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Italiens Ökonomie: wenige Anreize - aber stärker als Griechenlands Von Julian Mieth, dpa Hintergrund

Berlin Die Finanzmärkte klopfen Italien auf Schwachstellen ab: Die Staatsverschuldung dort ist enorm und die Wirtschaft stagniert.

Trotzdem steht die italienische Ökonomie besser als die Griechenlands da. Das grösste Problem ist für Italien wie für Griechenland die extreme Staatsverschuldung: Mittlerweile haben sich rund 1,84 Billionen Euro angehäuft - das Land ist damit allein für fast ein Viertel der Staatsschulden der 17 Euroländer verantwortlich. Gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) waren das im vorigen Jahr 119 Prozent - nur Griechenland (142,8 Prozent) kommt auf mehr. Im Vergleich dazu betragen Griechenlands Schulden aber nur rund 330 Milliarden Euro. In Italien wird mehr als die Hälfte der Staatsanleihen von den eigenen Bürgern gehalten. Darum ist das Land weniger gefährdet als etwa das krisengeschüttelte Griechenland, wo sich ein Grossteil der Anleihen in der Hand von ausländischen Investoren befindet: In Krisenzeiten ziehen sich diese nämlich schneller aus dem Land zurück. Italiens Wirtschaft fusst vor allem auf der starken Maschinenbau- und Automobilindustrie im Norden. Hinzu kommen die starke Textil- und Tourismusbranche. Als problematisch gilt laut Experten der grosse Bestand an KMU: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen haben deutlich unter 250 Mitarbeiter. Diese Firmen expandieren kaum und sorgen so für wenig Wirtschaftswachstum. Überbordende Bürokratie Während die europäischen G7-Länder zuletzt deutlich zulegten, stagnierte Italien 2010 laut Eurostat mit 1,3 Prozent Wachstum und blieb sogar hinter dem Eurozonenmittel von 1,8 Prozent. Griechenlands Wirtschaftsleistung sank dagegen um satte 4,5 Prozent und belegte damit den letzten Platz in der EU. Auf dem Weltbank-Index zur Messung der Geschäftsattraktivität liegt Italien von 183 Ländern auf Platz 80 - hinter Namibia und der Mongolei. Vor allem die überbordende Bürokratie und langwierige Gerichtsverfahren verschrecken viele Unternehmen. Negativer bewertet wird von den EU-Ländern nur Griechenland - der Schuldensünder liegt auf Platz 109. Hohe Steuern Wenig anziehend für Investoren ist in Italien zudem die hohe Steuerbelastung: Firmen müssen auf ihre Gewinne rund 70 Prozent an Steuern und Abgaben zahlen. Eine grundlegende Steuerreform hatte Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti zuletzt erneut verschoben; erst nach den Wahlen 2013 will er das Projekt anpacken. Mit einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent im Mai liegt Italien klar unter dem EU-Durchschnitt (9,3). Weitaus schlimmer ist die Lage in Griechenland mit 15,0 Prozent - dies ist die vierthöchste EU- Quote. Problematisch sind in Italien auch die hohen Lohnkosten, die die Wettbewerbsfähigkeit des Landes beeinträchtigen. Das liegt Experten zufolge vor allem daran, dass die Gehälter gemessen an der stagnierenden Produktivität zu schnell steigen. Der Staat versucht dagegen anzugehen. Jüngst gab es einen Lohnstopp im öffentlichen Dienst, die Industrie will nachziehen.

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