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Gibt es für selbstständige Frauen kein Mutterschaftsgeld?

Über die Rechnung mit oder ohne Gewinn vor der Geburt.

Je weniger eine Frau vor der Geburt verdient, desto kleiner ist ihre Mutterschaftsentschädigung. Foto: Keystone
Je weniger eine Frau vor der Geburt verdient, desto kleiner ist ihre Mutterschaftsentschädigung. Foto: Keystone

Unsere Tochter ist teilweise angestellt, teilweise selbstständig. Vor ein paar Monaten ist sie Mutter geworden. Vom Betrieb, bei dem sie angestellt ist, bekam sie die ihr zustehende Mutterschaftsentschädigung. Sie hat auch die nötigen Schritte eingeleitet, um für den Ausfall als Selbstständige entschädigt zu werden. Nun aber teilt ihr die Ausgleichskasse mit, dass sie leer ausgehe, weil sie mit ihrer Tätigkeit in der massgebenden Zeit vor der Geburt keinen Gewinn erzielt habe. Wir können das nicht verstehen. Haben nicht alle berufstätigen Frauen nach der Geburt eines Kindes Anspruch auf einen bezahlten Mutterschaftsurlaub?

Ja, das ist so. Auch selbstständige Mütter erhalten eine Entschädigung aus der Erwerbsersatzordnung (EO). Im Vergleich zu angestellten Frauen fahren sie dabei aber oft viel schlechter. Das liegt daran, dass die Mutterschaftsentschädigung unterschiedlich berechnet wird.

Bei beiden – bei den selbstständigen wie den unselbstständigen Frauen – basiert die Entschädigung zwar auf den Beiträgen an die EO. Doch während angestellte Frauen ihre Beiträge auf dem Bruttolohn entrichten, zahlen selbstständige Frauen die Beiträge auf dem Nettoeinkommen – dem Einkommen, das nach Abzug des Betriebsaufwandes verbleibt.

Noch bekommen selbstständige Frauen auch keine Betriebszulage.

Da das Nettoeinkommen gleichzeitig das steuerbare Einkommen ist, versuchen Selbstständige, dieses möglichst tief zu halten. Das wirkt sich dann aber auf die Leistungen der Sozialversicherungen aus: Je weniger eine Frau vor der Geburt verdient, desto kleiner ist ihre Mutterschaftsentschädigung.

Es gibt noch einen Faktor, der sich nachteilig auswirkt. So bekommen selbstständige Frauen keine Betriebszulage, um die während des Mutterschaftsurlaubs laufenden Geschäftskosten zu decken. Dagegen wird den Militärdienstleistenden – meist Männer – aus der EO eine solche Zulage gewährt. Diese Ungleichbehandlung soll korrigiert werden: Einen entsprechenden parlamentarischen Vorstoss haben Bundesrat und Nationalrat unlängst gutgeheissen.

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Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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