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Klumpenrisiko vermindern, Ärger vermeiden

Die SNB wurde jüngst wegen ihrer massiven Eurokäufe kritisiert. Jetzt hat sie einen Teil davon abgestossen und dafür Milliarden von Dollar und Pfund gekauft. Warum das?

Philipp Löpfe
Will die Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro mit allen Mitteln verteidigen: Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank während eines Referats in Zürich. (3. September 2012)
Will die Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro mit allen Mitteln verteidigen: Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank während eines Referats in Zürich. (3. September 2012)
Fabrice Coffrini, AFP

Die Aussenpolitik der Schweiz interessiert ausserhalb der Landesgrenzen kaum jemanden. Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hingegen wird von allen anderen mit Argusaugen verfolgt. Das ist kein Wunder: Was mit dem Franken geschieht, hat nicht nur direkte Auswirkungen auf die schweizerische Exportwirtschaft, es hat auch indirekten Einfluss auf die Wirtschaftspolitik von Drittstaaten. Und das geht so:

Die SNB hat geschworen, die Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro mit Zähnen und Klauen zu verteidigen und notfalls unlimitiert fremde Währungen aufzukaufen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: Die SNB setzt Franken in Umlauf und kauft dafür in Euro notierte Wertpapiere, beispielsweise deutsche oder französische Staatsanleihen. Damit verhindert sie die Aufwertung des Frankens.

Ausgedehnte Bilanzen, viele Euros

Dummerweise aber hat dies zwei unbeabsichtigte Konsequenzen. Erstens «verlängert» sich die Bilanz der SNB, will heissen: Die Aktiv- und die Passivseite der Nationalbank blähen sich gewaltig auf. Damit ist die SNB allerdings in bester Gesellschaft. Seit Ausbruch der Krise haben sich auch die Bilanzen der anderen Notenbanken, etwa des US-Fed und der EZB massiv ausgedehnt. Zweitens hat die SNB nun sehr viele Euros in ihren Büchern. Um den Franken bei 1.20 zu stabilisieren, soll sie zwischen Mai und Juli Euros im Umfang von 145 Milliarden erworben haben.

Die SNB selbst gibt keine Details ihres Vorgehens bekannt. Sie genügt sich mit der allgemeinen Formulierung, sie strebe einen Euroanteil von rund 50 Prozent in ihrem Devisenportfolio an. Wegen der massiven Zukäufe im vergangenen Sommer ist er jedoch auf rund 60 Prozent gestiegen. Deshalb hat die SNB nun anscheinend Gegensteuer gegeben. Die japanische Bank Nomura will wissen, dass sie im dritten Quartal 45 Milliarden Euro in Dollar und 14 Milliarden Euro in britische Pfund umgetauscht habe. Damit hat sich der Euroanteil im SNB-Portfolio auf die angestrebten 50 Prozent reduziert.

Klumpenrisiko vermindern, Ärger vermeiden

Die SNB verfolgt mit ihren Umschichtungen zwei Ziele. Einerseits vermindert sie damit ein Klumpenrisiko. Zweitens will die SNB mit ihrer Umschichtung Ärger vermeiden. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ihr vor ein paar Wochen vorgeworfen, mit ihrer Geldpolitik das Ungleichgewicht in Euroland zu verstärken. Durch die einseitigen Aufkäufe von Wertpapieren der Nordländer würde sie die Zinsen dieser Länder künstlich niedrig halten. Damit würde die Wirtschaft der ohnehin gebeutelten Südländer benachteiligt, denn die Zinsen der Staatsanleihen sind die Massstäbe der Zinsen für die Unternehmen. Die SNB hat diesen Vorwurf energisch bestritten.

Tatsächlich kann sich die SNB auf Notwehr berufen. Sie will nicht mit einer verpönten Währungsmanipulation die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie verbessern, sondern die dramatischen Folgen einer ungewollten Aufwertung des Frankens vermeiden. Das ist legitim. Hingegen werden die unbeabsichtigten Konsequenzen dieser Geldpolitik immer häufiger zum Stein des Anstosses. Mit ihren massiven Interventionen beeinflusst die SNB tatsächlich Zinsen und Devisenkurse, ob sie will oder nicht. Zudem besteht die Gefahr, dass das Vorgehen der SNB Schule macht. Auch die Bank of Japan schwächt mit gezielten Interventionen auf den Märkten den Kurs des Yen und beruft sich damit ausdrücklich auf die SNB.

Je länger die Wirtschaftskrise dauert, desto klarer zeigt sich: aussenpolitisch kann sich die kleine Schweiz hinter den sicheren Mauern einer Neutralitätspolitik verschanzen. Die SNB hat in einer unsicheren Welt mit volatilen Finanzmärkten diese Option nicht.

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