Wo der Umweg über Schwyz unnötig ist

Auswanderer sollten das Vorsorgeguthaben nach Schwyz überweisen, um von einer tiefen Quellensteuer zu profitieren. Die Übung kann man sich aber sparen.

Wer zum Beispiel ins spanische Denia auswandert, braucht das Geld der 2.?Säule nicht ins Steuerparadies Schwyz zu überweisen. Die Quellensteuer kann man im Falle Spanien so oder so zurückfordern.

Wer zum Beispiel ins spanische Denia auswandert, braucht das Geld der 2.?Säule nicht ins Steuerparadies Schwyz zu überweisen. Die Quellensteuer kann man im Falle Spanien so oder so zurückfordern.

(Bild: Fotolia)

Claude Chatelain

Sie heissen Liberty oder Pensexpert. Sie haben sich auf die Verwaltung von Vorsorgegeldern der 2. Säule und der Säule 3a spezialisiert, und sie haben – besonders wichtig – ihren rechtlichen Sitz im Kanton Schwyz. Dieser dritte Punkt ist deshalb hervorzuheben, weil die Quellensteuer auf Vorsorgekapitalien nirgends so tief ist wie im Kanton Schwyz.

Die Quellensteuer wird dann erhoben, wenn der Begünstigte in der Schweiz keinen Wohnsitz hat. Also bei auswandernden Schweizern oder heimkehrenden Ausländern. Neben den eingangs genannten Instituten bewirbt auch die Schwyzer Kantonalbank ihre Freizügigkeitsstiftung mit dem steuerlichen Vorteil. Sie sei «die ideale Stiftung für Personen, die planen, ihren Wohnsitz ins Ausland zu verlegen und sich das Freizügigkeitskapital auszahlen zu lassen». Man profitiere vom Sitz der Freizügigkeitsstiftung und vom tiefen Quellensteuersatz im Kanton.

Die Quellensteuer ist nirgends so tief wie im Kanton Schwyz

Merke: In der Schweiz ist beim Bezug des Pensionskassenkapitals eine einmalige Steuer zu bezahlen, eine Sondersteuer zum Vorsorgetarif, häufig auch Kapitalauszahlungssteuer genannt. Der Steuersatz ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Wer seinen Wohnsitz im Ausland hat, kann hierzulande nicht besteuert werden, also wird ihm eine Quellensteuer in Abzug gebracht. Am tiefsten ist der Steuersatz im Kanton Schwyz.

Doch wer zum Beispiel nach Finnland, Kroatien, Malaysia, Serbien oder in die USA disloziert, kann sich die Übung mit der Überweisung nach Schwyz sparen. Gemäss dem Doppelbesteuerungsabkommen, das die Schweiz mit den genannten Ländern abgeschlossen hat, kann man beim entsprechenden Kanton die Quellensteuer zurückfordern. Bei diesen Ländern gilt das nicht nur für die 2. Säule. Es gilt auch für die Säule 3a.

Sonderfall öffentlich-rechtliches Arbeitsverhältnis

Doch halt: Das Gesagte betrifft nur Personen, die früher bei einem privatrechtlichen Arbeitgeber angestellt waren. Stammt das Freizügigkeitsguthaben aus einem früheren öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis, so kann die Quellensteuer in den allermeisten Fällen nicht zurückgefordert werden. Norwegen bildet hier die einzige Ausnahme, aber auch nur beschränkt.

Daher lohnt es sich für Angestellte mit einem früheren öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis sehr wohl, das Pensionskassenkapital an eine Stiftung mit Sitz in Schwyz zu überweisen, um damit von einer tieferen Quellensteuer zu profitieren. Dazu ein Beispiel: Ein ausgewanderter Bundesangestellter lässt sich sein Pensionskassenkapital von 500'000 Franken auszahlen. Liegt die Stiftung im Kanton Bern, so beläuft sich die Quellensteuer auf 45'325 Franken. Liegt sie im Kanton Schwyz, beträgt sie nur noch 22'825 Franken. Steuerersparnis vor Transaktionskosten: 22'500 Franken.

