So sparen Sie mit der Säule 3a richtig Geld

Wer sich für das Alter finanziell ab­sichern will, kann das steuerbegünstigt über die Säule 3a tun. Hier boomen Fonds mit hohem Aktienanteil. Ein Vergleich lohnt sich. Denn bei den Gebühren gibt es ­grosse Unterschiede.

Wer das Geld zum Beispiel für einen Hausbau oder den Schritt in die Selbstständigkeit bald braucht, sollte sich mit einem kleineren Aktienanteil begnügen. (Symbolbild)

Wer das Geld zum Beispiel für einen Hausbau oder den Schritt in die Selbstständigkeit bald braucht, sollte sich mit einem kleineren Aktienanteil begnügen. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Die Sozialwerke sind unter Druck. Der Umwandlungssatz der zweiten Säule nimmt seit Jahren stetig ab und lässt Renten schrumpfen. Auch unter Besitzern eines Säule-3a-Sparkontos macht sich Ernüchterung breit: Die Zinsen tendieren gegen null (siehe Grafik unten).

Bei der ­Alters­vorsorge geht es um viel Geld. Seit einigen Jahren boomen Säule-3a-Fonds mit Aktien, die eine höhere Rendite versprechen. Teilweise steigt der Aktienanteil über 75 Prozent. Es ist durchaus ratsam, einen solchen Fonds zu eröffnen oder allenfalls ein 3a-Sparkonto umzuwandeln. Wer sein Geld gut anlegen will, sollte aber einige Punkte beachten.

Anlagestrategie wählen

Wer in Aktien investiert, verliert Vermögen, sobald die Kurse sinken. Doch die Erfahrung zeigt: Langfristig erzielen Aktien trotz Kursschwankungen deutlich bessere Renditen als ein Sparkonto. Der langjährige Durchschnitt liegt für Aktien weltweit bei rund 5 Prozent im Jahr.

Andreas Akermann, verantwortlich für Privatkunden bei der VZ Depotbank, rät deshalb jungen Leuten, die mit 20 bis 30 Jahren mit dem Säule-3a-Sparen ­beginnen, zu einem Fonds mit hohem Aktienanteil. Allerdings haben junge Menschen öfters nicht genügend Einkommen, um Vermögen anzuhäufen. Zudem ist die Altersvorsorge weit von ihrem Lebensalltag entfernt – für viele ist es noch kein Thema, dafür schon jetzt auf Konsum zu verzichten.

Kurzfristig mehr Risiko

Wer das Geld zum Beispiel für einen Hausbau oder den Schritt in die Selbstständigkeit bald braucht, sollte sich mit einem kleineren Aktienanteil begnügen. Kurzfristige Kursverluste fallen so weniger stark ins Gewicht. Bei genügend finanziellen Mitteln und Risikobereitschaft sind aber immer höhere Aktienanteile möglich, meint Thomas van Ditzhuyzen, Leiter Investment Solutions bei der Mobiliar. Kurz zusammengefasst müssen für den Fachmann Risikofähigkeit und Risikowille vorhanden sein, damit eine Strategie mit hohem Aktienanteil gewählt werden kann.

Billiger und besser?

Es lohnt sich, Gebühren mehrerer Säule-3a-Fonds genau zu vergleichen und volle Transparenz zu verlangen. Denn schon eine jährliche Differenz von einem Prozent kann über viele Jahre gerechnet mehrere Zehntausend Franken ausmachen.

Auswahl an Säule-3a-Fonds mit Aktien: Unterschiede bei Kosten und Performance (Zum Vergrössern, die Grafik anklicken)

Bei einem Säule-3a-Fonds stellt sich zuerst die Frage, ob dieser aktiv oder passiv verwaltet werden soll. Bei der aktiven Variante wählt die Anbieterin bewusst bestimmte Wertschriften aus. Das Portfolio kann laufend angepasst werden. Der Passivfonds widerspiegelt in der Regel einfach einen bestimmten Index wie den SMI. Beim aktiv verwalteten Fonds fallen mehr Gebühren an. Und entscheidend: Praktisch durchwegs erzielen passive Anlagen eine bessere Rendite.

Wer sich trotzdem für einen aktiv verwalteten Fonds entscheidet, sollte sich genau über Inhalt und Strategie informieren. Die Mobiliar setzt zum Beispiel mit ihrem aktiven Ansatz auf Sicherheit, wie van Ditzhuyzen erläutert. Tatsächlich schneidet sie mit ihren Aktienanteilen bei der Volatilität im Vergleich recht gut ab. Andere Fonds weisen also eine grössere Schwankungsbreite aus – allerdings oft auch höhere Renditen.

