Geldverleih ist gefragt, aber riskant

Wer einen Kredit braucht, kann zu einer Bank gehen – oder im Internet ­Privatpersonen suchen, die einem das Geld leihen. So tief, wie man meinen könnte, sind die Kreditzinsen bei Internetdarlehen nicht.

Gesucht im Internet: Geldgeber. Wer bietet die interessantesten Konditionen? Professionelle Firmen helfen dabei.

Gesucht im Internet: Geldgeber. Wer bietet die interessantesten Konditionen? Professionelle Firmen helfen dabei. Bild: flickr/portalgda/BZ

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Ein 57-jähriger Schweizer muss Steuern nachzahlen und will seiner Tochter das Studium finanzieren. Er verdient zwar 16'000 Franken pro Monat, muss aber seiner Ex-Frau Unterhalt zahlen. Er braucht dringend 35'000 Franken. Rund zwanzig private Geldgeber haben dem Mann das nötige Geld ausgeliehen — zu 6,1 Prozent Zins.

Das Risiko ist gross

Solche Geschichten erfährt man auf den Internetseiten von sogenannten Crowdlending-Firmen. Die Absicht dieser Kreditvermittler: Weil keine Bank Gewinne einstreicht, müssen die Kreditnehmer weniger zahlen und bekommen die Kreditgeber mehr Zins. Der Haken: Kreditnehmer zahlen zwar unter Umständen weniger Zins als bei einer Bank, doch es kommen hohe Kosten dazu für die Versicherung, die bei allfälliger Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit einspringen würde.

Und die Kreditgeber müssen sich im Klaren sein: Sie können ihr Geld zwar zu attraktiven 6,1 Prozent anlegen, statt es für 0,1 Prozent auf dem Sparkonto zu horten. Doch es ist bei weitem nicht so sicher angelegt wie auf der Bank. Das Risiko ist gross, dass das Geld nicht mehr vollständig zurückkommt.

Derzeit gibt es in der Schweiz drei grössere Unternehmen, die Kredite direkt unter Privatpersonen vermitteln:

  • Die älteste Direktleihfirma in der Schweiz ist Cashare. Sie vermittelt seit acht Jahren via Internet zwischen Privatpersonen, die Geld brauchen, und solchen, die Geld geben. Von den bisher über 1100 Krediten war die Hälfte für Fahrzeuge, Wohnungseinrichtungen und Ferien bestimmt.
  • Creditgate 24 ist erst seit einem Jahr tätig und hat bisher gut 100 Kredite vermittelt.
  • Lend heisst das dritte Unternehmen; es hat erst vor vier Monaten das Geschäft aufgenommen und bisher gut zwei Dutzend Kredite vermittelt.

Der Kostenvergleich zeigt: Am wenigsten Gebühren und Versicherungskosten verlangt Creditgate 24. Am teuersten ist Cashare. Bei Cashare können die Kreditnehmer zwar auf die Versicherung bei Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit verzichten. Doch ohne diese Versicherung ist es kaum möglich, Geldgeber zu finden.

Mangelnder Erfolgsausweis

Für Kreditnehmer sind die ­Direktleihvermittler häufig eine günstige Alternative zu Kleinkreditbanken. Deren effektive Zinsen betragen bis zu 14,5 Prozent. Nur die Migros-Bank kann mit den Direktleihvermittlern konkurrenzieren. Sie bietet ihren Internetkleinkredit zu 5,9 Prozent an. Allerdings vergibt die Migros-Bank keine Kleinkredite an Rentner oder Temporärangestellte. Bei den Direktleihvermittlern können hingegen auch diese Personen Kredit erhalten, wenn sie genug verdienen und ihre Schulden bisher immer pünktlich zurückgezahlt haben.

Für Geldgeber bieten die ­Direktkreditvermittler attraktive Zinsen. Doch Anleger müssen sich gut überlegen, ob sie dafür das grosse Risiko eingehen wollen. Creditgate 24 und Lend können noch nichts darüber sagen, wie viel des geliehenen Geldes nicht mehr zurückkommt. Bei Cashare haben die Anleger laut Michael Borter, dem Geschäftsführer und Mitgründer der Firma, bisher ein Prozent ihres Geldes verloren. Diese bisher tiefe Ausfallrate könne sich aber ändern, warnt Andreas Dietrich, Professor und Crowdlending-Fachmann an der Hochschule Luzern: «Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage könnte die Ausfallwahrscheinlichkeit künftig auf 5 Prozent steigen.»

Alle drei Firmen betonen, wie strikt sie die Kreditnehmer prüfen. Bei der Berner Schuldenberatung sind die Direktleihfirmen im Gegensatz zu anderen Kleinkreditfirmen noch nicht negativ aufgefallen. Cashare ist nach eigenen Angaben so streng, dass 80 Prozent der Anträge abgelehnt werden. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Kreditnehmer ihre Raten nicht pünktlich oder gar nicht mehr überweisen.

Die Direktleihvermittler kümmern sich dann zwar um Mahnungen und das Inkasso. Fruchtet alles nichts, ist das ausstehende Geld aber verloren. Einzig bei Creditgate 24 gibt es einen kleinen Trost. Die Firma hat einen Solidaritätsfonds, mit welchem ein Kreditausfall bei einem einzelnen Anleger auf eine ganze Gruppe verteilt wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.04.2016, 10:55 Uhr

Alternative

Braucht man dringend Geld, kann man auch bei Freunden und Verwandten fragen. Der Vorteil: Die Parteien kennen sich und können sich eher vertrauen. Trotzdem sollte man auch bei gutem Einvernehmen unbedingt einen schriftlichen Darlehensvertrag machen. Darin ­gehören folgende wichtigen Punkte geregelt: Darlehensgeber, Darlehensnehmer, Betrag, Zinssatz, Zinstermin, Laufzeit, Rückzahlungsraten, Kündigungsfristen und allfällige Sicherheiten.

Wird keine Kündigungsfrist festgelegt, gilt die gesetzliche Frist von sechs Wochen. Als Sicherheit kann eine Liegenschaft oder ein sogenanntes Faustpfand – zum Beispiel Schmuck oder ein Auto – dienen.

Finanziert der Kreditnehmer mit dem Darlehen ein Auto, sollte er eine Vollkaskoversicherung abschliessen. Sonst bringt ihn ein Totalschaden in Geldnot.

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