Duménil wittert ein Komplott von Zürcher Medienhäusern

Der Walliser Fiskus erfuhr vom Fall des Agefi-Verlegers Alain Duménil durch einen Dritten. «L’Hebdo» von Ringier und der «Tages-Anzeiger» hatten zeitgleich über die Steuerermittlungen berichtet.

«Schwere Steuerwiderhandlungen»: Happige Vorwürfe gegen die Genfer Wirtschaftszeitung «L’Agefi».

«Schwere Steuerwiderhandlungen»: Happige Vorwürfe gegen die Genfer Wirtschaftszeitung «L’Agefi».

(Bild: Keystone)

Philippe Reichen@PhilippeReichen
Thomas Knellwolf@KneWolf

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) bezichtigt den Multimillionär Alain Duménil «schwerer Steuerwiderhandlungen» (Bernerzeitung.ch/Newsnetz vom Donnerstag). Der Verleger der Genfer Wirtschaftszeitung «L’Agefi» soll dem Fiskus 54 Millionen Franken Einkommen verschwiegen haben. Die ESTV konfiszierte Anfang Jahr vorsorglich 25 Millionen Franken seines Vermögens. Recherchen des Bernerzeitung.ch/Newsnetz zeigen nun, wie der Fall ins Rollen kam. Der Bernerzeitung.ch/Newsnetz weiss aus sicherer Quelle, dass eine Drittperson dem Walliser Fiskus Hinweise lieferte, wonach der Verleger in vergangenen Jahren möglicherweise Teile seiner Einkünfte nicht deklariert hat, worauf die kantonale Steuerverwaltung die Abteilung Strafsachen und Untersuchungen der ESTV einschaltete.

«Le Temps»-Verkauf kam später

Alain Duménil sprach gestern in einem Interview mit dem Westschweizer Radio (RTS) von «einem Komplott». Er verdächtigt die Medienhäuser Ringier und Tamedia, sich im Nachgang des Verkaufs der Zeitung «Le Temps», bei dem er nicht berücksichtigt wurde, zu revanchieren und «L’Agefi» Abonnenten abjagen zu wollen. Dies, weil die Ringier-Zeitschrift «L’Hebdo» und der von Tamedia herausgegebene «Tages-Anzeiger» die Steueraffäre zeitgleich enthüllten. Agefi-Chefredaktor François Schaller äus­serte gar den Verdacht, die Zürcher Medien selbst hätten den Fiskus eingeschaltet. Hier zeigen Recherchen Folgendes: Duménil legte im Herbst 2013 sein Interesse an der Übernahme der Zeitung «Le Temps» offen. Der Titel wurde von Ringier und Tamedia am 8. Oktober 2013 zum Verkauf ausgeschrieben. L’Agefi machte am 9. Oktober 2013 bekannt, ihr Mehrheitsaktionär habe den Zürcher Medienhäusern ein Kaufangebot unterbreitet. Am 25. November 2013 ordnete Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf auf Antrag der ESTV in drei Privatresidenzen Duménils Hausdurchsuchungen an, die am 27. November 2013 stattfanden.

Schaller sagt, «ein Denunziant mit schlechten Absichten» habe Duménil der ESTV gemeldet und den Steuerfahndern seien danach sechs Wochen geblieben, ihre Aktion vorzubereiten.

Gemäss einem mit dem Dossier vertrauten Steuerexperten ging die Meldung im Fall Duménil bei den Walliser Steuerbehörden aber «lange Zeit» vor jenem 9. Oktober 2013 ein, als Tamedia und Ringier ihre Absicht kundtaten, die Zeitung «Le Temps» zu verkaufen. Die Hausdurchsuchung kann somit nichts mit dem Zeitungsverkauf zu tun haben.

Bis heute wurde der Vorwurf der «schweren Steuerwiderhandlungen» von keinem Gericht beurteilt. Für den Frankoschweizer Alain Duménil gilt die Unschuldsvermutung.

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