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Chinas Währung stösst wohl bald zum Dollar vor

Der Renminbi gehört schon lange in den Währungskorb des IWF. Da sind sich Experten einig. Doch es gibt noch eine Blockade.

Soll den Warenkorb anreichern: Der chinesische Renminbi. (26. August 2015)
Soll den Warenkorb anreichern: Der chinesische Renminbi. (26. August 2015)
AP Chinatopix

Der Weg des chinesischen Renminbi zur Welt-Reservewährung scheint klar vorgezeichnet. Auf dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Ankara wurde deutlich, dass es gegen eine Aufnahme des Renminbi in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) kaum mehr ernstzunehmende Widerstände gibt.

Das entscheidende Argument formulierte Jens Weidmann, Chef der deutschen Bundesbank, in der türkischen Hauptstadt: «Der Währungskorb sollte im Grundsatz die weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse widerspiegeln. Und da ist China mittlerweile zweifellos zu einem ökonomischen Schwergewicht geworden – unabhängig von Wachstumsabschwächung oder Aktienkursrückgang.»

Beim Währungsfonds stossen Chinas Bemühungen auf offene Ohren. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte erklärt, für sie sei es nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann, bis der Renminbi den Währungskorb anreichert. Ein solcher Akt würde gut in die Bemühungen der Finanzinstitution passen - bislang noch blockiert von den USA - über eine interne Reform der Wirtschaftsmacht Nummer Zwei in der Welt eine stärkere Position und mehr Einfluss im Fonds zu geben.

Aufnahme für 2016 in Sicht

Ende des Jahres, vielleicht auch erst im Frühjahr 2016, könnte im IWF-Board das grundsätzliche Ja zur Renminbi-Aufnahme gesprochen werden. Das bedarf einer Zustimmungsquote von 70 Prozent. Ein Problem sollte das nicht sein, wenn nun auch noch die USA nicht mehr Bremsen. Da der Fonds vor kurzem beschlossen hat, die geltende Zusammensetzung bis September 2016 zu verlängern, könnte der Renminbi allerdings erst im Herbst 2016 Bestandteil des Währungskorbes werden.

Mit der Aufnahme könnte China dann just in dem Jahr, in dem es auch die G20-Präsidentschaft inne hat, eines seiner grossen Prestigevorhaben erfolgreich abschliessen. Das Land würde damit im Währungsbereich auf Augenhöhe mit den USA aufrücken. Denen hatte Chinas Führung noch vor wenigen Jahren vorgeworfen, ihren global dominierenden Dollar als Machtinstrument zu nutzen.

Weg zur Marktorientierung

Das Zugangskriterium für eine Korb-Währung erfüllt China als zweitgrösste Welt-Wirtschaftsmacht seit langem. Geprüft werden muss noch, ob die Währung auch überall frei verwendbar und damit auch frei konvertierbar sein wird. Sie muss als Zahlungsmittel weltweit verwendet und an den zentralen Finanzplätzen gehandelt werden.

Hinter all dem steht das Verständnis, dass der Kurs einer solchen Währung sich am Markt bildet und nicht vom Staat festgelegt wird. Hier sehen manche Kritiker angesichts der jüngsten Eingriffe der chinesischen Zentralbank zur Kurssteuerung noch Mängel.

Auch der Charakter von Chinas politischem System mit seinen starken planwirtschaftlichen Elementen lässt manchen etwas zögern. Doch andererseits bescheinigte der IWF dem Land, in der Währungspolitik in Richtung Marktorientierung zu gehen. Die noch bestehenden Mängel werden in der G20 für lösbar gehalten.

Praktische Vorteile

Mit der Aufnahme in den IWF-Währungskorb wird der Renminbi endgültig zur weltweiten Reservewährung. Die Korb-Währungen - bislang sind das der US-Dollar, der japanische Yen, der Euro und das britische Pfund - bilden in einem austarierten Verhältnis die Basis für die IWF-Kunstwährung, die Sonderziehungsrechte (SZR). In der werden dessen Kredite ausgereicht, aber auch die Einlagen beim Fonds gehalten, die in den 188 Mitgliedsländern zu den Devisenreserven zählen.

Für China ergäben sich zusätzlich zum Prestigegewinn auch praktische Vorteile. Die Zentralbanken rund um den Erdball werden einen grösseren Teil ihrer Reserven in Renminbi halten, wenn dieser im Währungskorb ist. China hätte neue Kreditmöglichkeiten auf den Weltmärkten, die Kosten dafür könnten sinken, führen Ökonomen an. Werden Geschäfte in grösserem Masse in Renminbi abgewickelt, spart die chinesische Wirtschaft Transaktionskosten. Zudem würden Investitionen im Ausland erleichtert.

SDA/slw

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