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«Zinserhöhung wohl noch in diesem Jahr»

Eigentlich hatten Ökonomen schon vergangene Woche mit der Anhebung des US-Leitzinses gerechnet. Doch die Fed schreckte davor zurück. Doch laut Janet Yellen kann sich dies noch ändern.

Wollte bisher nicht Stellung beziehen: Janet Yellen glaubt wie viele ihrer Kollegen, dass eine Zinserhöhung angemessen sein wird. (17. September 2015) Bild: AP Photo/Jacquelyn Martin
Wollte bisher nicht Stellung beziehen: Janet Yellen glaubt wie viele ihrer Kollegen, dass eine Zinserhöhung angemessen sein wird. (17. September 2015) Bild: AP Photo/Jacquelyn Martin

US-Notenbankchefin Janet Yellen geht noch für Ende dieses Jahres von einer Anhebung des auf einem Rekordtief liegenden Leitzinssatzes aus. Die Inflation dürfte sich allmählich dem von der Fed ausgegebenen Ziel von zwei Prozent annähern, da die ungewöhnlich niedrigen Ölpreise und andere Faktoren nur von kurzer Dauer seien, erläuterte Yellen am Donnerstag in einer Rede in der Universität of Massachusetts at Amherst.

Zudem deutete sie an, dass die globale wirtschaftliche Abschwächung nicht stark genug sein werde, um die Notenbank von ihrem Kurs abzubringen, den kurzfristigen Zins bis Dezember anzuheben. Die Fed hat ihren Leitzinssatz erstmals im Dezember 2008 auf seinen Rekordtief nahe Null gesenkt.

Yellens jüngste Äusserung könnte offene Fragen über geldpolitische Absichten der Notenbank klären, seitdem sie vergangene Woche von einer Anhebung absah und dies mit globalen Wirtschaftsflaute und den instabilen Finanzmärkten begründete. Die Entscheidung befeuerte die Sorge, dass die Fed grössere Bedenken wegen der Konjunktureintrübung in China und der negativen Börsenentwicklungen haben als zunächst von den Investoren angenommen.

Vorstellung des Strategiekomitees

Vertreter der Fed würden die wirtschaftlichen Probleme ausserhalb der USA weiter im Auge behalten, bekräftigte Yellen in ihrem Vortrag. Doch glaubten ihre Kollegen nicht, dass diese Herausforderungen die Zinsentscheidungen der Zentralbank erheblich beeinflussen würden.

Vergangene Woche hatte Yellen es noch vermieden, ihren Standpunkt in der Frage einer möglichen Leitzinsanhebung preiszugeben. Sie ziehe es vor, die Vorstellungen des gesamten Strategiekomitees zu übermitteln, das bei der Fed für die Zinspolitik zuständig ist.

Doch am Donnerstag schwenkte die Notenbankchefin um: «Die meisten meiner Kollegen und ich erwarten, dass es wahrscheinlich angemessen sein wird, die Zielspanne für den Leitzinssatz irgendwann in diesem Jahr anzuheben.»

Inflation unter vorgegebener Marke

Sollte es tatsächlich mit der Erhöhung losgehen, würde sie ganz allmählich erfolgen, betonte Yellen. Die letzte Leitzinsanhebung gab es im Jahr 2006. Im Übrigen habe die Fed aber noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, schränkte Yellen ein. Vom weiteren Vorgehen sind vor allem die Fortschritte bei zwei Doppelaufgaben abhängig: die Steigerung der Beschäftigungszahlen und die Wahrung der Preisstabilität, die laut der Fed dann erreicht ist, wenn die Inflation aufs Jahr hochgerechnet moderat auf zwei Prozent steigt.

Im August sank die US-Arbeitslosenrate zwar mit 5,1 Prozent auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren, womit das Ziel der Fed eigentlich erreicht wäre. Doch die Inflation bewegt sich seit mehr als drei Jahren unter der von der Notenbank vorgegebenen Marke und entfernte sich zuletzt sogar weiter vom Zwei-Prozent-Ziel.

Viele Faktoren verhindern Zinserhöhung

Bei der Fed gibt es bis Ende 2015 noch zwei Treffen, bei denen Nägeln mit Köpfen gemacht werden könnte - vom 27. bis 28. Oktober und 15. bis 16. Dezember. Viele Ökonomen bezweifeln jedoch, dass die Fed schon im kommenden Monat genügend neue Informationen hat, um ruhigen Gewissens eine Zinssatzanhebung abzusegnen. Daher gehen sie für Dezember von einem solchen Schritt aus - sofern der Wirtschaft keine unerwartete Gefahr droht.

So könnte eine durch Haushaltsstreitereien ausgelöste finanzielle Lähmung der Behörden oder eine ausbleibende Anhebung der Schuldenobergrenze der US-Regierung dazu führen, dass die Fed mit der Zinserhöhung weiter wartet, warnte Paul Ashworth, Chefökonom bei Capital Economics.

SDA/hae

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