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Die Mission des Erwin Heri

Schule und Finanzbranche haben es bisher nicht geschafft, einem breiten Publikum elementares Finanzwissen zugänglich zu machen. Der Basler Finanzmarktprofessor ­Erwin Heri und seine Mitstreiter sind in die Bresche gesprungen.

Bitte nicht zu laut. Über Geld spricht man höchstens im Flüsterton, am liebsten aber gar nicht. Ob man nun viel davon hat oder gar keines, Geld bleibt ein Tabu. Dies nicht bloss aus Scham oder wegen einer allzu grossen Zurückhaltung, sondern häufig deshalb, weil man schlicht und einfach zu wenig davon weiss.

Bei Fragen, die sich ums Geld drehen, verstehen die meisten Bahnhof. Verschiedene Studien bestätigen dieses Unwissen. In einer internationalen Untersuchung konnte zum Beispiel nur jeder zweite Schweizer drei einfache Fragen von Finanzwissenschaftern richtig beantworten.

Das Allheilmittel gegen den Finanzanalphabetismus ist in der Regel rasch zur Hand: An den Schulen solle doch bitte mehr zum Thema Geld gelehrt werden. Doch die zaghaften Versuche, die Vermittlung von Geldwissen in den Schulen zu verstärken, sind meist rasch wieder versandet.

Ignoranz kann teuer werden

Ohne rudimentäres Finanzwissen ist es aber schwierig, nur schon einen Kredit zu beantragen oder eine Versicherung abzuschliessen. Und wer selbst ein­fache Geldfragen nicht richtig ­beantworten kann, wird schnell einmal Opfer von skrupellosen Betrügern. Wer unsorgfältig in seine Altersvorsorge investiert, setzt mit dieser Unwissenheit eine solide Rente aufs Spiel.

Weiterbildung im Bereich der Geldfragen wird aber nicht nur kaum angeboten, sondern die meisten Konsumenten sind zusätzlich überzeugt davon, eigentlich über genügend Finanzwissen zu verfügen. Eine Selbstüberschätzung, die effiziente Hilfe schwermacht. Schwer, aber nicht unmöglich, sagte sich der bekannte Basler Finanzmarktprofessor Erwin Heri.

Er wollte nicht mehr einfach untätig zuzuschauen, wie das Finanzwissen brachlag, und begann mit einigen Mitstreitern auf der frei zugänglichen Internetplattform Fintool in kurzen Videos Begriffe und Zusammenhänge aus der Finanzwelt zu erklären. Gratis und franko und explizit für ­Otto Normalverbraucher. «Man muss kein Ökonomiestudium haben, um die in einfacher Sprache vorgetragenen Erklärstücke zu begreifen», unterstreicht Erwin Heri. Themen sind beispielsweise AHV und Pensionskasse, die wichtigsten Anlagestrategien oder Alternativanlagen.

Eine Bringschuld der Banken

Was er tue, sei eigentlich eine Bringschuld der Finanzbranche, erklärt der umtriebige Finanzmarktprofessor. Denn je mehr Menschen gut informiert seien, desto eher werde sich das Vertrauen in die Finanzmärkte stabilisieren. Besonders wenn an diesen Märkten wieder mal stürmische Zeiten herrschen würden, wünscht sich Heri, dass auch diejenigen ohne BWL-Studium mehr Finanzwissen hätten. «Ausbildung ist die beste Regulierung», sagt der 63-Jährige. «Wir geben uns Mühe, eine breite Palette von Geld-, Anlage- und Wirtschaftsthemen völlig unabhängig aufzuarbeiten.» So kompliziert, wie man die Sachen oft gern darstelle, seien sie nämlich gar nicht.

Die eisernen Regeln

Nach Heri genügen nämlich wenige und einfache Regeln, damit man an den Finanzmärkten dauerhaft Erfolg hat. Als Erstes soll man unbedingt:

In die Wertschriftenmärkte und speziell in Aktien inves­tieren.

Niemals nach kurzfristigen Gewinnen trachten.

Nicht auf den richtigen Moment warten und nicht nach dem richtigen Titel suchen. Den richtigen Moment oder den richtigen Titel gebe es nämlich nicht.

Falsch ist es auch, schlauer sein zu wollen als der Markt.

Erfolgversprechender ist es, breit diversifiziert und passiv anzulegen, sich diszipliniert an eine einmal festgelegte Strategie zu halten und nicht jedem Trend hinterherzulaufen.

Langfristig planen

Das ideale Produkt dafür, diese Erkenntnisse umzusetzen, ist ein Aktienfondssparplan. Mit einem solchen investiert man jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt den gleichen Betrag in ein Indexprodukt und lässt diese Anlage dann möglichst lang liegen. Die Fakten: Ein heute 60-Jähriger, der vor dreissig Jahren begonnen hat, jährlich 10'000 Franken in einen Aktienindexfonds zu investieren, hat heute 1,35 Millionen auf der hohen Kante.

«Die historische Betrachtung zeigt, dass der Anleger auf lange Sicht mit Aktien immer am besten gefahren ist», sagt Heri. Kurzfristige heftige Ausreisser an den Aktienmärkten und die ­Fixierung auf die jährlich ausgewiesene Rendite verhinderten aber meist ein weitsichtiges Vorgehen.

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