Wer fleissig mit Aktien handelt, zahlt Kapitalsteuern

Kapital­gewinne sind eigentlich steuerfrei. Doch wenn jemand viele Börsengeschäfte tätigt, kann der Fiskus den Kapital­zuwachs besteuern.

Das Berner Verwaltungsgericht liefert eine gute Übersicht über die Kriterien, die zur Besteuerung von Kapital­gewinnen führen.

Das Berner Verwaltungsgericht liefert eine gute Übersicht über die Kriterien, die zur Besteuerung von Kapital­gewinnen führen. Bild: Fotolia

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Nicht zuletzt aufgrund der ak­tuell tiefen Zinsen sind Wertschriften für Anleger attraktiv. Denn die Dividendenerträge fallen oft üppiger aus als die Zinsen auf dem Bankkonto. Anleger spekulieren jedoch vor allem auch auf Kapitalgewinne. Diese sind – im Gegensatz zu Zinsen und Di­videnden – sogar steuerfrei. Doch manche Anleger erleben eine böse Überraschung, wenn Steuerbehörden dafür plötzlich Gewinnsteuern eintreiben. Der Fiskus betrachtet die Anleger in ­diesem Fall als gewerbsmässige Wertschriftenhändler oder Vermögensverwalter.

Abgesehen von den zusätzlichen Steuern hat dieser Status einen Vorteil: Im Gegenzug dürfen auch die Verluste abgezogen werden, wenn das Anlagever­mögen Wert verliert. Aus diesem Grund hat ein Steuerpflichtiger Entscheide der Berner Steuerverwaltung und der Steuer­rekurskommission angefochten. Im Handel mit hochspekulativen Papieren verlor er viel Geld, das er in der Steuererklärung ab­ziehen möchte.

In seiner Urteilsbegründung von Ende August liefert das Berner Verwaltungsgericht eine gute Übersicht über die Kriterien, die zur Besteuerung von Kapital­gewinnen führen:

Anzahl Transaktionen: Eine Vielzahl von Börsengeschäften ist ein starkes Indiz für einen Handel zum Erwerbszweck, bei dem auch Kapitalgewinne steuerpflichtig werden. Als Mindestwert nennen die Richter hundert beziehungsweise zweihundert Transaktionen im Jahr.

Haltedauer: Ein privater An­leger hält eine einmal gekaufte Aktie oft jahrelang. Ein Profi ­handelt mit grösseren Volumen und schlägt sein Anlagevermögen deshalb oft mehrmals jährlich um. Die Richter nennen eine Haltedauer von durchschnittlich weniger als sechs Monaten.

Fremdfinanzierung: Als Profi gilt auch, wer sich für Wert­schriftenkäufe verschuldet.

Gewinnabsicht: Die «subjektive Gewinnstrebigkeit» ist stets unbestritten, da niemand Ver­luste anstrebt. Die «objektive» Gewinnabsicht ist schwieriger zu begründen. Zum einen setzt sie ein professionelles Vorgehen und Fachwissen voraus. Zum andern dürfen die Verlustphasen nicht zu lange dauern – die Rede ist von einer Durststrecke von fünf bis zehn Jahren, während der kein nennenswerter Gewinn erzielt wird. Trifft dies zu, ist es kein ­professioneller Wertschriftenhandel. Die Kriterien gelten in der Regel nicht absolut, sondern werden individuell und teilweise kumulativ beurteilt.

Im vorliegenden Fall hat das Gericht dem Steuerpflichtigen recht gegeben. Die Steuerver­waltung verzichtet darauf, das Urteil anzufechten. (ki)

Erstellt: 31.10.2017, 10:47 Uhr

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