Hypotheken: Langfristig lohnt sich ein genauer Vergleich

Versicherungen und Pensionskassen ­drängen zunehmend in den Hypothekenmarkt. Vor allem bei langfristigen Laufzeiten bieten sie oft einen tieferen Zinssatz. Der Nachteil: Der Zugang zur Fremdfinanzierung ist mitunter restriktiver.

<i>Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern.</i>

Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hypotheken kosten derzeit sehr wenig. Einzelne Finanzinstitute argumentieren, das allgemeine Zinsniveau sei derart tief, dass die Unterschiede für Kunden kaum noch ins Gewicht fallen würden. Das stimmt nicht.

Besonders bei längerfristigen Hypotheken lohnt sich ein genauer Vergleich. Denn bei einer Differenz von zwei Zehnteln beim Zinssatz sind bei einem Einfamilienhaus in zehn Jahren Einsparungen von mehr als 10 000 Franken möglich.

Günstigere Versicherungen

Gemäss einer Erhebung der Hypothekenvermittlerin Moneypark liegt der ausgehandelte Zinssatz bei Versicherungen schon seit Jahren durchschnittlich um rund zwei Zehntel unter demjenigen von Banken. Die Daten basieren auf Zinssätzen, die über 90 Finanzierungsinstitute einer Vielzahl von Kunden offeriert haben.

Weiter stellte Moneypark fest, dass die Angebote der Banken deutlich stärker variieren. Die Zinsunterschiede sind bei gleichen Voraussetzungen also ­grösser, weshalb ein Vergleich oder ­allenfalls die zusätzliche Offerte einer Versicherung besonders empfehlenswert ist.

Und schliesslich konkurrenzieren gemäss dieser Erhebung die Ver­sicherungen die Banken neuerdings auch bei den kürzeren fünfjährigen Laufzeiten. Hier haben die Versicherungen die Nase aber nicht so deutlich vorn.

Höhere Hürden für Kunden?

Doch nicht nur die Zinssätze unterscheiden sich, sondern auch die Bedingungen. Und das bedeutet gelegentlich höhere Hürden für Kunden. «Als Versicherung offerieren wir interessante Zinsen, nehmen aber auch nur ein tiefes Risiko», erläutert Markus Waller, Leiter Hypotheken bei der Axa Winterthur.

So muss der Kunde für eine Hypothek hier mindestens 20 Prozent Liquidität mitbringen. Pensionskassengelder nicht eingerechnet. Die Schweizerische Bankiervereinigung empfiehlt ihren Mitgliedern eine mildere Vorgabe von mindestens 10 Prozent Liquidität. Wer also seine Hypothek mit dem letzten Spargroschen finanzieren muss, weil er über wenig flüssige Mittel verfügt, könnte bei Versicherungen einen schweren Stand haben.

Auch die Zurich-Versicherung geht weniger weit als Banken: Ein Eigenheim finanziert sie mit maximal 75 Prozent Fremdmitteln. Besonders Vorsorgeeinrichtungen gehen häufig auf Nummer sicher, indem sie zum Beispiel nur Hypotheken im ersten Rang vergeben.

Es wird kolportiert, dass bei einzelnen Versicherungen der Zins erst spürbar sinkt, wenn der Kunde als Ergänzung zur Hypothek zum Beispiel eine Lebensversicherung abschliesst. Nebst Mehrertrag wird die Hypothek so zusätzlich abgesichert. Waller schliesst das für die Axa Winterthur aus: «Die beiden Geschäfte sind bei uns klar getrennt, wir bieten auch ohne Versicherung günstige Zinssätze an.»

Hypothek als Anlagevehikel

Dass Versicherungen und einige Pensionskassen mit günstigen Konditionen in den Markt drängen, hat gute Gründe: Wegen momentan tiefen Zinsen erzielen sie mit Anleihen keine Rendite mehr. Bei Investitionen in Aktien ist der Spielraum begrenzt, und auch das Risiko ist höher.

So bieten sich als Anlagevehikel Hypotheken an. Sie werfen mehr Ertrag ab, sind mit Sachwerten gut gesichert und unterliegen nicht wie Aktien teilweise starken Kursschwankungen. Anders als bei Versicherungen sind Hypotheken für Banken nicht eine Anlage, sondern ein Kerngeschäft.

