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Neu: Die Grössensteuer

Nicht nur Grossbanken «verdienen» eine Sondersteuer. Wenn es nach zwei Harvard-Ökonomen ginge, sollten auch grosse Menschen Sondersteuern zahlen – als Abgeltung für ihre besseren Lebenschancen. Auf diese Idee muss man zuerst einmal kommen.

Der grosse Pascal Couchepin: Gemäss neustem Steuervorschlag würde er stärker zur Kasse gebeten.
Der grosse Pascal Couchepin: Gemäss neustem Steuervorschlag würde er stärker zur Kasse gebeten.
Keystone

Grösse kann ein Ärgernis sein. Das weiss die Welt spätestens wieder seit dem Ausbruch dieser Finanzkrise: Diese hat viele Staaten dazu gezwungen, ihre Grossbanken vor der Pleite zu retten, um üble Folgen für ganze Volkswirtschaften abzuwenden. Eine mögliche Antwort auf diese Subventionen sind Sondervorschriften für Grossinstitute – zum Beispiel Sonderregeln bezüglich Eigenkapital und Liquidität, aber möglicherweise auch Sondersteuern als Abgeltung für die faktische Staatsgarantie.Eine Sondersteuer sollte es auch für grosse Menschen geben. Dies fordern – allen Ernstes – zwei Ökonomen der renommierten amerikanischen Universität Harvard in einer neuen Studie. Einer der Autoren wirkt besonders unverdächtig: Gregory Mankiw, einst Chefökonom unter US-Präsident Bush junior, kein spezieller Freund von neuen Steuern und selbst immerhin 188cm gross. Hinter der Idee der Autoren steht ein alter Befund, den eine Vielzahl von Studien in diversen Ländern immer wieder bestätigt hat: Grössere Leute haben statistisch gesehen bessere Lebenschancen als kleinere Leute. Dies zeigen zum Beispiel Einkommensstatistiken. Die grobe Tendenz: Jeder zusätzliche Zentimeter Körpergrösse ist verbunden mit einem zusätzlichen Lohn von 0,5 bis 1,5 Prozent. Wer zum Beispiel 180 cm gross ist, würde somit statistisch erwarten können, 5 bis 15 Prozent mehr zu verdienen als sein Kollege, der «nur» 170 cm gross ist.

Diverse Theorien

Es gibt diverse Theorien, warum das so sein könnte. Hier drei davon. (1) Grössere Leute wirken kompetenter (auch wenn sie es nicht unbedingt sind) und bekommen deshalb die besseren Lebenschancen. (2) Grössere Leute haben ein grösseres Selbstvertrauen – was dem Fortkommen im Leben dient. (3)Grössere Leute sind im Schnitt intelligenter – nicht wegen der Körpergrösse, sondern weil gewisse Faktoren (wie die Ernährung) ähnlich auf die Körpergrösse wie auf die Intelligenz wirken.Wie man die Erklärung gewichten mag, ist für die Steuerfrage sekundär. Wichtiger scheint: Man würde meinen, die meisten Länder hätten das «Problem» der Grössenungleichheit gelöst – indem sie von Grossverdienern mehr Steuern verlangen als von Kleinverdienern. Die Harvard-Ökonomen geben sich damit aber nicht zufrieden. Ihre Botschaft: Es wäre gerechter und effizienter, die Leute nicht nach ihrem Einkommen zu versteuern, sondern nach ihrer potenziellen Fähigkeit, Einkommen zu erzielen – und dafür sei die Körpergrösse ein gutes Kriterium. Das heisst: Besonders «bestraft» wird nicht jener, der sich besonders anstrengt, sondern jener, der aus seiner Veranlagung zu wenig macht.

Grössere Menschen müssten mehr zahlen

In der Rechnung der Autoren sollte zum Beispiel ein «grosser» Steuerpflichtiger (Körpergrösse 183 cm oder mehr) mit einem Einkommen von 50000 US-Dollar rund 4500 Dollar mehr Steuern zahlen als ein «kleiner» Steuerpflichtiger (unter 178 cm) mit gleichem Einkommen. Auf Schweizer Verhältnisse umgemünzt: Der abtretende Bundesrat Pascal Couchepin müsste wesentlich mehr Steuern zahlen als sein Kollege Hans-Rudolf Merz.Die Autoren machen sich keine politischen Illusionen über die Chancen eines solchen Vorschlags. So schreiben sie selbst: Die typischen Reaktionen von Leuten, die zum ersten Mal davon hören, reichten von Amüsiertheit bis Erschrecken. Eine typische Idee aus dem Elfenbeinturm, so mögen viele denken: Die Besteuerung auf Basis von Körpereigenschaften (Sondersteuern für Grosse, Subventionen für Kleine) dürfte in manchen Augen unfair bis absurd wirken. Die Autoren entgegnen etwa dies: Ob absurd oder nicht, ist Ansichtssache (komplizierter gesagt: Sache des philosophischen Hintergrunds) – aber unfair, das wäre die Grössensteuer nicht. Eine Erwähnung haben die zwei Ökonomen in jedem Fall verdient: Auf ihre Idee muss man zuerst einmal kommen.

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