Bei einem Säule-3a-Fonds mit Aktien fallen weitere Gebühren an, darunter die Total Expense Ratio (TER). Anders als die Bezeichnung suggeriert, bildet diese aber nicht das Total aller Gebühren ab, sondern diverse Verwaltungsgebühren. Es gibt Fonds, die in den vergangenen Jahren die TER gesenkt und gleichzeitig separate Depotgebühren entsprechend erhöht haben.

Wer seinen Vergleich allein auf die TER abstützt, erhält also kein zuverlässiges Bild. Weiter sind Retrozessionen (diese sind oft in der TER berücksichtigt) und einmalige Ausgabe- oder Rücknahmegebühren zu beachten. Die Tabelle unten bildet Gesamtkosten und Rendite einiger grösserer Fonds für einen Quervergleich ab.

Im Vorteil mit Umwandlung

Ärgerlich ist, wenn ein Säule-3a-Konto mit hohem Aktienanteil altershalber ausgerechnet zu einem Zeitpunkt aufgelöst werden muss, wenn die Kurse im Keller sind. Dagegen kann man sich wappnen: Viele Fonds können nach der Pensionierung ausserhalb der Säule 3a weitergeführt und zu einem späteren Zeitpunkt aufgelöst werden. Oft erfolgt die Umwandlung sogar gebührenfrei.

Und schliesslich gibt es Säule-3a-Fonds, die mit Versicherungen gekoppelt sind. Davon rät Andreas Akermann ab: «Damit finanzieren die Versicherten aus ihrer Altersvorsorge Leistungen, die sie meist nicht benötigen – so zum Beispiel Prämien für den Todesfall.» Es sei günstiger, bei Bedarf unabhängig von der Säule 3a spezifische Versicherungen abzuschliessen, sagt Akermann.

Auf die Hausse warten?

Manche Auguren warnen von einer Blase, die demnächst platzt und Aktienkurse in die Tiefe reisst. Ist es deshalb unklug, jetzt einen Säule-3a-Fonds mit hohem Aktienanteil zu eröffnen? Vorsorgespezialist Walter Blum von Pensexpert AG relativiert. Bei einem Anlagehorizont von sieben oder mehr Jahren, sei dies durchaus sinnvoll: «Es kommen ja jährlich neue Sparbeiträge hinzu, die nach einer Baisse wieder in eine günstigere Phase fallen.» Zudem sei es möglich, mit tiefem Aktienanteil vorsichtig einzusteigen und die Aktienquote sukzessiv zu erhöhen.

Vorsicht bei Obligationen

Auf jeden Fall sollte der Fonds derzeit aber möglichst wenig Obligationen enthalten, rät Blum. Denn diese bringen keine Zinserträge, und bei einem Zinsanstieg drohen Kursverluste. «Für null Ertrag handelt man sich ­hohe Risiken ein», warnt Vorsorgeexperte Blum. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.07.2017, 11:14 Uhr

Die Säule 3a

Angestellte können im Jahr 2017 bis zu 6768 Franken in die Säule 3a einzahlen. In der Regel sinkt damit die Steuerrechnung um etwas weniger als ein Drittel des überwiesenen Betrags (Grenzsteuer von rund 30 Prozent). Selbstständigerwerbende ohne Pensionskasse können sogar 20 Prozent ihres Jahreslohns oder höchstens 33 840 Franken abziehen. Beim späteren Bezug wird zwar wiederum eine Steuer fällig, dies aber zu einem deutlich günstigeren Vorzugssatz.

Es ist empfehlenswert, ein zusätzliches Konto zu eröffnen, wenn der angesparte Betrag die Grenze von 50 000 Franken überschritten hat. Später können die Säule-3a-Guthaben gestaffelt über mehrere Jahre verteilt aufgelöst werden. So lassen sich legal Steuern sparen. Denn der Steuerpflichtige ist tiefer in der Progression, wenn er mehrere kleinere Ausschüttungen deklariert. Ein Rechenbeispiel ergibt für ein Ehepaar mit drei Konten und Guthaben zwischen 65 000 und 85 000 Franken im Kanton Bern eine Gesamtsteuerbelastung von 3,5 bis 3,9 Prozent. Im Kanton Zürich beträgt sie für alle drei Ausschüttungen 4,8 Prozent (Berechnung: VZ Vermögenszentrum). ki

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