Mit dem Geldsegen von Verwandten

Damit die eigenen vier Wände auf stabilem Fundament ruhen, ist ein angemessener Anteil Eigenkapital wichtig. Nebst einem Darlehen einer Bank kommen noch andere Finanzquellen infrage: Erbvorbezug oder Verwandtendarlehen.

Glücklich schätzt sich, wer von Verwandten ein Darlehen erhält.

Glücklich schätzt sich, wer von Verwandten ein Darlehen erhält.

(Bild: Fotolia)

Seit Eigenheime und speziell Hypotheken auf den Warnlisten der Finanzmarktaufsicht (Finma) auftauchen, erleben manche Menschen ein böses Erwachen: Die Hypothekarzinsen sind zwar nach wie vor unglaublich tief, der Traum vom eigenen Häuschen oder der eigenen Wohnung ist für manche Bevölkerungskreise aber nicht mehr zum Greifen nah. Wer heute in den eigenen vier Wänden leben will, muss einen höheren Anteil an eigenem Geld einbringen als früher. Grundsätzlich gilt die Regel, dass mindestens 20 Prozent des Liegenschaftswertes über eigenes Geld finanziert wird. 80 Prozent steuert üblicherweise eine Bank oder ein anderes Finanzinstitut über einen Hypothekarkredit bei.

10-Prozent-Regel

Seit 2012 haben die Behörden und die Bankiervereinigung Schritt für Schritt einige Verschärfungen eingeführt, die für neue wie für bestehende Hypotheken gelten. Während früher der ganze Eigenkapitalanteil aus Mitteln der 2. Säule stammen durfte, sind heute mehr «echte» Eigenmittel nötig – mindestens 10 Prozent. Dazu zählen liquide Mittel auf einem Kontokorrent oder Sparkonto, Guthaben der Säule 3a, Versicherungspolicen mit Rückkaufswert oder handelbare Wertschriften, die man verkaufen kann. Über diesen ersten Anteil «harter» Eigenmittel hinaus können weiterhin vorbezogene oder verpfändete Guthaben aus der Pensionskasse herangezogen werden.

Verwandtendarlehen

Darlehen von Verwandten und Freunden sind nur noch insofern als Finanzhilfe beziehungsweise Eigenkapital anrechenbar, als sie weder verzinst noch rückzahlbar sind. Um dies zu überprüfen, verlangen die Banken heute entsprechende Unterlagen wie etwa eine Kopie des Dar­lehens- oder Erbvertrags. Ein Beispiel zur Illustration: Wenn Ihnen ein reicher Onkel einen Zustupf von 100'000 Franken gewährt, gilt dies nur als echtes Eigenkapital, wenn er Ihnen das Geld schenkt. Kriterium ist also nicht die Herkunft der Mittel, sondern vor allem die Frage, ob eine Rückzahlungs- oder Verzinsungspflicht besteht.

Die Banken sind gemäss den neuen Bestimmungen berechtigt, Schenkungen und Erbvor­bezüge als Eigenmittel anzurechnen. Verzinsliche Darlehen aus der Verwandtschaft werden hingegen genau gleich eingestuft wie das Darlehen einer Bank.. Diese Darlehen müssen übrigens auch bei der Beurteilung der finanziellen Tragbarkeit mitberücksichtigt werden. Das heisst: Die gesamten fixen Kosten für Zinsen inklusive Darlehen von Verwandten, Amortisationen und Nebenkosten für das Haus müssen im Verhältnis zu Ihrem Einkommen gut tragbar sein. In der Öffentlichkeit wenig bekannt ist übrigens, dass nach den heute geltenden Mindeststandards für Hypotheken periodische Überprüfungen nötig sind. Stellt die Bank dabei einen gesunkenen Liegenschaftswert fest, muss der Schuldner liquide sein und neues Geld einschiessen können.

Willkommene Finanzhilfe

Eine Finanzspritze von Onkel oder Tante kann also immer willkommen sein. Das bewahrheitet sich in ganz verschiedenen Situationen: häufig beim Ersterwerb eines Eigenheims, wenn die Bank den aktuellen Verkehrswert der Liegenschaft unter dem Kaufpreis ansetzt und das Bankdar­lehen nur etwa 70 Prozent davon deckt. In diesem Fall wird ein Verwandtendarlehen eine willkommene Hilfe dabei sein, sich das Eigenheim oder ein Umbauprojekt überhaupt leisten zu können. Damit alles seine Ordnung hat, sollten Darlehen unter Verwandten und Freunden klar und schriftlich geregelt werden.

Zum Darlehensvertrag

Im Darlehensvertrag definiert man die Höhe des Kredits, Verzinsung, Amortisationen, Kündigung, Kündigungsfristen und Sicherstellung. Weiter ist es ratsam, daran zu denken, dass niemand einseitig bevorzugt wird, damit der Familienfrieden nicht gefährdet ist.

Gerade für jüngere Menschen, die von einem Eigenheim träumen, sind die Hürden beim Eigenkapital hoch. Mit einem guten Finanz- und Sparplan, etwa mit Einzahlungen in die Säule 3a oder mit Fondssparplänen, und mit etwas Geduld können die Wohnträume später verwirklicht werden.

Berner Zeitung

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