Verunsicherte Euro-Sparer hamstern Schweizer Gold

Hintergrund

Die Schuldenkrise in Europa und der Euro-Sturzflug verängstigen zunehmend die Anleger in der Eurozone. Kleinsparer fürchten um ihr Erspartes und suchen derweil ihr Heil im Gold.

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Immer mehr verunsicherte Kleinsparer ziehen ihr Vermögen aus dem Euroraum ab und fliehen ins Schweizer Gold. «Die Menschen bekämpfen damit ihre Zukunftsängste, weil sie um ihr Geld fürchten», sagt René Buchwalder, Goldhändler und Geschäftsführer von Pro Aurum in Zürich. «Obwohl wir Händler in der Schweiz sind, ist die ausländische Nachfrage höher als die inländische.» Der Grund sei das Kursverhältnis des Euro zum Schweizer Franken. Dabei gehe es um die Psychologie, dass die Menschen überzeugt seien, ihr Geld in einen sicheren Hafen zu retten, der ausserhalb des Euroraums liegt. «Deswegen fliehen die Menschen auch nicht ins Gold innerhalb des Euroraums.» Buchwalder profitiert von der Verunsicherung in der Eurozone: «Die Deutschen gehören zu den besten Kunden, weil die Bevölkerung in ihrer Geschichte bereits zwei Hyperinflationen erlebt hat.» Aber auch die Schweizer haben gemerkt, dass sie sich nicht auf einer Insel der Seligen befinden, so Buchwalder. «Die Nachfrage der Schweizer nach Gold steigt ebenfalls.»

Steigt der Goldpreis, sinkt der Dollarkurs

Die starke Nachfrage treibt den Goldpreis in lichte Höhen: Die Feinunze notiert derzeit bei 1607 US-Dollar, das sind 42'396 Franken pro Kilogramm. Zum Vergleich: Vor einem Monat waren es noch 1529 Dollar bzw. 41'781 Franken. «Eine Preisobergrenze für Gold gibt es nicht», sagt Thomas Steinemann, Chefstratege der Bank Vontobel. Man müsse als Anleger nur darauf achten, das Gold so zu kaufen, dass der Kurs nach unten möglichst gut abgesichert ist. Eine Daumenregel besagt: Steigt der Goldpreis, sinkt der Dollarkurs. Mit Euro Gold zu kaufen, sei weniger empfehlenswert, weil sich der Euro zu nah am Dollar bewege. Vorteilhafter sei es daher, Gold mit Schweizer Franken zu kaufen.

Steinemann empfiehlt, aus Anlegersicht Gold grundsätzlich im Portefeuille zu halten. «Das ist ein Risikoschutz gegen Währungs-, Wirtschafts- und politische Krisen.» Als Spekulant wiederum wäre jetzt nicht der optimale Einstieg, weil derzeit das Risiko gross ist, dass es kurzfristig zu einer Korrektur nach unten kommen kann, so der Experte. Denn der Goldpreis könnte kurzfristig wieder etwas nachgeben, wenn der Schuldenstreit in den USA doch noch beigelegt werden sollte. Unklar sei auch, was die Sitzung der Euro-Finanzminister am Donnerstag ergeben werde. Im Vergleich zu den USA hegt der Chefanalyst für Europa weitaus grössere Zweifel an einer Einigung: «Man diskutiert nicht mehr über das, worum es geht. Es geht längst nicht mehr nur um Griechenland, sondern auch um Spanien, Portugal und Italien. Und damit um den Euro als Ganzes. Ohne Schulterschluss in der Eurozone werden wir keine Ruhe kriegen.» Die US-Schuldenkrise und die Eurokrise sind die zwei Hauptfaktoren für die allgemeine Verunsicherung und damit den hohen Goldpreis.

Chinesen bauen Goldbestände aus

Was dem Goldpreis zusätzlich Auftrieb verleiht, ist die grosse Nachfrage aus Indien und China: Indien ist ein traditionell grosser Nachfrager im Detailhandel. Und China verfolgt mit Goldkäufen strategische Überlegungen, um die Devisenreserven zu diversifizieren. Und zwar, um das Volksvermögen zu schützen. Denn die Chinesen haben Devisenreserven in der Höhe von 1,16 Billionen US-Dollar und auf der anderen Seite Gold, das ebenfalls in US-Dollar notiert. Mehr Gold schützt also bei einem schwächeren Dollar; weil der Goldpreis steigt, wenn der Dollar sinkt. Derzeit halten die Chinesen tausend Tonnen Gold, das entspricht in etwa dem Bestand der Schweiz. Der chinesische Goldbestand soll auf 6000 Tonnen erhöht werden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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