Der «Glücksfall» tritt als Direktor ab

Meiringen

Seit zwölf Jahren führt Peter Oeschger die Privatklinik Meiringen. Er habe in dieser Zeit «Ausserordentliches» geleistet, meint sein Vorgesetzter Andreas Michel, Verwaltungsratspräsident der Michel Gruppe. Ende Jahr tritt Oeschger als Direktor ab.

Peter Oeschger tritt als Direktor der Privatklinik ab. Während zwölf Jahren leitete er erfolgreich das Institut. Unter der Führung Oeschgers profilierte sich die Privatklinik national und international. Er wechselt in den Vorstand der Michel Gruppe AG.<p class='credit'>(Bild: Samuel Günter)</p>

Peter Oeschger tritt als Direktor der Privatklinik ab. Während zwölf Jahren leitete er erfolgreich das Institut. Unter der Führung Oeschgers profilierte sich die Privatklinik national und international. Er wechselt in den Vorstand der Michel Gruppe AG.

(Bild: Samuel Günter)

Samuel Günter@samuel_guenter

«Es war ein Glücksfall, dass wir Peter Oeschger 2001 als Direktor der Privatklinik Meiringen (PM) gewinnen konnten», erklärt Andreas Michel, Verwaltungsratspräsident der Michel Gruppe. Oeschger habe das Meiringer Unternehmen geprägt und weiter entwickelt. «Er brachte Ideen ein und setzte sie um.» Laut Michel übernahm Oeschger die Verantwortung in einer Zeit der personellen Reorganisation. «Er hat in allen Bereichen Ausserordentliches geleistet», sagt Michel und erinnert sich dabei an die Integration der Rehaklinik Hasliberg in die Michel Gruppe. Oeschger geht am 1.Januar 2014 in den Ruhestand und übergibt den Direktionsposten an Christian Pfammatter.

«Ich konnte mich schon lange auf diesen Wechsel vorbereiten», sagt Oeschger. «Schliesslich bin ich schon über 65 Jahre alt.» Er habe ein Jahr angehängt, so sei eine geregelte Übergabe möglich. «Die Pensionierung kommt für mich also nicht überraschend.» Oeschgers Aufgabenspektrum ist breit. So leitet er nicht nur das operative Tagesgeschäft in der PM, sondern auch die Stiftung Helsenberg und hat die strategische Führung des Altersheims Mon Repos in Ringgenberg inne. Aber auch in verschiedenen Gremien wirkte Oeschger mit, und zu guter Letzt erarbeitete er jeweils die Mitwirkungseingaben bei Gesetzesentwürfen, die die Privatklinik betrafen. «Mein Alltag war also gut ausgefüllt», erklärt Oeschger. «All diese Aufgaben und Ämter werde ich meinem Nachfolger sowie Andreas Michel übergeben.»

Vom Kanton marginalisiert

Als Chef habe er grossen Wert auf die Kommunikation gegen innen gelegt und dafür auch verschiedene Kanäle aufgebaut. Überhaupt sei ihm das Wohl des Personals stets am Herzen gelegen. Die PM sei stets ein sozialer, fürsorglicher Arbeitgeber gewesen. Schliesslich sei die Rekrutierung von Ärzten, aber auch von Pflegepersonal sehr schwierig. «Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter halten können, aber auch aus- und weiterbilden.»

Unter der Führung von Oeschger profilierte sich die Privatklinik national und international. «Früher waren wir − gerade in den Augen des Kantons Bern − eine kleine Klinik an der Peripherie», erinnert sich Oeschger. Es sei ein ständiger Kampf gewesen. «Damals war das Gesundheitswesen sehr etatistisch organisiert. Und Meiringen war ein Institut am Rande des Kantons. Wenn Münsingen belegt war, dachte man vielleicht daran, jemanden hierher zu überweisen.» Die Verwaltung habe das Ziel verfolgt, den Kanton, was die Psychiatrie betrifft, in einzelne Regionen zu unterteilen. «Da waren für Meiringen vielleicht 50 Betten vorgesehen, nicht aber die rund 180 der Privatklinik.»

