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«Die US-Regierung hat ihre Macht missbraucht»

Der Prozess gegen Raoul Weil sei von Beginn weg zum Scheitern verurteilt gewesen, sagt dessen Verteidiger Aaron Marcu. Das Justizministerium habe ein wichtiges Ziel jedoch bereits mit der Anklage erreicht.

Mit Aaron Marcu sprach Walter Niederberger
Der Freispruch: Raoul Weil wird vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen. Richter James Cohn unterzeichnet den Freispruch und setzt den Angeklagten sofort auf freien Fuss. Weil kann in die Schweiz zurückreisen.
Der Freispruch: Raoul Weil wird vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen. Richter James Cohn unterzeichnet den Freispruch und setzt den Angeklagten sofort auf freien Fuss. Weil kann in die Schweiz zurückreisen.
PD
Die Ankündigung. Nach einer nur 75 Minuten langen Beratung haben die Geschworenen am Montagabend ihre Meinung gemacht. Sie mussten das Urteil einstimmig fällen und erklärten dem Richter, dass für sie die Sache klar ist: «Wir haben ein Urteil!!»
Die Ankündigung. Nach einer nur 75 Minuten langen Beratung haben die Geschworenen am Montagabend ihre Meinung gemacht. Sie mussten das Urteil einstimmig fällen und erklärten dem Richter, dass für sie die Sache klar ist: «Wir haben ein Urteil!!»
PD
Den Geschworenen fehlte es an direkten Beweisen für einen Schuldspruch: Raoul Weil (hier mit seiner Frau Susan Lerch) verlässt nach dem Freispruch das Gerichtsgebäude in Fort Lauderdale (Florida). (4. November 2014)
Den Geschworenen fehlte es an direkten Beweisen für einen Schuldspruch: Raoul Weil (hier mit seiner Frau Susan Lerch) verlässt nach dem Freispruch das Gerichtsgebäude in Fort Lauderdale (Florida). (4. November 2014)
Keystone
Er gehörte laut dem Hauptzeugen zu den einflussreichsten Stimmen in der UBS: Raoul Weil mit seiner Frau Susan Lerch Weil vor dem Gericht in Florida. (23. Oktober 2014)
Er gehörte laut dem Hauptzeugen zu den einflussreichsten Stimmen in der UBS: Raoul Weil mit seiner Frau Susan Lerch Weil vor dem Gericht in Florida. (23. Oktober 2014)
Andrew Innerarity, Reuters
Er war der Hauptzeuge: Der ehemalige UBS-Banker Martin Liechti (links) im Gericht. (23. Oktober 2014)
Er war der Hauptzeuge: Der ehemalige UBS-Banker Martin Liechti (links) im Gericht. (23. Oktober 2014)
Andrew Innerarity, Reuters
«Ich wollte dereinst nicht als Verantwortlicher dastehen»: Martin Liechti, hier während einer Senats-Anhörung in Washington 2008.
«Ich wollte dereinst nicht als Verantwortlicher dastehen»: Martin Liechti, hier während einer Senats-Anhörung in Washington 2008.
Keystone
Beginn des Prozesses: Raoul Weil (links) mit seiner Frau, Susan Lerch Weil, vor dem Gericht in Fort Lauderdale, Florida. Weil hatte eine klassische Bankerkarriere durchlaufen. (14. Oktober 2014)
Beginn des Prozesses: Raoul Weil (links) mit seiner Frau, Susan Lerch Weil, vor dem Gericht in Fort Lauderdale, Florida. Weil hatte eine klassische Bankerkarriere durchlaufen. (14. Oktober 2014)
Keystone
Nach einem Wirtschaftsstudium stieg er beim damaligen Schweizerischen Bankverein in Basel ein. Ab 1994 war er für das Private Banking des SBV in den USA verantwortlich, ab 1996 arbeitete er für die ganze Private-Banking-Sparte Nordamerika und die Karibik.
Nach einem Wirtschaftsstudium stieg er beim damaligen Schweizerischen Bankverein in Basel ein. Ab 1994 war er für das Private Banking des SBV in den USA verantwortlich, ab 1996 arbeitete er für die ganze Private-Banking-Sparte Nordamerika und die Karibik.
Michael Kupferschmidt, Keystone
2002 der grosse Karriereschritt: Weil wurde Chef des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts der UBS – die Funktion, die ihm den Prozess in Florida beschert hatte. (Bild: UBS am Paradeplatz im Juli 2014)
2002 der grosse Karriereschritt: Weil wurde Chef des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts der UBS – die Funktion, die ihm den Prozess in Florida beschert hatte. (Bild: UBS am Paradeplatz im Juli 2014)
Ennio Leanza, Keystone
Weil arbeitete aus Sicht des damaligen UBS-Managements aber offensichtlich erfolgreich: 2005 wurde er in die Konzernleitung der Bank berufen, 2007 wurde Weil Leiter von Global Wealth Management & Business Banking, also des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Privat- und Firmenkundengeschäfts (7. Januar 2014).
Weil arbeitete aus Sicht des damaligen UBS-Managements aber offensichtlich erfolgreich: 2005 wurde er in die Konzernleitung der Bank berufen, 2007 wurde Weil Leiter von Global Wealth Management & Business Banking, also des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Privat- und Firmenkundengeschäfts (7. Januar 2014).
J Pat Carter (AP Photo)
Der Bruch kam im November 2008: Raoul Weil wurde in den USA angeklagt und schied einige Monate später aus der Bank aus. Weil (r.) mit seinem Anwalt David Mendel in Florida (7. Januar 2014).
Der Bruch kam im November 2008: Raoul Weil wurde in den USA angeklagt und schied einige Monate später aus der Bank aus. Weil (r.) mit seinem Anwalt David Mendel in Florida (7. Januar 2014).
Joe Skipper, Reuters
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Sie schienen erleichtert, aber nicht überrascht, als die Geschworenen Raoul Weil nicht schuldig sprachen. Wann haben Sie geglaubt, dass er eine echte Chance auf einen Freispruch hatte?

Wir dachten immer, dass wir in einer starken Position waren, und wussten, dass wir einen Unschuldigen vertraten. Wir wissen aber aus Erfahrung, dass in den USA die Kläger 95 Prozent aller Strafprozesse gewinnen. Deshalb durften wir uns unserer Sache nie ganz sicher sein und mussten aufpassen, nicht zu zuversichtlich zu werden. Doch nach dem Abschluss von Beweisführung und Einvernahmen war uns klar, dass wir die Glaubwürdigkeit der Zeugen der Anklage beschädigt hatten. Wir hatten in den Kreuzverhören bewiesen, was wir als Verteidiger beweisen mussten.

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