vicenzo Ciardo. Dany Lützel kann am besten abschalten, wenn er seinen Arbeitsort, das «Kempinski» in der Grossmetropole Chongqing, mal für ein paar Tage verlässt. Für ihn gibt es in Asien auf jeden Fall noch viel zu entdecken, «deshalb schaue ich, dass ich alle ein bis zwei Monate einen kleinen Kurztrip unternehmen kann», sagt der 36-Jährige.

Basler Zeitung

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