Der Anteil am Hypothekenmarkt liege bei Versicherungen und Pensionskassen je in einem tieferen einstelligen Prozentbereich, sagt Andreas Dietrich, Professor an der Hochschule Luzern und Experte für Kreditgeschäfte. Er geht davon aus, dass sie in den kommenden Jahren im langfristigen Geschäft zulegen werden, nicht aber bei kurzen Laufzeiten.

Aufgrund der Regulierungsvorschriften sei dieses für Versicherungen weniger attraktiv. Für Konsumenten bedeutet das letztlich: Bei Versicherungen können sie vor allem bei langen Laufzeiten mit relativ guten Konditionen rechnen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.10.2017, 10:54 Uhr

Tipps für Suche nach günstiger Hypothek

Mehrere Vermittler von Hypotheken haben auf ihrer Internetplattform Konditionen aufgeschaltet, so zum Beispiel Moneypark oder Hypoplus. Die Abfrage verlangt individuelle Angaben und gibt schliesslich einen Zinssatz an.

Finanzierungsgesellschaften werden aber nicht genannt, da die Anbieter die Hypotheken selber vermitteln wollen und dafür von Finanzinstituten eine Provision erhalten.

Die Vermittler versprechen eine umfassende Marktübersicht, Durchsetzung guter Konditionen und Beratung. Anderswo gibt es Beratung im Stundenansatz mit Rückerstattung allfälliger Vermittlungsprovisionen, so zum Beispiel bei der Firma Vermögenspartner.

Es ist empfehlenswert, auch auf eigene Faust Vergleichs­angebote einzuholen. Denn zum Beispiel Onlinehypotheken berücksichtigen die Vermittler oft nicht.

Onlinehypotheken sind einfache Standardprodukte, die ohne oder nur mit minimaler Beratung abgeschlossen werden können. Meist sind es Kantonalbanken, die neben dem beratungsintensiven Geschäft im Internet mit tiefen Kosten und Margen noch solche Produkte anbieten (Beispiel: Hypomat der Glarner Kantonalbank).

Eine Übersicht über die Zinssätze mit Namensnennung der Finanzgesellschaften liefert Moneyland.ch. Das Vergleichsportal aktualisiert in seiner Datenbank täglich 120 Hypo­thekenprodukte von mehr als 50 Anbietern.

Doch das sind Richtzinsen, die häufig herun­tergehandelt werden können. Verhandeln ist auch bei der Erneuerung einer bestehenden Hypothek wichtig, da es um Einsparungen von vielen Tausend Franken geht. Konkurrenzofferten können dabei hilfreich sein. Moneyland hat auch eine Vielzahl von Hypothekarrechnern aufgeschaltet, mit denen sich unter anderem Tragbarkeit oder die Kosten einer vorzeitigen Kündigung berechnen lassen.

Wer über einige flüssige Mittel verfügt, findet vielleicht auch bei Pensionskassen interessante Angebote (Beispiel: BVK). ki

Artikel zum Thema

So ködern Banken bei Hypotheken

Finanzinstitute locken gelegentlich mit speziellen Vergünstigungen, wenn sie Hypotheken anbieten. Doch bei genauerem Hinsehen ist das Angebot oft nicht so attraktiv, wie es auf den ersten Blick scheint. Mehr...

Die teuersten Hypotheken gibt es im Espace Mittelland

Die Region Espace Mittelland ist ein teures Pflaster. Zumindest was Hypothekarzinsen angeht. Nirgends in der Schweiz zahlt man mehr als dort. Verblüffenderweise sind gerade die tiefen Einkommen, ein Grund. Mehr...

Mit dem Geldsegen von Verwandten

Damit die eigenen vier Wände auf stabilem Fundament ruhen, ist ein angemessener Anteil Eigenkapital wichtig. Nebst einem Darlehen einer Bank kommen noch andere Finanzquellen infrage: Erbvorbezug oder Verwandtendarlehen. Mehr...

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

Echt jetzt? Bündner Brücke der Rekorde

Bern & so Spass mit Autos

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Voll Schrott: Bis zu 300 Autowracks sind bei einem Feuer auf einem deutschen Entsorgungsbetrieb in Recklinghausen verbrannt. (16. Dezember 2017)
(Bild: Marcel Kusch) Mehr...