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Immobilienmakler wollen die Party anheizen

Derzeit ist laut Experten noch unklar, ob man wirklich an einem Immobilien-Crash vorbeigekommen ist. Trotzdem verlangen Makler eine Lockerung der Bestimmungen für die Geldvergabe der Banken.

Seraina Kobler
Eines der letzten Überbleibsel aus einer anderen Zeit: Das Nagelhaus im boomenden Zürich-West. Derzeit bringt es das Quartier gerade noch auf geschätzte 3200 Bewohner.
Eines der letzten Überbleibsel aus einer anderen Zeit: Das Nagelhaus im boomenden Zürich-West. Derzeit bringt es das Quartier gerade noch auf geschätzte 3200 Bewohner.

«Die Banken sollen vorsichtig sein, nicht aber risikoscheu und marktfremd», sagt Jürg Müller, CEO von CSL Immobilien. Die Gefahr einer Immobilienblase sei aktuell nicht gegeben, heisst es im heute veröffentlichten Wohnungsmarktbericht von CSL Immobilien. Dies zeige ein Vergleich der heutigen Situation mit dem Anfang der Immobilienkrise in den 1990er-Jahren.

So sei damals, heisst es in dem Papier, etwa die Rendite von Bundesobligationen höher gewesen als die Renditeerwartung auf dem Wohnmarkt. Heute sei das Verhältnis umgekehrt. Trotz der aktuell tief gehaltenen Anfangsrenditen sei die Risikoprämie im Vergleich zu Bundesobligationen noch sehr komfortabel. Deshalb fordert die CSL Immobilien, die auf die Nachfrage wirkenden Massnahmen der Banken und den Kapitalpuffer zu überprüfen. Gemeint ist damit einerseits, dass man beim Kauf einer Immobilie nicht mehr nur Geld aus der Pensionskasse rausnehmen darf – sondern auch eigenes beisteuern muss. Andererseits, dass man seine Schulden zu einem Drittel wieder amortisieren muss. So bekommen die Banken die Sicherheit, dass ihre Kunden nicht über ihre Möglichkeiten leben.

«Man kann doch nicht einfach wieder Gas geben»

Der Bericht der CSL Immobilien sorgt bei Experten für Kritik. Donato Scognamiglio, Chef des Immobilienausbildungszentrums Iazi, sagt: «Diese Forderungen sind nicht marktkonform.» Wäre der seit der Finanzkrise beeinflusste Immobilienmarkt ein Alkoholkranker, dann sei es, wie mitten im Entzug mit der Therapie aufzuhören und ihn ans Oktoberfest zu schicken. Erst mit dem Kapitalpuffer und den Hypothekar-Änderungen sei Ruhe in die Branche gekommen. «Die Party der Spekulanten wieder anzuheizen, kann nicht das Ziel einer Volkswirtschaft sein», sagt Scognamiglio.

Nach einem Immobilien-Crash sieht es zurzeit nicht aus, aber die Situation ist auch nicht ganz bereinigt. «Da kann man doch nicht einfach wieder Gas geben», sagt Scognamiglio.

Viele Wohnungen im Bau

Zur Aufmerksamkeit rät auch der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Serge Gaillard. Die Kreditvergabe der Banken sei in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres mit 4,5 Prozent munter weitergestiegen. «Das ist in unserer Beurteilung noch immer eine zu starke Kreditdynamik», sagt Gaillard. Die Angst der Immobilienmakler, dass durch die restriktive Kreditvergabe der Banken bei Hypothekardarlehen und Projektkrediten die Wohnbauentwicklung gebremst werden könnte, teilt Gaillard nicht: «Viele Wohnungen sind im Bau.» Das Angebot wachse rasch. Es gehe nun aber darum, Übertreibungen bei der Preisentwicklung zu vermeiden, damit nicht überhöhte Preise die Nachfrage zum Einbrechen brächten.

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