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ZKB setzt Preise für Säule-3a-Produkte unter Druck

Die App Frankly der Kantonalbank für 3a-Anlagen mit Wertschriften zählt zu den günstigsten am Markt. Experten gehen davon aus, dass andere Anbieter nun nachziehen werden.

«Die Säule 3a ist ein 120-Milliarden-Franken-Markt. Mit Frankly wollen wir unseren Marktanteil verdoppeln»: Zürcher Kantonalbank Neue Hard in Zürich. Foto:  Walter Bieri (Keystone)
«Die Säule 3a ist ein 120-Milliarden-Franken-Markt. Mit Frankly wollen wir unseren Marktanteil verdoppeln»: Zürcher Kantonalbank Neue Hard in Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Die Digitalisierung setzt die Preise bei Dienstleistungen unter Druck. Was in der Reise- und Medienbranche längst Alltag ist, zieht in der hochregulierten Finanzwelt erst langsam ein. Und hier sind es bisher Newcomer wie Revolut, N26 oder Neon (die wie diese Zeitung zur TX Group gehört), die als Preisbrecher agieren.

Nun tritt die 150 Jahre alte Zürcher Kantonalbank (ZKB) mit einer neuen digitalen Lösung für Säule-3a-Anlagen an, die Preise im Vorsorgemarkt durcheinanderzuwirbeln. Die ZKB startet am Donnerstag ihre neue Vorsorge-App Frankly.

Kunden können dabei aus acht Anlageprodukten – vier aktiv und vier passiv gemanagte Fonds – mit unterschiedlich hohe Risikoprofilen auswählen, um ihre 3a-Guthaben anzulegen. Die Eröffnung eines neuen Vorsorgedepots erfolgt digital über die App.

Frankly soll pro Jahr insgesamt nur 0,48 Prozent vom Anlagevolumen an Gebühren kosten. «Darin sind alle Kosten enthalten, und wir sind damit deutlich günstiger als die Wettbewerber», sagt ZKB-Chef Martin Scholl.

«Im Durchschnitt sind die Frankly-Produkte in der Gesamtkostenbetrachtung weniger als halb so teuer wie durchschnittliche Schweizer Vorsorgefonds mit 1,21%», urteilt Benjamin Manz, Bankenexperte beim Vergleichsdienst Moneyland. Mit Frankly unterbietet sich die ZKB auch selbst, denn ihr bisheriges Wertschriftenangebot für Säule 3a kostet laut Manz im Schnitt 0,99 Prozent.

Konkurrenz fühlt sich geehrt

Ähnlich günstig wie Frankly ist das Säule-3a-Angebot des Start-ups Viac. Nicht nur beim Preis, auch die Produktgestaltung ähnelt der ZKB-App sehr. Bei beiden Angeboten kann der Nutzer zum Beispiel ohne Zusatzkosten seine Anlage zwischen den angebotenen Risikoprofilen wechseln.

Die Ähnlichkeit ist kein Zufall: «Wir hatten mit Swisscanto und der ZKB Gespräche über eine Kooperation zur Nutzung unserer Lösung», sagt Viac-Mitbegründer Daniel Peter. Doch dann habe die ZKB entschieden, eine eigene App zu programmieren.

«Angesichts der Börsenunsicherheit ist der Startzeitpunkt für Frankly auf den ersten Blick nicht ideal»

Christoph Schenk, Anlagechef ZKB

«Die ZKB hat mit Frankly unsere Lösung nachgebaut», sagt Peter. Sauer ist er deshalb aber nicht. «Wir sehen das als Ritterschlag.» Und dank des ZKB-Einstiegs gebe es mehr Interesse für digitale Säule-3a-Lösungen. «Davon können auch wir profitieren», hofft der Viac-Manager. Derzeit verwaltet das Start-up für rund 25’000 Kunden knapp 400 Millionen Franken.

Generell sei der Start der ZKB-App für Kunden eine gute Nachricht, meint auch Moneyland-Experte Manz: «Andere Banken werden nachziehen, die Preise dürften sinken.»

«Angesichts der Börsenunsicherheit ist der Startzeitpunkt für Frankly auf den ersten Blick nicht ideal», räumt Christoph Schenk ein, Anlagechef der ZKB. «Andererseits könnte sich ein Einstieg jetzt langfristig lohnen.» Gerade wer jung ist, hat noch Jahre vor sich, bevor er die 3a-Gelder ausgezahlt bekommt, solch ein langer Zeithorizont ist ideal, um in Aktien zu investieren.

Ein Markt von 120 Milliarden Franken

Die ZKB jedenfalls hat grosse Ambitionen: «Die Säule 3a ist ein 120-Milliarden-Franken-Markt. Mit Frankly wollen wir unseren Marktanteil verdoppeln», sagt Bankchef Scholl. Zuletzt lag dieser bei acht Prozent. Vom Wachstum sollen auch die Kunden profitieren: Je grösser das Anlagevolumen auf Frankly ist, umso mehr Rabatt will die ZKB auf die Gebühren gewähren.

Letztlich ist die App eine Art sehr einfache digitale Vermögensverwaltung. Die Bank kann sich vorstellen, das Produkt auch im Bereich von Freizügigkeitsgeldern anzubieten. ZKB-Chef Scholl will die Plattform aber nicht als Einstiegsprodukt für die normale Vermögensverwaltung einsetzen.

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