«Es braucht klare Regeln»

Eine liberale Ferienpolitik ist nur möglich wenn die Mitarbeiter eine hohe Eigenverantwortung an den Tag legen, sagt Silvan Winkler vom Marktforschungsinstitut GFK.

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Ist Flexibilität bei Unternehmen reine Eigenwerbung?
Das Bedürfnis, sich zu profilieren, spielt sicher einer Rolle. Die Flexibilität steigert die Attraktivität einer Firma aber tatsächlich, denn die Bewerber haben heute konkrete Vorstellungen, was Arbeitszeiten und Freizeit angeht. Gerade ein grosses Unternehmen, das darauf angewiesen ist, viele Mitarbeiter einzustellen und zu halten, kann sich damit einen Vorteil verschaffen.

Welche Probleme sehen Sie dabei?
Kunden, Kollegen und Vorgesetzte sind auf meine Arbeit angewiesen, ich kann mich nicht einfach ausklinken. Unternehmen werden noch mehr darauf achten müssen, ob ein Bewerber oder ein Angestellter gewissenhaft arbeitet, ob er Eigenverantwortung übernehmen kann.

Lässt sich das lernen?
Die Forschung zeigte, dass sich die persönliche Disposition diesbezüglich schwer ändern lässt. Unabhängig davon gilt: Wenn Vorgesetzte hinschauen, ist man eher bereit, etwas zu leisten.

Wie soll Kontrolle bei maximaler Flexibilität funktionieren?
Es braucht klare Regeln: Wann müssen welche Ziele erreicht sein? Werden die Erwartungen nicht genau definiert, ist das Modell zum Scheitern verurteilt.

Arbeit hat heute einen hohen ­Stellenwert. Gleichzeitig wünschen viele Angestellte Teilzeit und flexible Ferien – also arbeitsfreie Zeit.
Unser heutiger Umgang mit Arbeit und Freizeit ist tatsächlich ambivalent. Wir haben in einer gross angelegten Umfrage festgestellt, dass das Bedürfnis, die eigene Identität herauszustreichen, immer wichtiger wird. Das fängt beim Hintergrundbild auf dem Handybildschirm an und hört bei den Arbeitszeiten auf. Gerade weil der Job so wichtig geworden ist, ist es uns auch wichtig, wie viele Freiheiten er uns lässt.

Wie beeinflusst ein flexibles Feriensystem die Vermischung von Arbeit und Freizeit?
Eine Trennung der beiden Bereiche wird immer schwieriger. Fällt die externe Kontrolle weg, bleibt alles an der Eigenverantwortung hängen. Wenn jemand auch kurzfristig Ferien beziehen darf, nimmt er vielleicht im Gegenzug das Handy mit an den Strand. Es braucht klare Regeln, damit die gegebenen Freiräume auch wirklich akzeptiert werden.

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