Die genannte Sondersteuer zum Vorsorgetarif wird nicht nur beim Bezug des Pensionskassenkapitals geschuldet, sondern auch bei der Auszahlung des Guthabens auf dem Konto 3a. Genau gleich verhält es sich mit dem Quellensteuerabzug. Unterschiedlich sind aber die Rück­forderungsmöglichkeiten. Wenn man aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens die Quellensteuer für Kapitalleistungen aus der 2. Säule zurückfordern kann, heisst das nicht, dass man sie auch auf Auszahlungen der gebundenen Vorsorge 3a zurückfordern kann.

Wer seine Zelte zum Beispiel in Argentinien aufschlägt, kann die Quellensteuer auf einer Kapitalleistung aus der 2. Säule zurückfordern, aus der Säule 3a hingegen nicht. Das gilt zum Beispiel auch für Indonesien, Liechtenstein, Mexiko, Neuseeland, Singapur oder Thailand.

Schliesslich gibt es Länder mit Doppelbesteuerungsabkommen – und trotzdem kann man die Quellensteuer auf Kapitalleistungen aus der 2. Säule oder der Säule 3a nicht zurückfordern. Das ist zum Beispiel in Chile, Grossbritannien, Island, Kanada, Schweden oder Südafrika der Fall.

Wo kein Abkommen über die Doppelbesteuerung besteht

Ebenfalls keine Rückforderungsmöglichkeit gibt es für Personen, die in ein Land ziehen, mit dem kein Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz besteht. Dazu zählt zum Beispiel Kambodscha. Ein Land übrigens, das mehr und mehr von Rentnerinnen und Rentnern als Alternative zu Thailand heimgesucht wird.

Was auf dem Papier einfach und verständlich daherkommt, wird in der Praxis nicht immer einfach sein. Für die Rückforderung der Quellensteuer ist beim zuständigen Kanton ein Formular einzureichen. Zuständig ist übrigens immer die Steuerverwaltung am Sitz der Vorsorgeeinrichtung oder der Freizügigkeitsstiftung. Das Formular muss aber mit einem Stempel der ausländischen Steuerbehörde versehen werden. «Die Steuerbehörde des Wohnorts bestätigt, von obiger Kapitalleistung Kenntnis zu haben», ist auf dem Formular zu ­lesen.

Wenn die Behörde den Stempel verweigert

Das Einholen von Stempel und Unterschrift ist nicht in allen Ländern einfach. Die USA sind bekannt dafür, dass ihre Behörde grundsätzlich keine Formulare anderer Länder quittiert. Hier müssen andere Wege dafür gefunden werden, zu beweisen, dass die Steuerbehörde von der Kapitalleistung Kenntnis hat.

Erstes Fazit: Die Möglichkeit einer Rückforderung der Quellensteuer ist davon abhängig, ob die Vorsorgeleistung aus früherem öffentlich-rechtlichen oder einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis stammt. Zudem stellt sich die Frage, ob eine Rückforderungsmöglichkeit besteht oder nicht, wobei die Regelungen für die 2. Säule und die Säule 3a voneinander abweichen können.

Ungleiche Behandlung von Deutschen und Italienern

Damit aber nicht genug: BeiVorsorgeleistungen aus einem früheren öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis spielt nämlich auch die Nationalität eine Rolle. Hier wird mit dem Deutschen mit Wohnsitz in Deutschland nicht gleich verfahren wie mit dem Italiener mit Wohnsitz in Italien.

Der Deutsche kann die Quellensteuer in der Schweiz nicht zurückfordern, der Italiener hingegen schon. Das gilt, wie gesagt, nur bei einem öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis. Also bei Ausländern, die beim Bund, beim Kanton oder bei einer Gemeinde tätig und versichert waren.

Nicht vergessen: Grundsätzlich sind die erwähnten Vorsorgeeinkünfte auch im ausländischen Wohnsitzstaat zu deklarieren. Ob und in welcher Höhe dort eine Besteuerung erfolgt, ist nicht Gegenstand dieser Recherche.

Berner Zeitung

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