Es ist an der Zeit, dass sich die Bauern bewegen

Viele Landwirte haben den Klimawandel bisher nur widerwillig bekämpft. Das muss sich ändern.

Die Trockenheit setzt den Landwirten zu: Nun hat der oberste Bauer, Markus Ritter, um Hilfe gerufen. Bild: Keystone

Die Trockenheit setzt den Landwirten zu: Nun hat der oberste Bauer, Markus Ritter, um Hilfe gerufen. Bild: Keystone

Christoph Lenz@lenzchristoph

Welkes Gemüse. Versengte Felder. Wasserknappheit. Futtermangel. Notschlachtungen. Die extreme Trockenheit setzt den Schweizer Landwirten zu. Vergangenen Dienstag hat Markus Ritter, der oberste Bauer im Land, nach Hilfe gerufen: Gemeinsam sollten Landwirte, Händler, Konsumenten und die Politik dazu beitragen, die teils dramatischen Folgen der Dürre zu lindern.

Bereits Anfang Woche hatte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann die Zölle für ausländisches Raufutter gesenkt. Für Bauern mit braunen Wiesen wird es also günstiger, ihr Vieh durch die nächsten Monate zu bringen. Auf kurze Sicht ein verständlicher Schritt. Aber er bringt auch einen der grossen Widersprüche der Schweizer Landwirtschaftspolitik zum Vorschein: Die Sicherheit der Versorgung des Landes mit inländischen Lebensmitteln beruht darauf, dass aus dem Ausland die Rohstoffe importiert werden können. Schneider-Ammanns Zollsenkung ist reine Pflästerlipolitik: Bekämpft werden nur die Symptome, nicht aber die Ursachen des Klimawandels.

Bisherige Bilanz fällt ernüchternd aus

Und längerfristig? Muss der Bund die Landwirte besser vor Extremwettern schützen? Voraussetzung dafür ist, dass die Bauern selbst bereit sind, den ökologischen Umbau entschlossener voranzutreiben. Ihre bisherige Bilanz fällt ernüchternd aus: Erstens hat die Branche wichtige Umweltziele des Bundes verfehlt; der Treibhausgasausstoss des Agrarsektors etwa sinkt seit bald zwanzig Jahren nicht mehr. Zweitens haben es viele Betriebe versäumt, ihre Produktion auf die künftigen klimatischen Bedingungen auszurichten. Drittens stemmen sich viele Agrarvertreter in Bern gegen ökologische Reformen.

Bleiben die Bauern in dieser Blockadehaltung, müssen sie nicht nur ihre Hoffnungen auf zusätzliche Klima-Hilfe des Bundes begraben. Sie müssen sich auch mit dem Szenario befassen, dass die Stimmbürger eine der rigorosen Öko-­Agrar-Initiativen annehmen, die in den nächsten Jahren an die Urne kommen.

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