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Wenn die Zahlen wieder zählen

Heute Abend beginnt in den USA die Berichtssaison, bald darauf folgen die Schweizer Unternehmen. Investoren dürften den Meldungen wieder mehr Aufmerksamkeit widmen.

Von Makrodaten bis Mikrozahlen: Börsenhändler mit Computerschirm.
Von Makrodaten bis Mikrozahlen: Börsenhändler mit Computerschirm.
Reuters

Zum Wochenstart bleibt der Grundtenor an der Schweizer sowie auch den europäischen Börsen positiv: Der Swiss-Market-Index gewinnt im Tagesverlauf über 1 Prozent und nimmt wieder Kurs auf jene 8000er-Grenze, unter die er Anfang Juli gefallen war. Später am Abend läutet dann der Aluminiumkonzern Alcoa traditionell die US-Berichtssaison ein. Bringen die Zahlen wieder Fantasie in die Märkte, die zuletzt unter der Aussicht auf eine geldpolitische Straffung in den USA gelitten hatten?

Einer Bloomberg-Zusammenstellung von 11'000 Analystenprognosen zufolge ist mit Höhenflügen nicht zu rechnen: Nur um 1,8 Prozent sollen die Gewinne im zweiten Quartal wachsen, das ist vergleichsweise wenig. Gerade wegen der verhaltenen Aussichten dürfte in den Wochen bis Ende August allerdings die eine oder andere gute Nachricht zu hören sein: Niedrige Erwartungen sind einfach zu übertreffen, so war es bereits in den letzten zwei Sommersaisons.

Fokus auf einzelne Titel

Tanja Geiser, stellvertretende Leiterin der Researchabteilung bei der Neuen Aargauer Bank, rechnet damit, dass rund 7 von 10 grossen Schweizer Unternehmen die Analystenerwartungen übertreffen. Dies rückt Kurssteigerungen in Sicht, trennt aber auch die Spreu vom Weizen. «Die Berichtssaison fällt wieder stärker ins Gewicht», sagt die Ökonomin der NAB. In der jüngsten Vergangenheit waren die Börsen stark von makroökonomischen Entwicklungen getrieben worden, einzelne Titel vermochten vom allgemeinen Rückenwind der Notenbanken zu profitieren.

Inzwischen ist die Grosswetterlage vor allem in den USA um Nuancen anders. Seit kurzem rentieren zehnjährige US-Staatsanleihen wieder über 2,5 Prozent, andere Anleihen geben noch mehr Rendite. Mit der Zinserhöhung steigen Obligationen in der Gunst wieder, im Gegenzug erhöht sich die Attraktivitätsschwelle für Dividendenpapiere. «Es gibt langsam, aber sicher wieder Alternativen zu US-Aktien», sagt Tanja Geiser. Ein abruptes Ende des Bullenmarktes bei Aktien prognostiziert die Ökonomin allerdings nicht. Aktien seien historisch noch nicht überbewertet, zudem wollten die Notenbanken der grossen Industrienationen das Geld weiter billig halten.

Potenzial bei den Banken

Eine gewisse Unsicherheit kennzeichnet die Analyse nach Sektoren. Laut dem Analysten Oliver P. Müller von der Credit Suisse hat die Umschichtung der Investoren von den defensiven Titeln in die sogenannten Zykliker nur zögerlich begonnen. Das würde bedeuten, dass Anleger nun vermehrt wieder auf Unternehmen setzen, deren Gewinne stark mit der Konjunktur schwanken, etwa Banken und Industrieunternehmen. Bankenanalyst Tim Dawson sieht bei den Banken allerdings noch «mehr Abwärts- als Aufwärtsrisiken», wie er zu Redaktion Tamedia sagt.

Bei den Banken schenkt das Anziehen der Zinsen ein. Kurzfristig sinkt der Wert von Anleihen in ihren Büchern, was je nach Verbuchungsmethode den Gewinn oder den Unternehmenswert mindert. «Auf lange Sicht profitieren gewisse Banken aber von höheren Zinsen», betont CS-Analyst Müller. Grund dafür sind die höheren Margen, die sie auf ausgeliehene Gelder erzielen können. Insgesamt erwartet auch Müller eine gute Berichtssaison: Um rund 6 bis 8 Prozent dürfte der Gewinn der Schweizer Unternehmen im zweiten Quartal wachsen.

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