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Jedes dritte Industrieunternehmen erwägt Verlagerungen ins Ausland

Die Mehrheit der Unternehmen glaubt, dass der Frankenschock die Schweizer Industrie ins Mark trifft. Was jetzt folgt, ist Stellenstreichung und Auslagerung.

Stark vom Frankenschock betroffen ist auch die Metallindustrie: Ein Giesser verarbeitet Gusseisen. (05.02. 2013)
Stark vom Frankenschock betroffen ist auch die Metallindustrie: Ein Giesser verarbeitet Gusseisen. (05.02. 2013)
Sigi Tischler, Keystone

Zwei Drittel der Firmen haben laut einer Umfrage 100 Tage nach dem Entscheid der Nationalbank Preisanpassungen vorgenommen, über die Hälfte hat den Lieferanten gewechselt.

Doch dies reicht nicht aus, wie die Studie der Unternehmensberatung Staufen AG zeigt. Vor allem grosse Firmen planen oder erwägen einen Personalabbau und weitere Verlagerungen der Produktion ins Ausland.

Bei 44 Prozent der befragten Industrieunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Franken stehen solche Massnahmen auf der Agenda. Über alle 86 befragten Unternehmen hinweg sind es drei von zehn, die solche Verlagerungen sowie eine entsprechende Reduzierung des Personalbestands in Betracht ziehen.

Die Studie der Unternehmensberatung Staufen AG zeigt damit: Die Schweizer Industrie hat den Schock der Frankenaufwertung noch längst nicht verdaut. Sechs von zehn Befragten erwarten grosse negative Auswirkungen auf ihr eigenes Unternehmen. 84 Prozent sind sogar überzeugt, dass dieser Schritt die Schweizer Industrie ins Mark trifft.

Bei der Hälfte gilt ein Personalstopp

Dabei haben die Unternehmen schon viel unternommen, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu sichern. So haben zwei Drittel seit der Aufgabe der Euro-Untergrenze bereits Preisanpassungen vorgenommen, 57 Prozent den Lieferanten gewechselt und rund die Hälfte einen Personal- und Investitionsstopp beschlossen.

In den letzten fünf Jahren haben fast alle Unternehmen zudem die Produktionsprozesse verbessert und beim Einkauf oder in der Verwaltung die Kosten gesenkt. Doch 55 Prozent der Unternehmen konnten damit nur vergleichsweise geringe Fortschritte erzielen.

«Die Franken-Freigabe wird dafür sorgen, dass die Unternehmen ihre Prozesse noch stärker auf Effizienz trimmen werden», sagt dazu Urs Hirt, Geschäftsführer von Staufen Schweiz.

Bei der Frage, wie dies die Unternehmen bewerkstelligen wollen, gibt es zwischen Grossunternehmen und KMU Unterschiede. So bleiben grosse Unternehmen ihren Lieferanten eher treu. Sie denken weniger an Preisanpassungen und verzichten auch eher auf Arbeitszeitverlängerungen. Dafür sind sie eher bereit, Personal abzubauen und Lohnkürzungen in Betracht zu ziehen.

Nur wenige planen Lohnkürzungen

Insgesamt stehen Lohnsenkungen bei Unternehmen jedoch ziemlich am Ende der Liste der Massnahmen. Lediglich 15 Prozent aller Befragten nennen dies als mögliches Mittel, um sich für den Wettbewerb fit zu machen. Ebenfalls nur gerade 9 Prozent planen Kurzarbeit.

Die Industriebetriebe sind demnach immer noch gut ausgelastet. Gemäss Hirt ist denn auch die Mehrheit der Unternehmen bereit, die Herausforderung der Frankenaufwertung anzunehmen. «Die Frankenfreigabe zwingt sie zu einem Fitness-Programm», sagt er. Langfristig werde sich das enorm positiv auf die Schweizer Wirtschaft auswirken.

Von den 86 befragten Unternehmen gehören drei Viertel zur Maschinen-, Elektro und Metallindustrie (MEM). Ein Drittel aller befragten Firmen beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte gelten mit einem Personalbestand von unter 250 als KMU.

SDA/rsz

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