Problem Burn-out erkannt

Seither haben sich die Rahmenbedingungen geändert. 2012 trat das revidierte Krankenversicherungsgesetz in Kraft und ab 2014 das revidierte Spitalversorgungsgesetz. «Beides ist gut für uns», sagt Oeschger. So hätten Patienten schweizweit die freie Spitalwahl. «Das Damoklesschwert der Mengenbeschränkung durch den Kanton von früher ist weitgehend weg.»

Damit sich Patienten aber auch für die Privatklinik entscheiden, muss viel getan werden. So trat das Meiringer Institut den Swiss Leading Hospitals bei. «Beide Revisionen sind gut für uns herausgekommen», sagt Peter Oeschger.

Aber entscheidend sei gewesen, dass man vor zehn, elf Jahren − also kurz nachdem Oeschger sein Amt antrat − erkannte, welche Bedeutung das Krankheitsbild Burn-out bekommen sollte. «Wir waren die Ersten, die glaubten, dass Burn-out ein grosses Problem wird», sagt Oeschger. Entsprechend habe man unter der Verantwortung von Doktor Barbara Hochstrasser ein spezielles Programm auf die Beine gestellt. «Damit wurden wir schweizweit bekannt.» Im Weitern habe die Klinik mit Prof.Dr.Michael Soyka vor sieben Jahren einen im deutschsprachigen Europa sehr bekannten Suchtexperten gewonnen. «Das steigerte die Bekanntheit im Inland weiter und strahlte sogar ins Ausland aus.»

All dies habe sich positiv auf das Image der Privatklinik ausgewirkt. Eine Studie der Universität Fribourg zum Ansehen der psychiatrischen Kliniken bei Ärzten rangiert die PM unter den ersten fünf von circa sechzig Instituten.

Und hier müsse sein Nachfolger ansetzen, meint Oeschger lachend. «Schliesslich sind wir noch nicht die Nummer 1.» Das Führungssystem müsse ständig verfeinert und verbessert werden. Auch die Abläufe müssten ständig überprüft und die Strukturen möglichst schlank gehalten werden. «Die Klinik muss qualitativ noch besser werden, aber weiter wirtschaftlich arbeiten», beschreibt Oeschger die Herausforderung für Christian Pfammatter. Auch die Personalsuche werde immer schwieriger, umso wichtiger werde es sein, dass es der Michel Gruppe weiter gelinge, Leute selbst auszubilden und an sich zu binden.

Auch im Tagesgeschäft werde seinem Nachfolger die Arbeit nicht ausgehen, ist Oeschger überzeugt. «Das Angebot muss ständig der Nachfrage angepasst werden.» So stehe etwa ein Ausbau der Burn-out-Abteilung an. «Wir haben 150 Leute auf der Warteliste, das ist kein idealer Zustand.» Auch weitere Anpassungen der Infrastruktur stehen laut Oeschger an. «Verschiedene Gebäude sind nicht mehr State of the Art.» Etwa die Verpflegungsabteilung, die auf einer vierzigjährigen Basis beruhe.

Wechsel in den VR

Peter Oeschger bleibt der Michel Gruppe trotzdem erhalten. Er wechselt in den Verwaltungsrat. «Seine Erfahrung und sein sehr gutes Netzwerk sind für uns viel wert», erklärt Verwaltungsratspräsident Andreas Michel. Michel ist überzeugt, mit Pfammatter einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. «Was auch ein Verdienst von Peter Oeschger ist.»

Der scheidende Direktor hat keine Angst, dass er nun zu viel Zeit zur Verfügung hat. «Meine Frau und ich werden mit einem Wohnwagen auf Reisen gehen», sagt Oeschger und freut sich, den Norden Europas besser kennen zu lernen. «Aber auch Osteuropa und das Baltikum». Weiter will sich Oeschger, der gerne wandert, beim Verein Berner Wanderwege einbringen und beispielsweise helfen, die Wege und Wegweiser instand zu halten. «Ich bin überzeugt, dass sich noch weitere Aufgaben ergeben.» Bisher sei er oft für Ämter angefragt worden, habe aber ablehnen müssen. «Jetzt habe ich Zeit.»

Berner Oberländer

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