Staatsgarantie freut die Rentner

Pensionskassen mit Staatsgarantie gehen ­höhere Risiken ein als private Vorsorgewerke. Das kommt Staatsangestellten zugute, die zurzeit pensioniert werden und in den Genuss höherer Umwandlungssätze kommen.

Wie hoch ist die künftige Altersrente? Das hängt stark vom Umwandlungssatz ab, der bei Pensionskassen mit Staatsgarantie höher ist als beim Rest.

Wie hoch ist die künftige Altersrente? Das hängt stark vom Umwandlungssatz ab, der bei Pensionskassen mit Staatsgarantie höher ist als beim Rest.

(Bild: Fotolia)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Die Welt der Pensionskassen lässt sich in zwei Sphären ein­teilen. Zum einen sind da die «normalen» Vorsorgewerke, in denen Angestellte und Arbeit­geber die Risiken der Vorsorge gemeinsam tragen. Zum anderen gibt es öffentliche Pensionskassen mit Staats­garantie, die eine schier unerschöpfliche Geldquelle im Rücken haben – die Steuerzahler.

Kantone und Gemeinden müssen ihren Vorsorgewerken eine Staatsgarantie abgeben, wenn sie ihnen eine dauerhafte Unterdeckung erlauben. Über solche Garantien verfügen zum Beispiel die Pensionskassen der Kantone Bern, Genf, Basel-Stadt, Freiburg und Wallis sowie der Stadt Bern. Kostspielige Folgen können diese Garantien zum Beispiel haben, wenn ein staats­naher ­Betrieb – ein Heim oder ein Spital – aus einer gemeinsamen Pensionskasse mit Unter­deckung austritt.

Im Schnitt grosszügiger

Was hier reichlich theoretisch tönt, hat aber auch im Alltag ganz praktische Auswirkungen. Pensionskassen mit Staatsgarantie gehen im Durchschnitt messbar höhere Risiken ein als der Rest. Insbesondere sind sie bei der Festlegung der Umwandlungssätze, welche für die Höhe der künftigen Altersrenten entscheidend sind, grosszügiger gegenüber ihren Versicherten. Dies geht aus dem neuen Bericht zur finanziellen Lage der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen hervor, den die zuständige Oberaufsichtskommission des Bundes gestern veröffentlicht hat.

Sie führt jährlich eine Umfrage durch, an der dieses Mal 93 Prozent oder rund 1750 Pensions­kassen teilnahmen. Anhand der Angaben erstellen die Spezialisten der Kommission eine Art individuelles Risikoprofil, indem sie unter anderem analysieren, ob eine Kasse überhöhte Leistungen verspricht.

Dabei fällt auf, dass Vorsorgewerke mit Staatsgarantie schlechter abschneiden: Zwei Drittel gehen «eher hohe» oder «hohe» Risiken ein. Bei Kassen, die ohne staatliches Sicherheitsnetz unterwegs sind, ist dieser Anteil halb so hoch. Vor allem gibt es hier mit 0,2 Prozent fast keine Kasse mit «hohem» Risiko.

Der Bericht zeigt auch, wie sich die unterschiedliche Risikobereitschaft konkret äussert: Pensionskassen mit Staatsgarantie wenden im Durchschnitt einen Umwandlungssatz von 6,12 Prozent an, während Neurentner in den anderen Kassen mit 5,83 Prozent zufrieden sein müssen.

Das ergibt bei einem ­Alters­kapital von 500'000 Franken eine Rentendifferenz von rund 1500 Franken im Jahr. Der Bericht hält fest, Pensionskassen mit Staatsgarantie gingen «in diesem Bereich viel grössere Risiken ein».

In 80 Prozent der Fälle orten die Autoren sogar «hohe» ­Risiken. Das liegt auch daran, dass viele öffentliche Kassen das Leistungsprimat anwenden. In diesem System sind künftige Renten fix in Prozent des Lohns definiert, was die Risiken für die Kasse markant erhöht, da sie weniger rasch auf sinkende Renditen reagieren kann.

Exklusiver Kreis wird kleiner

Allerdings stirbt nicht nur das Leistungsprimat langsam aus, sondern auch der exklusive Klub der Pensionskassen mit Staats­garantie schrumpft stetig. An der Umfrage nahmen nur noch 38 «Garantiekassen» teil, die aber mit 450'000 Versicherten relativ gross sind.

Berner Zeitung

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