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Internetbetrug: Firmen sollen haften

Bei Einkäufen im Internet wird man als Konsument immer öfter getäuscht. Die Stiftung für Konsumentenschutz fordert die Wirtschaft auf, Verantwortung zu übernehmen.

Mit Andreas Tschöpe* sprach René Staubli

Herr Tschöpe, ein Zürcher Architekt hat im Internet Olympiatickets gekauft und mit der Kreditkarte bezahlt. Die Seite wirkte seriös, das Buchungssystem war zudem höchst professionell. Dahinter standen allerdings Betrüger. Was hat der Architekt falsch gemacht?

Er hat nicht viel falsch gemacht. So, wie die Seite daherkam, ist sein Vertrauen nachvollziehbar. Vielleicht hätte er im Internet zuerst recherchieren sollen, welches die offiziellen Ticketverkäufer sind. Die werden in seriösen Tageszeitungen nämlich oft genannt. Er hätte dann bei der Bestellung zumindest gewusst, dass er es mit einem inoffiziellen Anbieter zu tun hatte.

Immer mehr Leute kaufen im Internet Artikel wie Bücher oder Turnschuhe, buchen Flüge, Hotels und Konzerte. Sie zahlen meist mit der Kreditkarte, noch ehe sie eine Gegenleistung erhalten haben. Worauf sollten die Konsumenten besonders achten?

Drei Dinge zeigen ziemlich zuverlässig, ob es sich um eine vertrauenswürdige Website handelt: 1. Wenn unter «Kontakt» die Telefonnummer und die Adresse des Betreibers aufgeführt sind und nicht nur ein Postfach. 2. Wenn die Preise transparent ausgewiesen sind, also inklusive Mehrwertsteuer, Verpackungs- und Versandkosten. 3. Wenn vernünftige Allgemeine Geschäftsbedingungen aufgeführt sind, die sich ausdrucken lassen.

Was sind aus Ihrer Sicht die absoluten «Todsünden», die Konsumenten bei Onlinegeschäften begehen können?

Wer mit Kreditkarte ohne verschlüsselte Verbindung zahlt, braucht sich nicht zu wundern, wenn etwas schiefläuft. Und wer sich dazu verleiten lässt, persönliche Daten wie Kontonummern, Passwörter oder Pincodes anzugeben, ebenfalls nicht.

In den letzten Jahren hat die Internetkriminalität massiv zugenommen. Die Konsumenten verlieren allmählich das Vertrauen ins Onlinegeschäft. Mit welchen Massnahmen kann man es zurückgewinnen?

Der Vertrauensverlust ist bedauerlich, denn das Onlinegeschäft ist effizient und hat Zukunft. Wir müssen die Konsumenten im Netz unbedingt besser schützen. Gefordert ist die Wirtschaft. Firmen, die übers Internet Waren oder Dienstleistungen verkaufen, müssen die Risiken auf sich nehmen. Wenn sie für Schädigungen der Kunden selber aufkommen müssten, würden sie grössere Anstrengungen unternehmen, um die Sicherheit zu verstärken.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Schweizer Banken wälzen im Onlinegeschäft immer mehr Risiken auf die Kunden ab. Was unternimmt die Stiftung für Konsumentenschutz dagegen?

Der Eindruck ist komplett richtig: Es kann nicht sein, dass Banken, Kreditkartenunternehmen und andere Anbieter die Risiken auf die Konsumenten abschieben und dies dann noch im Kleingedruckten regeln, über das die Kunden häufig hinwegsehen. Unserer Meinung nach müssten beide Seiten gleiche Rechte und Pflichten haben.

Die zunehmenden Probleme im E-Commerce scheinen die Politiker nicht allzu stark zu kümmern. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Das Geschäft im Internet ist tatsächlich ein komplettes Stiefkind der Schweizer Politik. Onlinekunden sind bei weitem nicht gleichgestellt mit jenen, die im Laden einkaufen. Die EU hat mit verschiedenen Richtlinien gleich lange Spiesse geschaffen: Websitebetreiber dürfen Risiken nicht auf Kunden abwälzen, allgemeine Geschäftsbedingungen und transparente Preisangaben sind Pflicht. Ausserdem haben die Online-Kunden ein Widerrufsrecht, wenn ihnen das gelieferte Produkt nicht gefällt. In der EU beträgt die Frist mindestens 7 Tage, Deutschland geht mit 14 Tagen sogar noch weiter. Bei uns gibt es nichts von alledem.

Tut sich denn gar nichts auf der politischen Ebene?

Doch: Das Volkswirtschaftsdepartement schlägt in der Vernehmlassung zur Revision des Artikels über den unlauteren Wettbewerb die Angleichung der Anforderungen an die allgemeinen Geschäftsbedingungen ans EU-Niveau vor. Die Revision wird aber sicher noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Bezüglich Widerrufsrecht und Pflichtangaben auf Websites hat unsere Stiftungsratspräsidentin Simonetta Sommaruga eine parlamentarische Initiative eingereicht. Der Ständerat hat sie angenommen, der Nationalrat wird im Herbst darüber befinden.

In den USA haben sich Betrüger in die drahtlosen Netzwerke von Geschäften eingeloggt und Schnüffelprogramme installiert, die die Kreditkartennummern und Pins der Kunden drahtlos übermittelten, wenn sie an der Kasse zahlten. Das ist eine erschreckende, neue Dimension. Was kann man dagegen tun?

Solche Vorfälle erschüttern natürlich die Grundfesten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Als Einzelperson kann man sich fast nicht dagegen schützen. Es ist an den Unternehmen, entsprechende Abwehrmassnahmen gegen solche kriminellen Machenschaften zu ergreifen. Wir raten den Konsumenten, unter diesen Umständen nicht bedenkenlos alles mit Plastikgeld zu bezahlen, sondern auch an die Vorteile des Bargelds zu denken.

* Andreas Tschöpe ist Onlineexperte bei der Stiftung für Konsumentenschutz.

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